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China-Expertise : Einer Großmacht die Stirn bieten, die man nicht kennt?

Konfuzius-Institute sollten nicht die einzigen Einrichtungen sein, in denen man über die aufstrebende Großmacht China lernen kann. Bild: dpa

Seit Jahren ist klar, dass China eine bestimmte machtpolitische Strategie verfolgt. Doch im Westen fehlt es an Verständnis. Das zeigt sich auch am Umgang mit den Konfuzius-Instituten.

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          Nach der von China erwirkten Absage einer Buchvorstellung an den Konfuzius-Instituten in Duisburg und Hannover wurde wieder einmal der Ruf laut, die deutschen Universitäten müssten sich organisatorisch von den Konfuzius-Instituten lösen und eigene China-Expertise aufbauen. Bisher entscheiden sich jedes Jahr aber nur einige Hundert Studienanfänger für ein Studium der Sinologie – gemessen an der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Großmacht ist das wenig. Immer dann, wenn sich Chinas Image verschlechtere, nähmen weniger junge Menschen ein Sinologiestudium auf, beobachtet Marina Rudyak, Mitarbeiterin am Institut für Sinologie an der Universität Heidelberg.

          Rudyak ist der Meinung, in Deutschland habe man Chinas Aufstieg zur globalen Großmacht lange ausgeblendet, was sich nun räche. Die größten Defizite sieht sie bei der Sprachkompetenz: „Kein Unternehmen käme auf die Idee, eine Stelle in den USA mit einem Mitarbeiter zu besetzen, der kein Englisch spricht.“ Umgekehrt würden selten gute Chinesischkenntnisse verlangt für berufliche Positionen mit Kontakt nach China. Ohnehin sprächen zu wenige Menschen Chinesisch gut genug, um es im Arbeitsalltag einsetzen zu können. Es seien auch nur wenige Deutsche mit Chinas politischem System, seiner Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung vertraut. Dieses Unwissen birgt aus Rudyaks Sicht Risiken: Wie solle man die eigenen Interessen wirksam vertreten, wenn man die der chinesischen Seite nicht kennt?

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