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Schleiermachers Pädagogik : Das Ende der Erziehung ist die Eigentümlichkeit des Einzelnen

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Nicht Fichte, sondern Schleiermacher war an Wilhelm von Humboldts Seite: Am 21. November jährt sich der Geburtstag des Mitbegründers der Humboldt-Universität zu Berlin zum 250. Mal. - Relief des Berliner Bildhauers Werner Richter Bild: Eastblockworld.com

Am 21. November jährt sich der Geburtstag des Mitbegründers der Humboldt-Universität zu Berlin zum 250. Mal. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und seine Vorstellungen von einer zeitgemäßen Pädagogik.

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          Dreimal, in den beiden Wintersemestern 1813/14 und 1820/21 sowie im Sommersemester 1826, hat Friedrich Schleiermacher an der Berliner Universität Vorlesungen über die Pädagogik gehalten. Gemeinsam mit „Predigten über die christliche Kinderzucht“, mehreren Rezensionen wichtiger Werke zur Erziehungslehre und diversen amtlichen Gutachten, die er als Staatsrat und Mitglied der Sektion des Kultus und öffentlichen Unterrichts im Ministerium des Innern von 1810 bis 1815 sowie von 1810 bis 1811 auch als Direktor der wissenschaftlichen Deputation für den öffentlichen Unterricht, einer beratenden Körperschaft der staatlichen Unterrichtsverwaltung und Prüfungsbehörde, schrieb, lassen sie eine ganz eigene Signatur pädagogischen Denkens in der „Sattelzeit“ (R. Koselleck) um 1800 erkennen. Die im letzten Jahr im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe als Band 12 der Zweiten Abteilung erschienenen, von Jens Beljan, Christiane Ehrhardt, Dorothea Meier, Wolfgang Virmond und Michael Winkler hervorragend edierten „Vorlesungen über die Pädagogik und amtliche Voten zum öffentlichen Unterricht“ (Berlin/Boston 2017) zeigen: Stärker als andere Erziehungstheoretiker seiner Zeit sah Schleiermacher die vielen Bruchlinien in der modernen bürgerlichen Gesellschaft, die trotz ihrer Versprechen von Freiheit und rechtlicher Gleichheit „Millionen von Menschen beider Geschlechter und aller Stände unter dem Druck mechanischer und unwürdiger Arbeiten“ in Knechtschaft hielt. Durch die schnelle Erosion einst bergender Gewissheiten drohe sich die bürgerliche Gesellschaft in ein Chaos widerstreitender Kräfte und Tendenzen aufzulösen, so dass der Einzelne keine individuelle Identität mehr auszubilden vermöge. Gerade im Verhältnis der Generationen zueinander ließen sich viel neue Unsicherheit und ein elementarer Mangel an Orientierungskraft beobachten. Desto wichtiger sei es, sich über die Aufgabe, aber auch die Grenzen der Erziehung Gedanken zu machen.

          Schleiermacher bestimmt „Erziehung“ als eine „Kunst“, die aller pädagogischen Theoriebildung immer schon vorausliegt. Pädagogik ist deshalb eine „Kunstlehre“ oder „technische Disziplin“ mit der Aufgabe, „das besonnene Bewußtsein“ in der Praxis zu fördern. „Die Dignität der Praxis ist unabhängig von der Theorie; die Praxis wird nur mit der Theorie eine bewußtere.“ Reflexion auf die Praxis aber bedarf prägnanter Begriffe und Kriterien. Schleiermacher entlehnt sie seiner Kulturethik. Pädagogische Theorie ist folglich „eine rein mit der Ethik zusammenhängende, aus ihr abgeleitete angewandte Wissenschaft“.

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