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Geldanlage zum Berufseinstieg : Sparen, anlegen oder ausgeben?

  • -Aktualisiert am

Bild: wutwhanfoto/iStock/Thinkstock

Absolventen starten oft mit ansprechenden Gehältern ins Berufsleben. Wann lohnt es sich, über Geldanlage nachzudenken?

          5 Min.

          Eine stattliche Summe ansparen oder lieber nach dem Studium das erste Geld in einen Backpacking-Trip nach Laos investieren? Viele Absolventen stehen in Sachen Geldanlage nach dem Studium ratlos da und sind hin und her gerissen zwischen Vermögensaufbau und Konsum. Ideal wäre es, wenn man sich nicht zwischen Geldanlage und schöner Reise entscheiden müsste, sondern beides haben könnte. Machbar ist das allemal, denn die ersten Gehälter sind heutzutage mitunter ziemlich üppig. Schon ab einem Jahresgehalt von 45.000 Euro sollte beides möglich sein. Gleichzeitig helfen beim Reisen wie auch bei der Geldanlage ein paar grundlegende Gedanken.

          Risiken absichern

          Auch wenn es schwerfällt, sollten Berufsanfänger grundsätzlich mit dem Start in den Beruf mit der Absicherung ihrer Risiken beginnen. Dann ist der Kopf frei, und die Reise ins Berufsleben kann beginnen. „Zur Absicherung der elementaren Risiken bei Berufsstartern gehört die Haftpflicht- und Auslandskrankenversicherung. Abhängig von der Branche und der gesundheitlichen Situation zählt dazu auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung“, meint Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Frankfurt. Erst danach spielten Überlegungen zur Geldanlage eine Rolle. Entscheidungen hierzu sollte man nicht unter dem Druck eines Beraters, sondern immer in Ruhe treffen. Denn die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von Zinsanlagen über vermögenswirksame Leistungen bis hin zu Investments in Aktien, ETFs, Fonds oder Zertifikaten.

          Absolventen können sich die Geldanlage wie eine Reise ins vielfältige und oft exklusive Südafrika vorstellen. Wer seinen Flug selbst bucht – als Airline womöglich eine aus dem arabischen Raum wählt –, der kann sogar sein Surfboard oder Mountainbike kostenfrei mitnehmen. Vor Ort lässt sich das Land kostengünstig mit Kleinbussen durchqueren, die Organisation im Vorfeld ist ein wenig stressig, aber machbar. Selbst Tierbeobachtungen in Nationalparks können bezahlbar sein. Statt des teuren Krüger-Nationalparks gibt es die Big Five auch unweit davon – im Hluhluwe-iMfolozi-Nationalpark – zu sehen. Natürlich reist der clevere, selbstorganisierte Absolvent nicht in den Hauptzeiten zu Ostern oder im Sommer, sondern weicht auf die Nebensaison ab Mitte April oder im Herbst aus.

          Auf die eigene Vermögensbildung übertragen, bedeutet die Geldanlage nach dem Studium nicht, Beratungsfirmen wie der Deutschen Vermögensberatung oder MLP alles anzuvertrauen. Dies würde eher einer vollorganisierten Reise mit Lufthansa-Flug und Rundumbetreuung im Land gleichen – wäre zwar bequem, kostet aber locker das Doppelte von dem, was man ausgibt, wenn man selbst plant. Absolventen sollte sich vielmehr fragen: Wer verdient an meiner Entscheidung zur Geldanlage mit, und wo existieren günstige Alternativen?

          Berater wollen mitverdienen

          Oft sind die angebotenen Produkte so komplex, dass man sie kaum durchschauen kann. Zwar gibt es mittlerweile für viele Geldanlagen obligatorische Informationsblätter. Aber wer will sich schon in diesen Textwüsten verirren? Bei einem Full-Service-Paket wollen Berater, Fondsmanager und die vermittelnde Bank mitverdienen.

          Das gilt auch für die vom Staat geförderten vermögenswirksamen Leistungen, etwa die beliebten Möglichkeiten des Bausparens oder des Fondssparens. Beliebt ist auch, mit Hilfe einer betrieblichen Altersvorsorge oder einer Riester-Rente fürs Alter vorzusorgen. Die Renditeprobleme sind allerdings die gleichen. Wählt man eine private Riester-Rente, hat man wenigsten den Vorteil, dass der Vertrag gekündigt werden kann und nicht an ein Unternehmen beziehungsweise einen Arbeitgeber gebunden ist. Außerhalb der geförderten Produkte können Berufseinsteiger häufig transparenter ansparen, etwa mit Hilfe eines Sparplans.

