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Mit frankophiler Begeisterung fürs Deutsche: Der Vorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Roland Kaehlbrandt Bild: Wonge Bergmann

Gelingende Förderprogramme : Eine Stiftung ist für die Ewigkeit gemacht

Stiftungsprojekte gelingen nur, wenn sie wohlüberlegt und leicht zu verwirklichen sind. Ein Gespräch mit Roland Kaehlbrandt, dem Vorstand der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

          6 Min.

          Herr Kaehlbrandt, Sie haben erst als Ge­schäftsführer bei der Hertie-Stiftung und nun als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Stiftungsprojekte initiiert, die äußerst langlebig sind. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis gelingender Stiftungsprogramme?

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Kurz gesagt in dem Motto: Tun, was fehlt und nützt. Projekte müssen ein drängendes Thema angehen, einen neuen Blick auf ein Problem werfen, eine einleuchtende Struktur aufweisen und für Partner umsetzbar sein. Erfolge müssen greifbar und sichtbar sein. Ein Familienstipendium wie das Diesterweg-Stipendium für Kinder und Eltern am schwierigen Übergang in die weiterführende Schule ist ungewöhnlich, aber es leuchtet unmittelbar ein, dass man die Eltern mitnehmen muss, wenn man die Kinder gewinnen will. Außerdem ist ein Stipendium ein Vertrag auf gegenseitige Leistung. Individueller Nutzen und gesellschaftlicher Er­trag kommen zusammen.

          Das heißt, Sie haben von Anfang an auf die Verpflichtungsebene geachtet?

          Eine freiwillige Übereinkunft beider Seiten ist unentbehrlich. Hierin liegt aber auch ein schöner Ernst. Wir gehen eine Partnerschaft auf Zeit ein. Als Stipendiat wird jeder Einzelne als eigenständige Persönlichkeit gesehen und gefördert. Das ist motivierend. Dazu gehören auch Aufnahmefeiern. Als wir im Jahr 2001 in der Hertie-Stiftung das START-Stipendium für be­gabte Zuwandererkinder begannen, nahmen wir die Jugendlichen feierlich auf. Ei­nige hielten kurze Ansprachen. Im Publikum saßen Frankfurter Bürger. Sie waren angerührt von dem Bildungsoptimismus der Stipendiaten. Bilder des Gelingens! Solche Momente, in denen etwas gelingt, machen eine Idee erlebbar und verständlich. Und so meldeten sich Stiftungen, Mä­zene, Unternehmen, die das Projekt übernehmen oder fördern wollten. Es war und ist die Kraft einer einfachen Idee: Nach den inakzeptablen Ergebnissen der PISA-Studien talentierte Zuwandererkinder ge­zielt in die Leistungsspitze der Republik bringen, um zu zeigen: Es geht!

          Welches waren die Kriterien für eine Aufnahme?

          Das Stipendium richtet sich an 14 bis 18 Jahre alte Schüler, die gute Leistungen, sowie gesellschaftliches Engagement vorweisen können. Dann gibt es kleines Geld (1000 Euro im Jahr für Bildungsausgaben), aber vor allem Seminare, Treffen, Aktivitäten. Inzwischen vergibt eine eigene Stiftung, die START-Stiftung, das START-Stipendium.

          Haben Sie die Programme eigentlich evaluiert oder nur wissenschaftlich begleitet?

          In der 2005 gegründeten Stiftung Polytechnische Gesellschaft werden beispielsweise alle Leitprojekte evaluiert.

          In welcher Tradition sehen Sie die Polytechnische Stiftung?

          Die Polytechniker entstammen der Aufklärung. Zu den Gründern unserer Muttergesellschaft zählen Aufklärer wie der Freiherr vom Stein oder der Pädagoge Adolph Diesterweg. Polytechnisch heißt, alle Talente zum Erblühen zu bringen. Es bedeutet Aufstieg durch Bildung. Eine Schulpsychologin hat uns deshalb eine „Potentialentfaltungsgemeinschaft“ ge­nannt.

          Welche Fähigkeiten zählen Sie zu den polytechnischen?

          Die Bindungsfähigkeit in der Familie, die Sprachfähigkeit, den wissenschaftlich-technischen Forschergeist, das ästhetisches Ausdrucksvermögen und die Bürgerkompetenz. Als wir 2006 mit der Stiftungsarbeit begannen, mussten wir auch die 350 Mitglieder unserer Muttergesellschaft vom Sinn unserer Arbeit überzeugen. Eine gute Schule.

          Was bedeutet das für die Systematik Ihrer Programme?

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