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Sensible Unternehmensdaten : Spione wider Willen

Guck mal, wer da tippt: Im Zug lässt sich oft leicht ein Blick auf den Bildschirm des Nachbarn erhaschen. Bild: Daniel Pilar / F.A.Z.

Mit der Geheimhaltung sensibler Daten nehmen es viele Arbeitnehmer nicht so genau. Ungeniert werden Firmeninterna in der Bahn breitgetreten oder gut sichtbar in den Laptop getippt. Den Arbeitgeber kann das in die Bredouille bringen.

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          Die Bundeskanzlerin auf frischer Tat ertappt. Viel prominenter als Angela Merkel in der NSA- Spähaffäre kann man sich gar nicht erwischen lassen. Seitdem weiß die ganze Welt: Die deutsche Kanzlerin hält sich nicht an die Regeln in ihrem eigenen Betrieb. Denn die „Verschlusssachenanweisung“ des Bundesinnenministeriums vom März 2006 legt in Paragraph 13 Absatz 3 eindeutig fest: „Personen, die zum Zugang zu Verschlusssachen ermächtigt sind, ist der Betrieb von privater Informationstechnik und mobilen Telekommunikations-Endgeräten am Arbeitsplatz grundsätzlich untersagt.“ Im Behördendeutsch ist das ein ziemlich klares Verbot von Privathandys. Und das aus gutem Grund: Handelsübliche Mobiltelefone bergen das Risiko, dass heimlich eingeschleuste Schadsoftware das Mikrofon aktiviert. Dann könnte alles, was in der Umgebung gesprochen wird, mitgeschnitten werden. Außerdem können leicht Bewegungsprofile angelegt werden.

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Dass sich die öffentliche Aufregung in Grenzen hält, könnte vor allem an einem liegen: Irgendwie macht es ja jeder so. Sicherheitsvorkehrungen sind lästig, im Zweifel wird alles nur langsamer und umständlicher, der konkrete Nutzen bleibt im Verborgenen. Schließlich ist der Aufwand erst erfolgreich, wenn nichts passiert. „Smartphones werden schlicht unterschätzt“, sagte Arnd Böken, Rechtsanwalt der Kanzlei Graf von Westphalen, auf dem Syndikusanwaltstag des Deutschen Anwaltvereins. Was so leicht und praktisch in der Hand liegt, ist in Wahrheit ein hochleistungsfähiger Computer.

          Ungeniert werden Firmeninterna in der Bahn diskutiert

          Die Krux beginnt schon damit, dass - anders als im Fall der Kanzlerin - allenfalls die großen Unternehmen den Umgang mit Smartphones und Tablet-Computern überhaupt regeln. Das Ergebnis lässt sich zu jeder beliebigen Tageszeit in der Bahn besichtigen: Ungeniert unterhalten sich Mitarbeiter am Handy über Firmeninterna und bearbeiten sensible Dokumente. Die im Handel bereits angepriesenen Folien, welche die Einsicht interessierter Nachbarn erheblich einschränken kann, haben noch immer Seltenheitswert. Die Gestaltung der Passwörter wird gerne den Mitarbeitern überlassen, und da siegt die handliche Schlichtheit über sichere Komplexität. Um die Dinge einfach zu halten, wird auch schon mal die gleiche Pin-Nummer an alle Mitarbeiter verteilt. Dann kann man sie auch gleich ganz abschaffen.

          Die Nerven der IT-Abteilung werden besonders strapaziert, wenn der Blackberry versehentlich im Taxi liegenbleibt oder das iPad in der U-Bahn gestohlen wird. Dabei sind Hunderte Euro Anschaffungskosten meist noch das geringste Übel. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass unternehmenseigene Daten in fremde Hände gelangen können: Kundenlisten, Preisberechnung, Kaufverträge, vertrauliche Daten von Geschäftspartnern. Das kann für die Unternehmen unangenehm werden. Ihnen drohen im schlimmsten Fall Geldbußen von bis zu 50.000 Euro, Schadensersatzforderungen oder gar die persönliche Haftung der Geschäftsführer. Ganz zu schweigen von dem Reputationsschaden in der Öffentlichkeit und den Meldepflichten an die Behörden.

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