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Geldanlage zum Berufseinstieg : Sparen, anlegen oder ausgeben?

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„Für Absolventen kann es sich lohnen, selbst regelmäßig Beiträge in einen Sparplan zu investieren, zum Beispiel über ETFs“, meint Heike Fürpaß-Peter, Leiterin des Privatkundenvertriebs bei dem ETF-Anbieter Lyxor. „Dabei spielt der Anlagehorizont eine bedeutende Rolle“, so Fürpaß-Peter weiter. Durch die Wiederanlage der Erträge über einen längeren Zeitraum kann viel angespart werden, erklärt auch Stefano Angioni, Derivate-Experte der Société Générale: „Wer 15 Jahre lang monatlich 100 Euro in Index-Zertifikate auf den DAX investiert, der die 30 größten börsennotierten Firmen in Deutschland abbildet, kann am Ende theoretisch ein Vermögen von über 30.000 Euro erreichen. Bei einer Spardauer von 30 Jahren kann sogar ein Betrag von über 100.000 Euro zusammenkommen. Denn zurückgerechnet, erzielte der DAX laut dem Deutschen Aktieninstitut über die vergangenen 50 Jahre im Schnitt pro Jahr über sieben Prozent Rendite.“ Dagegen landen viele Beratungsprodukte bei gerade einmal der Hälfte, was sich eben durch den Full Service erklärt. Neben ETFs bilden auch Index-Zertifikate eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, breitgestreut in einen Index zu investieren.

Sparplan hat Vorteile

Der Vorteil eines Sparplans liegt aber nicht allein in der Wahl eines günstigen Wertpapiers. Vielmehr lassen sich auch typische Investmentfehler vermeiden. Durch die regelmäßigen Investitionen kaufen Anleger zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Kursen, sodass ein Durchschnittskurs entsteht. Die Geldanlage bekommt so einen langfristigen Charakter und wird von Extremszenarien, wie beispielweise einem Börsencrash, in dem Anleger womöglich in Panik verkaufen würden, entkoppelt. Direktbanken, wie etwa Comdirect oder Flatex, bieten Sparpläne an: Man eröffnet ein Konto, zahlt Geld darauf ein und investiert dann monatlich 50 oder 100 Euro in ein oder mehrere Indexpapiere. Wem Deutschland zu „klein“ ist, der kann sogar den MSCI World als Index wählen. Dieser deckt die größten Firmen weltweit ab. Auch eine Aufteilung in Branchen, wie die zukunftsträchtige Roboterindustrie, oder auf eine digitale Währung, wie Bitcoin, ist möglich.

Warum aber reden wir beim Thema Sparen primär über Aktien? Ganz einfach: Die EZB und ihr Chef Mario Draghi haben ebenso wie die Kollegen in Japan den Zins de facto abgeschafft. Das hat den Vorteil, dass man einen Hauskauf beispielsweise auf zehn Jahre zu 1,5 Prozent finanzieren kann. Es bleibt mehr Geld –
etwa für Reisen –, das zuvor für Zinszahlungen nötig gewesen wäre. Jedoch sind auf der anderen Seite Zinsen durch Sparen so gut wie tot. Die IKB-Bank zum Beispiel bietet beim Festgeld immerhin noch 0,4 Prozent für ein Jahr an. Banken, die mehr bieten, haben meist auch eine schlechtere Bonität. Daher bleibt dem Absolventen, der mit einem höheren Renditeziel sparen will, aktuell nur, mehr Risiko einzugehen. Neben dem DAX oder anderen Indizes ist es eine weitere Möglichkeit, direkt in die Schwergewichte des DAX zu investieren: Bayer, BASF, SAP, Siemens und Daimler. Alle fünf werfen ansehnliche Dividenden ab, auch wenn damit Kursrisiken verbunden sind.

Gute Planung als Voraussetzung

Goldene Anlegerregeln wie: „Nie alle Eier in einen Korb“, und: „Verliebe dich nie in eine Aktie“, gelten auch hier. So wie die Aktienanlage manchmal Schmerzensgeld ist – erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. Wer im Jahr 2000 oder 2008 am Markt einstieg, der erlebte erst einmal raue Zeiten. Doch für einen Absolventen mit einem langen Berufsweg lassen sich Korrekturen oder Crashs locker aussitzen.

„Das allein sollte aber noch kein Grund für eine risikobewusste Geldanlage sein. Nur weil Geld verdient wird, muss es nicht in Eile angelegt werden. Berufliche Dinge können am Anfang wichtiger sein. Die Altersvorsorge lässt sich nur in Ruhe planen“, meint Lawrence. Dafür sollten sich Uni-Absolventen einfach mal ein Wochenende Zeit nehmen, um ihre Anlagestrategie für die Zukunft zu planen und die verschiedenen Anlageformen miteinander zu vergleichen. Dann gilt es, folgende Fragen zu beantworten: Verstehe ich die Investition? Wie hoch sind die Gebühren? Was ist mein Renditeziel? Wo kaufe ich das Produkt günstig ein? Und bleibt noch genug übrig, um die nächste Reise zu planen? Wenn man diese Fragen für sich beantworten kann, dann hat man am Ende nicht nur die richtige Geldanlagestrategie gefunden, sondern im besten Fall auch noch Geld für exotische Reiseziele übrig.

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