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Gesundheitsministerium : Hebammen sollen studieren

Tasche mit den Arbeitsutensilien einer Hebamme Bild: dpa

Nach einem Reformvorschlag des Gesundheitsministeriums sollen Hebammen künftig studieren. Damit soll eine Richtlinie der Europäischen Union umgesetzt und der Beruf attraktiver gemacht werden.

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          Wer Hebamme werden will, soll in Zukunft ein Studium absolvieren statt wie bisher eine Ausbildung an einer Hebammenschule. Das geht aus einem Referentenentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hervor, dessen Inhalt am Donnerstag bekannt wurde. Demnach müsse die Akademisierung der Ausbildung „vollständig erfolgen“. Eine teilweise Umstellung auf Bachelorabschlüsse komme nach Ansicht des Ministeriums nicht in Frage, um eine „Spaltung der ohnehin kleinen Berufsgruppe“ zu vermeiden.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Der Referentenentwurf verweist auf eine Richtlinie der Europäischen Union, die bis Januar des kommenden Jahres in nationales Recht umgesetzt werden muss. Demnach sollen angehende Hebammen mindestens zwölf Schuljahre absolviert haben statt wie bisher zehn; zudem verlangt die Richtlinie wissenschaftliche Kenntnisse. Die Anforderungen an den Beruf seien in den vergangenen Jahren „anspruchsvoller und komplexer geworden“, schreibt das Gesundheitsministerium. Wer den Beruf der Hebamme ausübe, müsse in der Lage sein, das „eigene Handeln kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren“.

          Dies soll ein Fachstudium leisten. Zudem erhofft sich das Ministerium, dass der Beruf auf diese Weise an Attraktivität gewinnt und sich mehr Personen für eine Tätigkeit als Hebamme entscheiden. Das neue Studium soll dual ausgerichtet sein und dem Referentenentwurf zufolge einen „hohen Praxisanteil“ aufweisen. Einer teilweisen Akademisierung tritt das Ministerium entgegen, die Reform müsse „vollständig erfolgen“.

          Der Deutsche Hebammenverband äußerte sich zustimmend zu dem Vorschlag. Durch die Akademisierung werde „endlich das hohe Niveau, auf dem Hebammen arbeiten, widergespiegelt“, sagte die Präsidentin des Verbands, Ulrike Geppert-Orthofer. Der Umbau des Ausbildungssystems müsse nun „schnellstmöglich vorangetrieben werden“. Bislang gibt es in Deutschland mehrere Dutzend Hebammenschulen, die in der Regel an Krankenhäuser angegliedert sind. Die Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit einer staatlichen Prüfung. Nach Angaben des Hebammenverbands existieren bereits drei Modellstudiengänge in Bochum, Fulda und Berlin.

          Werdende Eltern berichten in vielen Teilen Deutschlands von einem Mangel an Hebammen. Dazu tragen nach Meinung von Fachleuten auch die hohen Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung freiberuflicher Hebammen bei. Diese betragen derzeit mehr als 8000 Euro pro Jahr, die Krankenkassen zahlen einen Teil davon. Nach Verbandsangaben seien davon zuletzt 2600 Hebammen betroffen gewesen, die zusammen etwa jede fünfte Geburt in Deutschland begleiteten.

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