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Neustart in der Krise (3) : Die letzte Begleitung

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Allerdings auch eine sehr anstrengende. Nach fast zehn Jahren, viele davon in Vollzeit und mit reichlich Überstunden, ging es für sie in eine andere Richtung. „Es war auch körperlich hart“, sagt sie. Außerdem wollte sie Kinder haben, es galt also, einen Beruf zu finden, der zu ihr, aber auch zur Familienplanung passt. Ihren Mann hat sie auf der Aids-Station kennengelernt, da war er noch studentische Aushilfskraft. Er ging schließlich in die Kinderheilkunde, wurde später Kinderarzt an der Uniklinik.

Tanja Schuster machte sich also auf eine berufliche  Reise: Nach dreieinhalb Jahren an der Abendschule, parallel zur Arbeit auf der HIV-Station, holte sie ihr Abitur nach und studierte anschließend auf Lehramt, Sachkunde mit den Schwerpunkten Biologie und Physik sowie Deutsch. Die große Liebe wurde es nicht, zu zäh, zu langatmig, alles in allem nicht das, was sie sich erhofft hatte. Also wechselte sie  an die Fachhochschule Frankfurt in den Diplomstudiengang Sozialpädagogik. Eine Freundin hatte sie auf die Idee gebracht. Mit Kind sei das gut vereinbar, so ihr Ratschlag – denn im Abitur-Jahr 2000 war Tanja Schusters  erste Tochter zur Welt ge­kommen. Die Gleichzeitigkeit von Ausbildung und Familienplanung setzte sich fort,  kurz nach ihrer schriftlichen und mündlichen Diplomprüfung bekam sie ihre zweite Tochter, das war 2005. Zu einer Abschlussarbeit kam sie allerdings nicht mehr.

Jede Menge Ärger an der Uni

Weil  sie lange keinen Kita- und Hortplatz für ihre  Kinder fand und die Familie jetzt ohnehin vorging, legte sie ihr Studium rund fünf Jahre auf Eis – und regte sich fürchterlich auf, als sie danach wieder anfangen wollte. Die Tücken der Bildungspolitik waren ihr in die Quere gekommen, denn ihr ehemaliger Diplomstudiengang war jetzt, nach der Bologna-Reform,  ein Bachelor-Studium für Soziale Arbeit. Ihre Vorleistungen wurden nicht mehr komplett anerkannt, und dass man ihr zumuten wollte, noch einmal mit den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens anzufangen, fand sie unzumutbar. Sie habe „rumgetobt“, erzählt sie, und angekündigt: „Jetzt mache ich gar nichts mehr!“ Das passt zu ihrem Temperament. Am Ende hat sie ihr Studium dann trotzdem wiederaufgenommen. Sie muss lachen. Lange her!

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Der ganze Bildungsärger war wenig später ohnehin ganz nebensächlich, denn Tanja Schuster verlor vor neun Jahren ihren Mann. Es passierte in der Frankfurter Wohnung, in der sie noch heute lebt und über ihren beruflichen Neustart im Corona-Jahr berichtet.  Die Kinder waren damals sechs und zwölf Jahre alt, die Ältere ist vor kurzem ausgezogen, die Jüngere geht noch zur Schule. Nichts habe damals auf diese Katastrophe hingedeutet, sie kam plötzlich und unerwartet. Die Todesursache ist ungeklärt. Ihr Mann starb mit Anfang vierzig.

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