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Slowakei : Doktorgrade kaufen ist nun strafbar

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In der Slowakei ist er jetzt im Wert gestiegen: der Doktorhut Bild: dpa

Schlechte Nachricht für akademische Betrüger: In der Slowakei können gekaufte Doktorgrade neuerdings nicht nur aberkannt werden, auch wurde das Hochschulrecht für Plagiate und Ghostwriting verschärft.

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          Viele Jahre lang war die Slowakei ein Einfallstor für Deutsche und Österreicher, die einen Doktorgrad erwerben wollten. Das Verb „erwerben“ darf an dieser Stelle doppeldeutig verstanden werden. Denn findige „Makler“ witterten ein Geschäft. Der Berliner Rechtsprofessor Gerhard Dannemann berichtete im vergangenen Jahr der F.A.Z., die Slowakei habe deutschsprachige Dissertationen angezogen, die mit wenig Aufwand und bei hohen Gebühren entstanden seien. Kaum überraschend dokumentierte die Wissenschaftsplattform VroniPlag Wiki bislang zehn plagiatsbehaftete Arbeiten aus der Slowakei.

          Zunächst war ein nachträglicher Entzug solcher auf Betrug beruhender Doktorgrade nicht möglich. Im Jahr 2021 änderte sich das Hochschulrecht, die Sanktionierung konnte bis zu fünf Jahre nach Graderwerb erfolgen. Vor kurzem wurde das slowakische Hochschulgesetz erneut novelliert (Gesetz Nr. 137/2022 Z.z.). Es definiert nun in Paragraph 62 b den Tatbestand des „akademischen Betrugs“. Diesen begeht, wer eine Arbeit vorlegt, die nicht komplett das Ergebnis eigener Tätigkeit ist. „Von dem Tatbestand ist sowohl erfasst, dass man eine eingekaufte Leistung eines Fremden als eigenen Text ausgibt, als auch, zu plagiieren“, erklärt Jan Sommerfeld. Er ist wissenschaftlicher Referent für tschechisches und slowakisches Recht am Institut für Ostrecht in Regensburg und zugleich als Rechtsanwalt in Deutschland und Tschechien zugelassen.

          Diplomarbeit für 600 Euro

          Folge eines akademischen Betrugs kann der Verlust des akademischen Grades sein. „Für diese Rechtsfolge gilt nicht mehr eine Ausschlussfrist von fünf Jahren“, erklärt Sommerfeld. Zudem: „Unternehmen und Personen, die Abschlussarbeiten ganz oder teilweise anfertigen oder anfertigen lassen, eine solche Leistung bewerben oder vermitteln, begehen ein Verwaltungsdelikt beziehungsweise eine Ordnungswidrigkeit.“ Dafür könne ein Bußgeld zwischen 10.000 Euro und 50.000 Euro verhängt werden. Im Wiederholungsfall verdoppele sich das Bußgeld. „Weitere disziplinarische Maßnahmen drohen dem akademischen Personal, welches sich am akademischen Betrug beteiligt“, berichtet Sommerfeld. Auch deutsche oder österreichische Mittler, etwa Promotionsberater, fallen unter die Regelung.

          Die slowakische Stiftung „Lasst uns die Korruption stoppen“ (Nadácia Zastavme korupciu) geht in einer Studie davon aus, dass mindestens 15 Prozent aller Abschlussarbeiten gekauft werden. Für die Vermittlung und Erstellung solcher Arbeiten wurden 22 Unternehmen ausfindig gemacht: „Für viele sind keine Verwaltungsdaten verfügbar. Sie haben entweder ihren Sitz im Ausland oder es ist nicht klar, wer ihre Webseite betreibt“, heißt es. Die Anbieter präsentierten ihre Dienste als „Dokumentenvorbereitung“. Eine Diplomarbeit im Umfang von 60 Seiten werde gelegentlich schon für 600 Euro angeboten. Diese Praxis soll durch das neue Gesetz unterbunden werden.

          Vor einigen Jahren erlebte die Slowakei eine Reihe von Plagiatsaffären bei liberalen, konservativen und rechtspopulistischen Politikern.

          Diese durften ihre akademischen Abschlüsse zwar behalten, es setzte aber eine Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema ein. An der Aufklärung der Plagiatsfälle hatte die Journalistin Mária Benedikovičová von der Tageszeitung „Dennik N“ einen großen Anteil. Ohne ihre Recherchen wäre das slowakische Hochschulrecht nicht zweimal modernisiert worden.

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