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Persönlichkeitsrechte : Rundum unter Kontrolle

  • -Aktualisiert am
Ist der Chef oder ein Kunde dran?
          4 Min.

          Die Anweisungen waren klar. "Es durfte niemand wissen, dass wir für verschiedene Firmen arbeiteten. Dass wir nicht in Firmenzentralen in Stuttgart oder Frankfurt saßen, sondern einfach nur im Callcenter arbeiteten", sagt Bettina Medlinger. Der Schein musste gewahrt werden. Mehr als drei Jahre arbeitete sie während ihres Studiums bei einem Callcenter in der Pfalz. Die 27-Jährige, die ihren wirklichen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, betreute bis zu acht Firmen und nahm Reklamationen gleichermaßen für Kosmetikhändler oder Modeversandhäuser an. Wenn sich Lieferungen um vier Monate verspäteten, musste Medlinger von drei Wochen sprechen. Nicht länger als zwei Minuten und zwanzig Sekunden durften Gespräche mit Kunden sein. Und wer sich nicht an die Regeln hielt, wurde zum Chef zitiert. "Dann wurde uns mitgeteilt, dass manche Gespräche mitgehört worden waren. Manchmal zwei, manchmal vier im Monat."

          An keinem Arbeitsplatz ist Kontrolle so lückenlos und konsequent möglich wie im Callcenter. Mitarbeiter müssen damit rechnen, dass ihre Gespräche verdeckt mitgehört, aufgezeichnet und ausgewertet werden. Immer wieder bekommen die Angestellten auch verdeckte Anrufe. Am anderen Ende der Leitung sprechen dann keine Kunden oder Geschäftspartner, sondern getarnte Callcenter-Agenten, die Freundlichkeit und Kompetenz prüfen und jedes Fehlverhalten protokollieren. "Die Überwachung von Mitarbeitern erfasst immer mehr Branchen. In Callcentern sind die technischen Möglichkeiten allerdings am ausgefeiltesten", sagt Jan Jurczyk, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

          Strengere Regeln zur Videoüberwachung

          Und gerne machen Arbeitgeber von diesen Möglichkeiten Gebrauch. Während Videoüberwachung von Mitarbeitern in Kaufhäusern und Supermärkten nach Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts nur dann erlaubt ist, wenn sie dazu dient, eine Straftat aufzuklären, reicht für das verdeckte Mithören und Mitschneiden der Gespräche von Callcenter-Agenten als Rechtfertigungsgrund aus, die Qualität der Arbeit sichern zu wollen. "Es ist ein Spannungsfeld, in dem die Persönlichkeitsrechte des Mitarbeiters gegenüber den Interessen des Unternehmens abgewogen werden müssen", sagt Nils Schröder, Sprecher der Landesbeauftragen für Datenschutz Nordrhein-Westfalen. Grundsätzlich sind selbst die standardisierten Gespräche nach Anleitung, die von den Agenten geführt werden, vom Recht am eigenen Wort umfasst. Doch Datenschützer räumen ein, dass bestimmte Formen der verdeckten Kontrolle erlaubt sind, wenn eine Bewertung der Arbeitsleistung auf anderem Wege nicht möglich ist.

          Bestimmte Formen der verdeckten Kontrolle sind erlaubt
          Bestimmte Formen der verdeckten Kontrolle sind erlaubt : Bild: ddp

          Auch Verdi kann eine Überwachung von Call-Center-Mitarbeitern nicht ganz ausschließen. "Am liebsten hätten wir natürlich, dass man darauf verzichten würde, aber so ist die Welt einfach nicht", sagt Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. Denn im Unterschied zu den meisten anderen Büroarbeitsplätzen ist schon das Gespräch des Mitarbeiters im Callcenter die eigentliche Dienstleistung, das eigentliche Produkt. Wäre es dem Arbeitgeber grundsätzlich verboten, Gespräche zu kontrollieren, würde ihm ein Maßstab fehlen, anhand dessen er die Qualität der Arbeitsleistung bewerten könnte.

          „Heimlich“ oder nur „verdeckt“?

          Noch sind die Fragen der Überwachung im Callcenter jedoch nicht höchstrichterlich geklärt. Es brodelt die Diskussion darüber, was im Detail erlaubt ist und was nicht. In einer Frage sind sich die Experten einig: "Es darf nicht zu einer Totalkontrolle rund um die Uhr kommen", sagt Christopher Jordan, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle in Köln. Und auch heimlich darf die Kontrolle nicht erfolgen. Denn durch eine solche Kontrolle würde ein Arbeitnehmer "einem ständigen Überwachungsdruck ausgesetzt, dem er sich während seiner Tätigkeit nicht entziehen kann", wie es in einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts heißt (Az. 2 AZR 51/02). Ein unzumutbarer Druck für die Mitarbeiter, sagen die Gerichte.

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