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Wichtige Versicherungen : So sollten sich Berufsstarter versichern

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Bei so manchem Studenten hat sich das schon herumgesprochen. Till Schuler, 23, frischgebackener Absolvent der privaten Hochschule Business and Information Technology School in Hamburg, sagt: „Ich habe zurzeit keine Berufsunfähigkeitsversicherung, plane aber, mir in naher Zukunft eine zuzulegen. Als Student bekommt man günstigere Konditionen, und die 20 bis 30 Euro pro Monat fallen nicht wirklich ins Gewicht.“

Sparfüchse versichern sich früh

Schuler weiß: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn man durch einen Unfall oder aufgrund von Krankheit weniger arbeiten kann oder ganz berufsunfähig ist. Tritt dieser Fall ein, bewahrt die Berufsunfähigkeitsversicherung den Betroffenen davor, auf Hartz IV angewiesen zu sein. Zwar zahlt der Staat Berufsunfähigen eine Erwerbsminderungsrente; diese umfasst monatlich – selbst im besten Fall – nur rund 30 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Weil das oft bei weitem nicht reicht, ist private Absicherung unabdingbar. Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung erhält man im Bedarfsfall eine monatliche Rente, die den Lebensunterhalt sichert. Eine private Unfallversicherung hingegen zahlt nur im Falle eines Unfalls.

Wer daran interessiert ist, einerseits vorzusorgen und andererseits Geld zu sparen, sollte einen entsprechenden Vertrag möglichst frühzeitig abschließen. „Spätestens zwei Jahre nach dem Berufseinstieg ist das zu empfehlen“, sagt Strobel. Er wie auch andere Fachleute weisen darauf hin, dass die Policen mit dem Alter sukzessive teurer werden. Generell ist die Höhe der Kosten stark von Alter, Gesundheitszustand und der Berufsgruppe abhängig. Im Versicherungsantrag stellt der Versicherer Gesundheitsfragen, die man vollständig und wahrheitsgemäß beantworten muss. Von den Antworten hängt es ab, ob der Versicherer im Leistungsfall komplett, teilweise oder gar nicht zahlt.

Bei der abzusichernden Rentenhöhe herrscht ebenfalls weitgehend Einigkeit. Julia Rieder, Expertin vom Finanzportal Finanztip, empfiehlt: „Eine Rente von unter 1.000 Euro zu vereinbaren lohnt sich kaum.“ Verbraucherschützerin Becker-Eiselen hält mindestens 1.500 Euro für nötig. Miriam Michelsen, Leiterin Altersvorsorge und Krankenversicherung beim Finanzdienstleister MLP, nennt keinen konkreten Betrag. „Ein möglicher Richtwert sind 80 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens“, sagt sie.

Zwar kommt es immer wieder zu der ein oder anderen juristischen Auseinandersetzung, wenn die Versicherung nicht zahlen will, generell aber gilt: „Die Versicherungsbedingungen bei den Berufsunfähigkeitsversicherungen haben sich sehr zugunsten der Kunden gebessert“, so Strobel. Er rät aber dringend dazu, sich durch einen unabhängigen Berater informieren zu lassen. „Wer sich selbst mit dem Kleingedruckten auseinandersetzt, wird feststellen, dass es nicht einfach ist, den Überblick zu behalten.“

Man sollte darauf dringen, dass eine Dynamik vereinbart wird – um die Inflationsrate abzufedern. Dadurch erhöht sich jährlich die Versicherungssumme, allerdings auch der Beitrag. Zudem sollte der Vertrag eine Nachversicherungsgarantie enthalten. „So kann der Schutz ohne erneute Gesundheitsprüfung aufgestockt werden, wenn später auch der Partner oder Kinder von Ihrem Einkommen abhängig sind“, sagt Verbraucherschützerin Becker-Eiselen. Sie weist auch darauf hin, dass die Vertragslaufzeit bis zum Ende des Erwerbslebens reichen sollte. Wer maximal sparen möchte, der sollte – so empfiehlt es die Stiftung Warentest – jährlich zahlen. Monatlich zahlt man 2,5 Prozent mehr.

Weitere Versicherungen sind optional

Bei der Fülle von Versicherungen sollte auf jeden Fall geprüft werden, ob eine Hausratversicherung nötig ist. „Eine Hausratversicherung ist erst sinnvoll, wenn vorher alle existentiellen Risiken abgesichert sind. Wer nur Ikea-Möbel hat und keine teure Musikanlage, muss sich fragen, ob er die wirklich braucht“, sagt Strobel. Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass im Fall eines Vertragsabschlusses die Versicherungssumme dem Besitz entsprechen und die Entschädigungsgrenze beispielsweise für Fahrräder hoch genug sein sollte.

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