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Moderne Arbeitsverträge : Und das soll ich unterschreiben?

„Bei betrieblichem Bedarf kannst Du versetzt werden“

Je hipper sich ein Unternehmen gibt, desto mehr hat es zu verlieren, wenn das Image nicht stimmig ist. Das hat auch die Berliner Werbeagentur „diffferent“ erkannt, die sich nicht ohne Grund gleich mit drei „f“ schreibt. In jeder Hinsicht anders zu sein ist ihr wichtig, alle 80 Mitarbeiter duzen sich untereinander. Dann sollte eine neue Führungsebene eingezogen werden, es standen einige Beförderungen und Neuanstellungen an. Doch bei den Arbeitsverträgen hatte die Geschäftsführung erst den üblichen konservativen Ansatz gewählt. „Das war kein großer Sprung“, sagt die Direktorin Iris Hildebrandt. Irgendwie hatten die Verträge sogar fast etwas Abschreckendes - Beförderung hin oder her. „Wir wollten auch im Arbeitsvertrag den Geist wiederfinden, der bei uns durch die Flure weht“, berichtet Hildebrandt. „Vertrauen und Intuition ist uns wichtig.“ Mit dieser Prämisse konnten viele der Worst-Case-Szenarien in den Verträgen ausgemistet werden. „Wir haben uns noch nie mit einem Exmitarbeiter vor Gericht wiedergetroffen“, sagt Hildebrandt. „Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.“

In der letzten Konsequenz bedeutete das auch, die neuen Mitarbeiter auch im Arbeitsvertrag mit dem vertrauensvollen „Du“ anzusprechen. Dabei erhalten selbst unangenehme Klauseln den Charme eines konstruktiven Mitarbeitergesprächs. „Bei entsprechendem betrieblichen Bedarf kannst Du versetzt werden“, heißt es etwa in der Versetzungsklausel, die in Arbeitsverträgen sonst eher in einem weniger versöhnlichen Ton gehalten ist und noch dazu oft drakonische Strafen androht. Vereinzelt sind Erklärschleifen eingebaut, die den Mitarbeitern Sinn und Zweck der Übung erläutern, sagt Hildebrandt. „Hierbei werden wir Deine Interessen angemessen berücksichtigen und Dich nur versetzen, sofern und soweit Dir dies zumutbar ist“, heißt es nun in den neuen Klauseln. Und dass Versetzungen keineswegs immer zu Lasten der Arbeitnehmer gehen, weiß zwar inzwischen jede Personalabteilung, im Arbeitsvertrag wurde dieser Anreiz jedoch bisher immer verschwiegen. Bei „diffferent“ ist das jetzt anders: „Eine Versetzung kann auch im Rahmen Deiner Karriereentwicklung erfolgen. Hierbei werden wir Dich bei Deiner persönlichen Entscheidung begleiten und fördern.“

Letztlich ist das auch der Schritt, der das Employer Branding erst von dem vollmundigen Versprechen in eine belastbare Zusicherung übersetzt. Für Arbeitsrechtlerin Preedy versteckt sich hinter dem Modewort vor allem das „Nach-außen-Tragen“ einer gelebten Arbeitswirklichkeit. „Da gehört das Arbeitsrecht entscheidend dazu.“ Für sie ist es quasi „die verbindliche Visitenkarte des Employer Brandings“. Doch die wird bisher links liegengelassen. „Viele Unternehmen verkaufen sich in ihren Arbeitsverträgen unter Wert“, findet die Juristin. Offensiv vermarkten sie attraktive Anreize: Dienstcomputer, Smartphones, flexible Arbeitszeiten, Heimarbeit oder das Versprechen, in einem überschaubaren Zeitraum eine bezahlte Auszeit einlegen zu können. Doch das alles findet sich im Arbeitsvertrag nicht wieder - obwohl es durchaus nicht nur als hohle Ankündigung gemeint ist. Oder der Anspruch auf Teilzeitarbeit: Der findet sich sogar im Gesetz.

Überschaubar ist der Aufwand für Arbeitgeber, die die Verträge nur für die Neuzugänge nutzen wollen. Viel delikater ist der Umbau jedoch, wenn im Sinne einer einheitlichen Unternehmensphilosophie auch alle bestehenden Vereinbarungen überarbeitet werden müssen. Betriebe, die das nicht richtig kommunizieren, laufen Gefahr, das Gegenteil zu erreichen: Dann setzt sich in der Belegschaft schnell der Eindruck fest, damit sollen heimlich Verschlechterungen eingeführt werden. Außerdem muss das Ganze ja trotz der neuen Lockerheit noch rechtssicher formuliert werden. Dafür braucht man schon einige Zeit - sonst bringt auch eine stilvoll formulierte Vertragsklausel nichts außer Ärger.

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