https://www.faz.net/-gyl-6z7zq

Mitarbeiterprofile : Gefangen im Netz?

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Welche Rechte haben Mitarbeiter beim Ausscheiden aus einem Arbeitsverhältnis, wenn sie ihre Daten auf der Unternehmenshomepage löschen wollen?

          2 Min.

          Das Hessische Landesarbeitsgericht hat entschieden, dass Arbeitgeber persönliche Daten ausgeschiedener Arbeitnehmer umgehend von ihrer Homepage löschen müssen (Az.: 19 SaGa 1480/11). Viele Arbeitgeber nutzen das Internet, um dort für ihr Unternehmen und ihre Dienstleistungen zu werben. Nicht selten werden hierbei auch Mitarbeiter unter Angabe ihrer Qualifikationen vorgestellt und ein Neuzugang stolz präsentiert.

          Grundsätzlich bedarf die Veröffentlichung persönlicher Daten von Beschäftigten deren Einwilligung. Das gilt auch während des bestehenden Arbeitsverhältnisses. Die einmal erteilte Einwilligung gilt aber nicht grenzenlos. Scheidet der Arbeitnehmer aus, kann er die Löschung seiner Daten von der Firmenhomepage verlangen. Die weitere Nutzung der Daten verletzt das Persönlichkeitsrecht des ausgeschiedenen Mitarbeiters.

          Eigentlich eine Selbstverständlichkeit

          In dem nun entschiedenen Fall hatte sich eine Steuerberater- und Rechtsanwaltssozietät nach dem Ausscheiden einer Anwältin geweigert, die auf ihrer Homepage veröffentlichte Nachricht über deren Einstellung zu löschen. Die Eintrittsmitteilung enthielt Angaben zum Profil der Rechtsanwältin und zeigte auch ein Foto von ihr. Die Anwältin, die auch weiterhin rechtsberatend tätig ist, war der Auffassung, durch den Beitrag werde der unzutreffende Eindruck erweckt, sie sei noch immer bei der Kanzlei beschäftigt. Durch diese Irreführung drohten ihr auch berufliche Nachteile.

          Die obersten Arbeitsrichter von Hessen bestätigten die Entscheidung der Vorinstanz: Die Eintrittsmitteilung habe werbenden Charakter und sei deshalb zu entfernen. Eigentlich handelt es sich um eine Selbstverständlichkeit, dass eine professionell geführte Homepage aktualisiert wird.

          Auch der Arbeitgeber hat Anspruch auf Klarstellung

          Nach dem Ausscheiden eines Mitarbeiters muss der Arbeitgeber aber nicht nur darauf achten, dass dessen Profil entfernt wird – auch sonstige ihn betreffende Daten mit werbendem Charakter müssen gelöscht werden. Arbeitnehmer sollten darauf achten, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber dieser Verpflichtung auch tatsächlich nachkommt.

          Andererseits müssen auch Arbeitnehmer, die den Arbeitgeber wechseln, ihre etwaig bestehende Internetprofile – beispielsweise bei Xing  – umgehend aktualisieren. Wird dort ein tatsächlich nicht mehr bestehenden Arbeitsverhältnis angegeben, hat der ehemalige Arbeitgeber einen Anspruch auf Klarstellung. Der Arbeitnehmer darf aber durchaus darauf verweisen, bei einem bestimmten Unternehmen beschäftigt gewesen zu sein. Im Internet veröffentlichte Informationen sind nicht nur allen Internetnutzern zugänglich, sondern an sich zeitlich nicht begrenzt. Aus diesem Grunde ist ein sensibler Umgang mit persönlichen Mitarbeiterdaten geboten.

          Joana Kammer ist Anwältin bei Knorz.Schütz.Lawyers in Karlsruhe.

          Weitere Themen

          Der Kampf um die Präsenzlehre

          Im dritten digitalen Semester : Der Kampf um die Präsenzlehre

          Seit einem Jahr nehmen Hochschullehrer und Studenten vor Webcam und Computer Platz. Wie sind die Hochschulen in der Pandemie vorangekommen – und wie weit ist es noch zu gutem digitalem Unterricht?

          Topmeldungen

          Laschet und Söder vor der gemeinsamen Pressekonferenz am Sonntag, auf der sie beide ihre Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur verkündeten.

          Laschet oder Söder : Die Angst vor dem Flächenbrand in der CDU

          Gerade war die CDU nach Jahren der Führungskämpfe zur Ruhe gekommen, da droht der offene Streit um die Kanzlerkandidatur die alten Gräben wieder aufzureißen. Doch wie ist eigentlich das Meinungsbild in den Landesverbänden?
          Auf die richtige Aktie gesetzt? In den vergangenen zehn Jahren waren unvorstellbare 5800 Prozent Zuwachs drin.

          5000 Prozent Rendite : Die zehn besten Aktien des Jahrzehnts

          Die zehn besten Aktien der vergangenen zehn Jahre zeigen: Mit den richtigen Firmen waren mehr als 5000 Prozent Rendite drin. Statt den Aushängeschildern der deutschen Wirtschaft punkten andere.
          Daumen hoch?

          Putins Rache? : Russland stoppt Türkei-Reisen

          Mit dem starken Anstieg der Corona-Infektionen in der Türkei begründet Moskau das Aussetzen der Charterflüge. Manche halten das für vorgeschoben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.