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Boni für Führungskräfte : Einzelkämpfer gehen leer aus

Team geht vor: Beim Fußball-Weltmeister bekommen alle Spieler die gleiche Prämie; Boni für Torschützen oder andere Spitzenkräfte sind unüblich. Bild: Picture-Alliance

Individuelle Boni galten lange als ideale Motivation für Manager. Doch viele Unternehmen schaffen das Vergütungsmodell jetzt ab. Für mehr Geld müssen sich die Führungskräfte nun anders anstrengen.

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          Die Bahn macht 2017 vieles anders. Nicht nur, dass ICE-Fahrgäste auch in der zweiten Klasse seit Jahresbeginn mit kostenlosem W-Lan verwöhnt werden. Auch für die eigenen Führungskräfte tut sich etwas: Der Konzern hat deren Erfolgsbeteiligung grundsätzlich verändert und die individuellen Ziele aus der Bemessung der jährlichen Erfolgsbeteiligung völlig gestrichen. „Ab jetzt zählt nur noch der Erfolg des Gesamtsystems Eisenbahn in Deutschland. Jeder muss sich für den Gesamterfolg des Systems Bahn verantwortlich fühlen, auch über seinen Bereich hinaus. Deshalb wird auch nur noch der gemeinsame Erfolg belohnt“, heißt es schwungvoll auf Anfrage aus dem Konzern. Das neue Bonussystem sei ein wichtiger Baustein des Veränderungsprogramms „Zukunft Bahn“.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Die Bahn ist beileibe kein Einzelfall. Der Industriekonzern Bosch hat für das abgelaufene Jahr erstmals auf individuelle Boni verzichtet, wie die F.A.Z. kürzlich berichtete. Die ausgeschütteten Sonderzahlungen an die Manager orientierten sich auch bei den Schwaben nur noch am Erfolg des Unternehmens und der jeweiligen Sparte. Dort empfinde ein Großteil der Fach- und Führungskräfte die Änderung als fair, heißt es von Bosch. Die börsennotierten Technologie-Konzerne SAP und Infineon hatten schon vor einiger Zeit ihre Vergütungssysteme entsprechend umgestellt. Auch BSH Hausgeräte gehört nach Recherchen der F.A.Z. in diese Gruppe - die schon bald um weitere illustre Namen vor allem aus der Industrie erweitert werden dürfte. Denn der Automobilhersteller Daimler macht aus entsprechenden Plänen kein Geheimnis mehr und könnte bald einen solchen Schritt verkünden. Gespannt darf man auf Volkswagen sein, das seine Vergütungsstruktur nach den Eskapaden der Vergangenheit derzeit grundlegend neu ordnet. Mit Ergebnissen wird im Laufe dieses Jahres gerechnet.

          „Es gibt einen eindeutigen Trend, dass immer mehr Unternehmen auf individuelle Modelle verzichten“, sagt Birgit Horak, Vorstandsmitglied der Vergütungsberatung Lurse. Zudem würden einige sehr große Unternehmen ebenfalls über einen solchen Schritt nachdenken. Diese Entwicklung nimmt auch Ulrich Goldschmidt wahr, Vorstandsvorsitzender des Führungskräfteverbandes. „In einer ganzen Reihe von Konzernen wird über die Neugestaltung der Vergütung intensiv diskutiert“, sagt er. Dies höre er zum Beispiel von den Sprecherausschüssen, welche die Interessen der leitenden Angestellten in den Unternehmen vertreten.

          „Längst überfällig“

          Für Goldschmidt ein Gebot der Stunde: „Diese Entwicklung ist absolut richtig und längst überfällig.“ Insbesondere in einer dynamischen Arbeitswelt 4.0 verbiete sich die Koppelung von Boni an ein sogenanntes Performance-Management-System, welches individuelle Leistungen von Managern misst und zuordnet. „Derartige Bonus-Programme sind von Misstrauen und Überwachung geprägt“, findet Goldschmidt. Eine solche Kultur werde aber in einer digitalisierten Arbeitswelt 4.0 scheitern, in der die Veränderungen immer rascher aufträten und Geschäftsmodelle rasch überholt seien.

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