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: Sechs Monate Auszeit für die Pflege

  • -Aktualisiert am

Zeit für die Pflege Bild: wodicka@aon.at

Wenn Menschen pflegebedürftig werden, sind ihre berufstätigen Verwandten oft völlig überfordert und gestresst. Jetzt hat der Gesetzgeber reagiert: Ab kommender Woche gelten neue Regeln.

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          Ausreichende Ernährung, ein gutes Gesundheitswesen, keine Kriege: Die Menschen werden immer älter in Deutschland. Wer länger lebt, wird aber auch häufiger pflegebedürftig. Rund zwei Millionen Frauen und Männer sind schon heute auf fremde Hilfe für das tägliche Überleben angewiesen. Tendenz: steigend. Zwar müssen immer mehr Familien pflegebedürftige Angehörige versorgen, doch nicht alle können dies selbst tun. Sind beide Partner in Arbeitsleben und Kindererziehung eingebunden, bleibt oft nur am Wochenende Zeit für die kränkelnden Großeltern. Jetzt geht der Gesetzgeber dieses Problem an. Am 1. Juli hat sich vieles ändern.

          Grundsätzlich gilt: Wer die Pflege nicht selbst übernimmt, wird in der Regel einen ambulanten Dienst oder eine Sozialstation beauftragen. Ihre Leistungen werden aus den Beiträgen der Pflegeversicherung bestritten und bemessen sich nach der Pflegestufe. Dabei bezeichnet die Pflegestufe 1 einen Hilfsbedarf von mindestens 90 Minuten am Tag; Stufe 2 nicht weniger als 120 Minuten am Tag und Stufe 3 mindestens 300 Minuten Fürsorge am Tag. Die im Sozialgesetzbuch XI geregelten Leistungen für Pflegebedürftige dienen dazu, die Pflege zu bezahlen. "Es besteht aber keine Pflicht, einen Fremdpfleger zu bestellen. Wer einen Angehörigen privat pflegen will, erhält dafür ebenfalls Leistungen", erklärt Jochen Hartmann, Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Flügler & Partner in Freiburg. Eine pflegerische Ausbildung ist dafür nicht erforderlich. Im Gegenteil: Häusliche Pflege ist auch seitens der Politik ausdrücklich erwünscht und genießt den Vorrang vor stationärer Pflege.

          Dies soll das neue "Pflegezeitgesetz" (PflegeZG) nun unterstreichen. Paragraph 1 erläutert den Zweck: "Ziel des Gesetzes ist, Beschäftigten die Möglichkeit zu eröffnen, pflegebedürftige nahe Angehörige in häuslicher Umgebung zu pflegen und damit die Vereinbarkeit von Beruf und familiärer Pflege zu verbessern." Um dieses Ziel zu erreichen, wurde das Arbeitsrecht an vielen Stellen geändert. Vor allem Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen.

          Arbeitnehmer dürfen zehn Tage fernbleiben

          So darf jeder Beschäftigte im Falle eines akut auftretenden Pflegebedarfs eines nahen Angehörigen bis zu zehn Arbeitstage von der Arbeit fernbleiben (§ 2 Abs. 1 PflegeZG). In diesen zehn Tagen soll es Berufstätigen ermöglicht werden, selbst die pflegerische Erstversorgung zu Hause sicherzustellen. Zudem sollen sie sich über Pflegeangebote informieren können. Diese Regelung ist sehr weitgehend; sie gilt schon, wenn der Angehörige "voraussichtlich" zum Pflegefall wird. Weit gefasst ist auch der Kreis der "nahen Angehörigen". Darunter fallen nicht nur Großeltern, Eltern und Schwiegereltern. Auch Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft sowie Geschwister gelten nach § 7 Abs. 3 PflegeZG als "nahe Angehörige". Schließlich fallen auch Kinder darunter, und zwar leibliche Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder sowie solche des Ehegatten oder Lebenspartners und Schwieger- und Enkelkinder.

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