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Nach dem Hochwasser : Fast vor dem Nichts

Bild der Zerstörung: Blick in eine Stolberger Innenstadt-Straße kurz nach dem Hochwasser Bild: dpa

Autos weggespült, Geschäfte zerstört, Werkstätten vermatscht: Die Folgen der Flut in Westdeutschland bedrohen auch viele berufliche Existenzen. Ein Besuch im nordrhein-westfälischen Stolberg.

          6 Min.

          Familie Türkmendag hat sich für eine kurze Verschnaufpause unter der Holzpergola versammelt. Sie sitzen auf Bürosesseln und Plastikstühlen. Ihr Grundstück liegt zwischen dem Fluss Inde und einer viel befahrenen Straße, die in die Altstadt von Stolberg führt. Vor einer Woche wäre es undenkbar gewesen, sich hier aufzuhalten. Seit dem vorvergangenen Mittwoch zieht sich durch den nordrhein-westfälischen Ort, der stark vom Hochwasser getroffen wurde, eine Schneise der Zerstörung. Hier in der Eisenbahnstraße stand das Wasser drei Meter hoch. Dunkle Ränder an den Wänden zeugen davon. Am Straßenrand türmt sich wie überall in der eigentlich idyllisch in einem Tal gelegenen Kupferstadt nahe Aachen das, was die Stolberger aus ihren gefluteten Wohnungen und Häusern heraustragen konnten. Grauenhafte Stillleben aus modrigem Mobiliar.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nicht nur Privates wurde hier vernichtet, auch berufliche Existenzen hat das Hochwasser weggeschwemmt. So wie bei den Türkmendags. Vor knapp 50 Jahren ist das Ehepaar aus der Türkei gekommen und hat sich im Rheinland ein beachtliches Kleinunternehmen aufgebaut. Kernstück ist ein Autohandel, zusätzliches Geld verdienen sie mit Immobilienvermietung und Automatenaufstellung. Der Familienzusammenhalt ist groß. Das ist jetzt überlebenswichtig. Auf dem Hof stand das Kapital: Elf Autos sind verloren, beschädigt, weggeschwemmt, an Mauern gestrandet. Einer der Söhne des Paars hat für 60 000 Euro ein Café renoviert, um es jetzt zu eröffnen. Das ist geflutet und der Inhaber beim Anwalt, um prüfen zu lassen, was unternehmerisch noch machbar ist. „Alles ist zerstört. Unser Schaden insgesamt bewegt sich in Höhe von zwei Millionen Euro“, schätzt der zweite Sohn.

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