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Schulöffnungen in der Pandemie : Sind Kinder weniger infiziert als Erwachsene?

Eine Studie aus Island mach Hoffnung, was die Ansteckung von Kindern durch Corona angeht. Lässt sie sich in Deutschland bestätigen? Bild: dpa

Vier deutsche Unikliniken untersuchen gerade, ob sich Kinder an Corona weniger anstecken als ihre Eltern. Das Ergebnis hat große Auswirkungen auf Schulen und Kitas. Interview mit dem Leiter der Studie.

          4 Min.

          Herr Prof. Hoffmann, was untersuchen Sie genau im Auftrag der Landesregierung Baden-Württembergs?

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          In den letzten Wochen hat man schnell festgestellt, dass Kinder sehr viel weniger an Covid-19 erkranken als Erwachsene und von den teils schrecklichen Verläufen in den höheren Lebensaltern weitgehend verschont bleiben. Das hat man erfreut zur Kenntnis genommen – wir in Heidelberg zum Beispiel haben als eine der größten deutschen Kinderkliniken nicht einen Patienten im Kindesalter betreuen müssen. Der Sache wurde aber nicht weiter nachgegangen. Wobei man sagen muss: Obwohl sie selber meist nicht erkranken, haben infizierte Kinder, die nicht abgeschirmt sind, ein großes Durchmischungspotential, sie können das Virus möglicherweise weiterstreuen, nach Hause bringen, andere anstecken. Unter dieser Annahme wurden Schulen wie andere Massenveranstaltungen konsequent geschlossen. Das ist eine Situation, die die Familien sehr belasten, in der modernen Lebenswirklichkeit Kinder wie Eltern, die zum Teil beide berufstätig sind, und erst recht Alleinerziehende – zumal die Großeltern bei der Betreuung jetzt bekanntlich ausfallen.

          In einer regelmäßigen Runde mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten, an der auch Virologen und Epidemiologen beteiligt sind, kam nach einer chinesischen und einer isländischen Studie, die Rückschlüsse auf die Ansteckungsgefahr bei Kindern zulässt, die Idee auf, eine eigene deutsche Studie durchzuführen, die neben Abstrichen auch auf Antikörpertests zurückgreift. Diese können nicht nur nachweisen, dass jemand gerade das Virus in seinem Körper hat, sondern auch, ob es sich jemals darin befand. Das Studiendesign sah vor, dass wir zwischen 4000 und 5000 Teste in Baden-Württemberg durchführen. 2000 Kinder zwischen ein und zehn Jahren und jeweils ein Elternteil sollen an vier über das Land verteilten Standorten untersucht werden. Wenn wir nun die 2000 Erwachsenen mit den 2000 Kindern vergleichen, ist das eine wichtige Momentaufnahme der Situation in Deutschland. Wir wüssten, wie häufig Erwachsene in Baden-Württemberg sich mit Corona infiziert haben, wahrscheinlich kommt dabei eine Prozentzahl im mittleren einstelligen Bereich heraus. Das besonders Spannende sind aber die 2000 Kinder, die dazu gehören. Wie hoch ist die Prozentzahl bei ihnen? Das wäre eine gesellschaftlich sehr wichtige Information, die eine genauere Risikobeurteilung für die Betreuung von Kindern ermöglichen würde. Wir haben gezielt Familien gesucht, die noch kein Corona hatten, und besonders solche, es sind nicht allzu viele, die eine Notbetreuung nutzten. Die Bereitschaft, sich an dieser Studie zu beteiligen, war überwältigend.

          Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen?

          Wir kommen rasch voran, arbeiten auch am Wochenende und am 1. Mai. In der nächsten Woche werden wir die meisten Familien rekrutiert haben. Wir versuchen dann rasch, die Ergebnisse zusammenzuführen, das wird wenige Wochen dauern. Man kann sich nur wünschen, dass die Kinder weniger infiziert sind. Null Prozent werden es sicher nicht sein. In Deutschland gibt es bereits 30 bekannte Fälle von Covid-Erkrankungen bei Kindern, die in Kliniken behandelt werden mussten, und eine ganz kleine Zahl war auf der Intensiv-Station, kein Kind ist verstorben.

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