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Rechtsabteilungen : Hohe Ansprüche an Hausjuristen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Wer einen Job in der Rechtsabteilung eines Unternehmens ergattern will, muss meist Berufserfahrung in einer Kanzlei vorweisen. Glückt der Einstieg, warten vielfältige Aufgaben - aber nicht unbedingt gute Aufstiegschancen.

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          Wenn Matthias Restorff auf die Übernahme seines damaligen Arbeitgebers Holsten durch den dänischen Brauereikonzern Carlsberg zu sprechen kommt, gerät der 43-jährige Jurist ins Schwärmen. „Das war eine sehr spannende Zeit. Die Übernahme damals war mit einer außerordentlichen Hauptversammlung verbunden, auf der die Brauerei die Minderheitsaktionäre mit einer Barzahlung abgefunden hat.“ Als Leiter der Holsten-Rechtsabteilung sei die Vorbereitung dieses sogenannten „Squeeze out“ eine große Herausforderung gewesen. Das Verfahren, die vielen Fallstricke des Aktienrechts, die berücksichtigt werden mussten, das Briefing der Vorstände für die kritischen Fragen der Aktionäre - „in diesen Monaten habe ich sehr viel gelernt, das waren tolle Aufgaben“, erinnert sich Restorff.

          Die Chancen, unmittelbar nach Studium oder Referendariat einen Job in der Rechtsabteilung eines Unternehmens zu erobern, sind jedoch angesichts gewachsener Ansprüche inzwischen eher gering. Wer diese Hürde jedoch meistert, kann - wie Holsten-Chefjurist Restorff - mit spannenden und abwechslungsreichen Aufgaben rechnen. Gleichzeitig können sich viele Syndizi weiterentwickeln und unter Umständen sogar Führungspositionen außerhalb der Rechtsabteilung übernehmen.

          Juristen mit Kanzlei-Erfahrung gehören zu den Favoriten

          Vorher gilt es juristische Erfahrung im Alltag zu sammeln. „Für die Jobs in ihren Rechtsabteilungen suchen die Unternehmen in der Regel fertig ausgebildete Mitarbeiter, die schon Mandanten betreut oder ihre Fälle vor Gericht durchgefochten haben“, beobachtet Ina Steidl, Partnerin der Personalberatung Schollmeyer & Steidl in Frankfurt. Bewerber, die zwei, drei oder mehr Jahre in einer Kanzlei Fall für Fall abgearbeitet und zum Beispiel schon Firmenübernahmen oder Fusionen betreut haben, gehörten daher zu den Favoriten der Unternehmen.

          „Gerade die Kandidaten, die aus den großen, renommierten Kanzleien kommen, sind sehr gefragt. Sie bringen normalerweise all das mit, worauf die Industrie besonderen Wert legt“, betont Steidl. So kennen sie sich meist sehr gut in den Rechtsgebieten aus, die für das jeweilige Unternehmen wichtig sind - wie beispielsweise das Gesellschaftsrecht. „Daneben stehen auch Experten für Vertrags-, Marken-, Wettbewerbs- oder Exportrecht hoch im Kurs“, zählt die Personalexpertin auf.

          Wer ein Randgebiet hat, sollte es hegen und pflegen

          Juristen, die sich schon während ihrer Zeit in einer Kanzlei auf Randgebiete wie Pharmarecht konzentrieren, rät Steidl, „dieses Faible gezielt zu pflegen, um sich später als ausgewiesener Experte zu positionieren“. Doch fachliche Qualifikation allein reicht nicht. Gabriele Bollhöfer, Karriere-Coach bei Lovells in München, empfiehlt die Großkanzlei als „Lernmaschine“. Egal, ob den Juristen der Vorstandschef des Unternehmens oder ein Mandant einer Kanzlei gegenüber sitzt, „müssen sie in der Lage sein, eine Beziehung aufzubauen und Vertrauen zu schaffen“. Wesentlich sei auch „das Talent, komplizierte Sachverhalte für fachfremde Kollegen wie Ingenieure in einfachen Worten zu erklären“, ergänzt Steidl.

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