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Sozialarbeit : „Du obdachlos, ich Wohnung“

Heiße Suppe in der kalten Jahreszeit Bild: AP

Streetworker tun alles für eine Reintegration von Obdachlosen und bekämpfen den Robinson-Crusoe-Effekt. „Wir versuchen alles, um Menschen wiedereinzugliedern, aber manchmal geht das nicht“, sagt der Straßensozialarbeiter Johannes Heuser.

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          „Wenn die Temperaturen fallen, steigen die Anfragen der Leute, die etwas über unsere Arbeit erfahren möchten. Das kriegt im Winter so eine Eigendynamik, auch die Politik wird dann nervöser“, sagt Johannes Heuser freundlich-nüchtern.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Er ist Sozialarbeiter und gewohnt, daß sich bei Presse und Passanten verstärkt Mitleid regt, wenn Obdachlose ihr eisiges Nachtlager zwischen Beton und Belüftungsschächten aufschlagen. Ließe sich der Frankfurter von großer Betroffenheit leiten, dann wäre er eine Fehlbesetzung: „Uns kommt es auf einen professionellen Umgang mit Menschen an, die auf der Straße leben“ - oder im Park und Frankfurter Stadtwald. Denn Heuser ist sogenannter „Streetworker“ des Beratungszentrums für Obdachlose in der Bleichstraße nahe der imposanten Bankentürme.

          Er wartet nicht darauf, daß Gestrauchelte ihn in seinem Büro aufsuchen, sondern geht dorthin, wo diese Menschen hausen. Hausen ist nicht übertrieben, denn in und um Frankfurt leben Obdachlose auch in Grünanlagen und im Wald. Manchmal unter Plastikplanen, mitunter in aus Sperrmüll zusammengeschusterten Zelten. Regelmäßig sucht Heuser diese Menschen auf. Sie in ein bürgerliches Leben zurückzubegleiten, das gelingt keineswegs immer. Sozialarbeiter müssen solche Situationen aushalten können. „Wir versuchen alles, um Menschen wiedereinzugliedern, aber manchmal geht das nicht.“

          „Menschen mit Psychosen, Depressionen und Alkoholproblemen“

          Denn viele Nichtseßhafte, von denen rund zehn Prozent Frauen sind, haben große psychische Probleme, die nicht damit behoben sind, ihnen ein bescheidenes Zimmer und regelmäßiges Essen anzubieten. „Auf der Straße haben Sie Menschen mit Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, Depressionen und Alkoholproblemen.“ Manchmal stranden diese Schicksale in Wohnheimen, meist sind das Männer zwischen 30 und 40 Jahren.

          Unter ihnen nicht wenige Osteuropäer, die auf der Glückssuche im Westen scheitern. In jüngster Zeit fragen häufig abgeschobene Deutschamerikaner nach einer Bleibe, die aus den Vereinigten Staaten aufgrund von Delikten ausgewiesen worden sind, „die Amis sind da heutzutage auch bei kleinen Vorfällen rigoros“. Theoretisch ist für all jene in einer Großstadt jederzeit eine warme Übernachtungsmöglichkeit verfügbar. Theoretisch, denn die Menschen in Not stehen meist seelisch im totalen Abseits. Äußerlich ist ihnen das keineswegs immer anzusehen.

          „Das klassische Bild des Berbers, der durch Deutschland zieht, ist die Ausnahme. Sie würden ganz viele Bewohner eines Männerwohnheims nicht unterscheiden von Bewohnern eines durchschnittlichen Stadtteils“, sagt der Fünfundvierzigjährige. Sein Werdegang ist für einen Sozialarbeiter nicht ungewöhnlich. Mit 17 Jahren ist er Chemiefachwerker, ausgebildet bei der Hoechst AG - „aber das hat mich eigentlich nicht interessiert“. Auf dem zweiten Bildungsweg holt er sein Fachabitur nach und studiert an der Fachhochschule Sozialarbeit. Das Studium ist beliebt, auch viele ältere Krankenschwestern sind unter den Erstsemestern. „Damals war es relativ unproblematisch, in einen akademischen Beruf hereinzukommen, das muß man ehrlich sagen.“

          Wiedereingliederung von Obdachlosen

          Das Studium sei zwar einerseits sehr verschult gewesen, „aber in den kleinen Seminaren wurde viel debattiert, die Scheine hat man immer irgendwie gekriegt. Heute geht das dort viel strenger zu.“ Doch Anfang der achtziger Jahre ist manches anders. „Es war eine politisierte Zeit, die Startbahn West war nur eines unserer Themen. Studium und Demos war für viele das Programm. Wir haben eher aus ideologischen Gründen in Wohngemeinschaften gelebt.“ Mit dem Studium läßt er sich Zeit, zwischendurch sind Jobs wichtiger. Oder die Fahrt mit dem Transitbus nach Portugal, wo die Clique günstig Keramik kauft und sie hier auf Flohmärkten anbietet - die Geschäftsidee funktionierte nicht so recht.

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