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Umstrittener Fachkräftemangel : „Die Einstiegsgehälter wachsen rasant“

  • Aktualisiert am

Goran Baric, Deutschlandchef des Personalvermittlers Michael Page. Bild: Archiv

Wer Ingenieure sucht, kann heute nicht mehr wählerisch sein, sagt der Deutschlandchef des Personalvermittlers Michael Page. Bei manchen Anfragen müssen sogar die Profis passen.

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          Herr Baric, sind Ingenieure nun schwer am Arbeitsmarkt zu finden, oder ist die ganze Debatte eine Medienblase?

          Dass Ingenieure knapp werden, ist für mich eine Tatsache. Normalerweise bieten wir unseren Kunden für eine offene Stelle eine engere Auswahl von vier oder fünf geeigneten Kandidaten an. Mittlerweile ist die Situation aber so, dass wir schon einen Kandidaten zum Vorstellungsgespräch schicken, sobald wir ihn finden. Und normalerweise bekommt der dann auch direkt ein Angebot.

          Das zeigt, wie dramatisch die Situation ist. Die Kunden suchen deutlich länger als noch vor ein paar Jahren und sind sich bewusst, dass sie geeignete Kandidaten umwerben und ihnen schnell ein Angebot machen müssen, sonst greift ein anderer zu.

          Gilt das für alle Fachrichtungen der Ingenieure?

          Die Lage ist überall angespannt, aber es gibt da noch erhebliche Abstufungen. Chemie, Pharma und Nahrungsmitteltechnik stehen beim Bedarf ganz oben. Danach folgt der gesamte Kraftwerk- und Energiebereich, vor Telekommunikation und Automobil. Am entspanntesten sieht es noch bei den Bauingenieuren aus.

          Es heißt doch immer, Maschinenbauer und Elektroingenieure seien so begehrt.

          Das sind sie ebenfalls. Wir sprechen insgesamt von einem sehr hohen Niveau.

          Wenn Ingenieure knapp werden, müssten auch die Gehälter entsprechend steigen. Tun sie das?

          Ja, das kann man beobachten. Wir hatten 2011 ein Gehaltsplus von rund 4 Prozent im Durchschnitt. Außerdem beobachten wir, dass die Einstiegsgehälter rasant wachsen. Vor sechs oder sieben Jahren waren es rund 35 000 Euro für einen Diplomingenieur, heute liegen wir schon bei 43 000 Euro im Durchschnitt. Ein Projektmanager in der Pharmabranche, der Anfang dreißig ist und fünf Jahre Berufserfahrung aufweist, kann schon auf 70 000 Euro im Jahr kommen.

          Also keine Grenzen beim Verdienst?

          Doch, die kann man bei etwa 85 000 Euro Jahresverdienst erkennen. Es gibt viele Ingenieure, die sich dann idealistischere Ziele setzen und ihre weitere Karriere weniger am Gehalt, sondern mehr am Inhalt ihrer Arbeit ausrichten: Wo kann ich mit den neusten Maschinen arbeiten, welche Freiheiten werden mir gegeben? Solche Fragen stehen dann im Mittelpunkt. Nur ein kleiner Teil überspringt die 100 000-Euro-Grenze und steigt in eine höhere Managementkarriere ein.

          Wie viel Berufserfahrung ist am Markt gefragt?

          Am stärksten ist die Nachfrage nach Einsteigern mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung. Da ist das Volumen am höchsten. Die höheren Positionen werden seltener besetzt und dann auch häufig durch interne Kandidaten, die darauf lange vorbereitet werden.

          Wie geht ein Personaldienstleister mit dem enger werdenden Markt um?

          Wir haben internationale Büros und versuchen natürlich auch, grenzüberschreitend zu vermitteln. Aber das ist kein Massenphänomen. Oft haben die Kandidaten in ihren Heimatländern gute Perspektiven. Es kommt deshalb auch vor, dass wir einem Kunden ehrlich sagen müssen, dass eine bestimmte Qualifikation am Markt momentan leider nicht zu finden ist.

          Das Gespräch führte Sven Astheimer.

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