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Private E-Mails in der Arbeit : Darf ich oder darf ich nicht?

Auf der Arbeit private Mails verschicken: Viele Arbeitnehmer sind sich unsicher, ob sie das dürfen. Viele Arbeitgeber sind es auch. Bild: picture alliance / blickwinkel/M

Wer im Büro private Mails verschickt, dem droht die Kündigung - oder? Die Unsicherheit bei diesem Thema ist groß, denn viele Unternehmen scheuen klare Regeln. Das ist schlecht für alle Beteiligten.

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          Ein berufliches Vorbild ist etwas anderes. Der stellvertretende Leiter eines niedersächsischen Bauamts fällt durch exzessive Privatnutzung des Internets auf. Mehrere Stunden am Tag verbringt er mit dem Schreiben und Beantworten von Nachrichten in einem Portal für Partnersuche. Seinen Gesprächspartnerinnen schickt er nicht selten weit über hundert E-Mails. Dafür nutzt er seine berufliche E-Mail-Adresse. Veranschlagt man pro Kommunikation nur etwa drei Minuten, ist die Arbeitszeit, die im Tarifvertrag auf 7 Stunden und 48 Minuten festgelegt ist, schon nahezu vollständig ausgefüllt.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          In einem Zeitraum von sechs Wochen speicherte der Mann auf seinem Dienstrechner etwa 774 DIN-A4-Seiten Text, darin zahllose intime und sogar pornographische E-Mails und Bilder seiner Partnerinnen. Der Mann, der seit mehr als 30 Jahren bei einer niedersächsischen Gemeinde beschäftigt ist, hat von dort auch bei einer Erotik-Hotline angerufen. Seine Mitarbeiter haben ihn auch dabei erwischt, wie er sich nach der Mittagspause im Büro eine Sportsendung im Fernsehen ansah.

          Das Bauamt wollte den Mann loswerden. Aber das war gar nicht so einfach. Denn darf der Arbeitgeber sich die private Kommunikation seiner Arbeitnehmer ansehen? Nein, sagte der Mann, zog vor das Arbeitsgericht und argumentierte, dass die E-Mails allesamt unverwertbar seien und es daher keine Basis für eine Kündigung gebe. Das Arbeitsgericht in Nienburg gibt dem Mann sogar recht. Doch dem Landesarbeitsgericht Niedersachsen geht das entschieden zu weit: Die E-Mails dürften sehr wohl verwertet werden, um die Pflichtverstöße nachzuweisen, argumentieren die Richter. Der Arbeitgeber habe die private Nutzung der dienstlichen E-Mail nämlich nicht ausdrücklich erlaubt, sondern nur geduldet.

          Mails zu kontrollieren hat nicht nur rechtliche Gründe

          Dass Arbeitnehmer über ihr geöffnetes Postfach am Rechner mal eben eine E-Mail mit den Worten „Komme zehn Minuten später“ nach Hause schicken, ist üblich und stört keinen Arbeitgeber. Im Gegenteil: Der Trend geht dahin, das Private und Berufliche so gut wie möglich miteinander zu verbinden. Yogakurse und Massage gibt es heute in vielen Büros, und gleichzeitig gestatten Arbeitgeber immer häufiger Home Office. Das soll die Work-Life-Balance fördern.

          Gar nicht dazu passen will das vollständige Verbot, private E-Mails während der Dienstzeit zu versenden. Auch auf die Mitarbeiter von Internetprovidern wie GMX oder web.de zu verweisen, erscheint vielen Chefs nicht mehr zeitgemäß. Manche Arbeitgeber erlauben ihrer Belegschaft ausdrücklich die private Nutzung des Dienstaccounts. Doch das ist die Ausnahme. Das Gros der Unternehmen verzichtet auf klare Ansagen und lässt ihre Angestellten im Ungewissen.

          Doch ein Verbot ist das einzige Mittel, mit dem ein Arbeitgeber rechtlich abgesichert ist, wenn er auf die E-Mails seiner Mitarbeiter zugreift. Das tut er längst nicht nur, um Pflichtverstöße nachzuweisen und damit eine Kündigung zu rechtfertigen. Wenn etwa ein Mitarbeiter im Vertrieb plötzlich erkrankt und weder eine Abwesenheitsmeldung noch eine Weiterleitung an einen Kollegen einrichten konnte, muss jemand auf das Postfach zugreifen, wenn nicht wichtige Kunden verprellt werden sollen.

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