          „Für Absolventen kann es sich lohnen, selbst regelmäßig Beiträge in einen Sparplan zu investieren, zum Beispiel über ETFs“, meint Heike Fürpaß-Peter, Leiterin des Privatkundenvertriebs bei dem ETF-Anbieter Lyxor. „Dabei spielt der Anlagehorizont eine bedeutende Rolle“, so Fürpaß-Peter weiter. Durch die Wiederanlage der Erträge über einen längeren Zeitraum kann viel angespart werden, erklärt auch Stefano Angioni, Derivate-Experte der Société Générale: „Wer 15 Jahre lang monatlich 100 Euro in Index-Zertifikate auf den DAX investiert, der die 30 größten börsennotierten Firmen in Deutschland abbildet, kann am Ende theoretisch ein Vermögen von über 30.000 Euro erreichen. Bei einer Spardauer von 30 Jahren kann sogar ein Betrag von über 100.000 Euro zusammenkommen. Denn zurückgerechnet, erzielte der DAX laut dem Deutschen Aktieninstitut über die vergangenen 50 Jahre im Schnitt pro Jahr über sieben Prozent Rendite.“ Dagegen landen viele Beratungsprodukte bei gerade einmal der Hälfte, was sich eben durch den Full Service erklärt. Neben ETFs bilden auch Index-Zertifikate eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, breitgestreut in einen Index zu investieren.

          Sparplan hat Vorteile

          Der Vorteil eines Sparplans liegt aber nicht allein in der Wahl eines günstigen Wertpapiers. Vielmehr lassen sich auch typische Investmentfehler vermeiden. Durch die regelmäßigen Investitionen kaufen Anleger zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Kursen, sodass ein Durchschnittskurs entsteht. Die Geldanlage bekommt so einen langfristigen Charakter und wird von Extremszenarien, wie beispielweise einem Börsencrash, in dem Anleger womöglich in Panik verkaufen würden, entkoppelt. Direktbanken, wie etwa Comdirect oder Flatex, bieten Sparpläne an: Man eröffnet ein Konto, zahlt Geld darauf ein und investiert dann monatlich 50 oder 100 Euro in ein oder mehrere Indexpapiere. Wem Deutschland zu „klein“ ist, der kann sogar den MSCI World als Index wählen. Dieser deckt die größten Firmen weltweit ab. Auch eine Aufteilung in Branchen, wie die zukunftsträchtige Roboterindustrie, oder auf eine digitale Währung, wie Bitcoin, ist möglich.

          Warum aber reden wir beim Thema Sparen primär über Aktien? Ganz einfach: Die EZB und ihr Chef Mario Draghi haben ebenso wie die Kollegen in Japan den Zins de facto abgeschafft. Das hat den Vorteil, dass man einen Hauskauf beispielsweise auf zehn Jahre zu 1,5 Prozent finanzieren kann. Es bleibt mehr Geld –
          etwa für Reisen –, das zuvor für Zinszahlungen nötig gewesen wäre. Jedoch sind auf der anderen Seite Zinsen durch Sparen so gut wie tot. Die IKB-Bank zum Beispiel bietet beim Festgeld immerhin noch 0,4 Prozent für ein Jahr an. Banken, die mehr bieten, haben meist auch eine schlechtere Bonität. Daher bleibt dem Absolventen, der mit einem höheren Renditeziel sparen will, aktuell nur, mehr Risiko einzugehen. Neben dem DAX oder anderen Indizes ist es eine weitere Möglichkeit, direkt in die Schwergewichte des DAX zu investieren: Bayer, BASF, SAP, Siemens und Daimler. Alle fünf werfen ansehnliche Dividenden ab, auch wenn damit Kursrisiken verbunden sind.

          Gute Planung als Voraussetzung

          Goldene Anlegerregeln wie: „Nie alle Eier in einen Korb“, und: „Verliebe dich nie in eine Aktie“, gelten auch hier. So wie die Aktienanlage manchmal Schmerzensgeld ist – erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. Wer im Jahr 2000 oder 2008 am Markt einstieg, der erlebte erst einmal raue Zeiten. Doch für einen Absolventen mit einem langen Berufsweg lassen sich Korrekturen oder Crashs locker aussitzen.

          „Das allein sollte aber noch kein Grund für eine risikobewusste Geldanlage sein. Nur weil Geld verdient wird, muss es nicht in Eile angelegt werden. Berufliche Dinge können am Anfang wichtiger sein. Die Altersvorsorge lässt sich nur in Ruhe planen“, meint Lawrence. Dafür sollten sich Uni-Absolventen einfach mal ein Wochenende Zeit nehmen, um ihre Anlagestrategie für die Zukunft zu planen und die verschiedenen Anlageformen miteinander zu vergleichen. Dann gilt es, folgende Fragen zu beantworten: Verstehe ich die Investition? Wie hoch sind die Gebühren? Was ist mein Renditeziel? Wo kaufe ich das Produkt günstig ein? Und bleibt noch genug übrig, um die nächste Reise zu planen? Wenn man diese Fragen für sich beantworten kann, dann hat man am Ende nicht nur die richtige Geldanlagestrategie gefunden, sondern im besten Fall auch noch Geld für exotische Reiseziele übrig.

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