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Werben unter Bekannten : Mitarbeiter sind die besten Headhunter

  • -Aktualisiert am

Gute Mitarbeiter sind die besten Trophäen für Arbeitgeber Bild: fotolia.com

Im Kampf gegen Fachkräftemangel sollen die Mitarbeiter neue Kollegen werben. Wenn das klappt, gibt es Prämien. Das nützt allen, birgt aber rechtliche Risiken.

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          Der Trend kommt mal wieder aus Amerika. Wer mehrere Assessment-Center überstanden hat und es in eine der großen Unternehmensberatungen geschafft hat, wird gleich in den ersten Wochen mit einem Programm konfrontiert, das "Recruit a friend" oder ähnlich heißt. Kaum ist man selbst an Bord, soll man alte Studienfreunde oder Kollegen des früheren Arbeitgebers dazu gewinnen. Das Kalkül der Unternehmensberatungen ist klar: Gute Leute kennen gute Leute - und können diese viel eher zu einem Wechsel inspirieren als Werbeanzeigen oder anonyme Headhunter.

          Unterschreibt der Geworbene und übersteht er die Probezeit, springt für den "Werber" einiges heraus. So spendiert eine der größten Beratungsgesellschaften einen Flug zu einem Ziel der Wahl weltweit. Einzige Bedingung: Das Unternehmen muss dort ein Büro unterhalten. Das schränkt nicht allzu sehr ein, zwischen Abu Dhabi, Melbourne und Buenos Aires ist viel möglich.

          Siemens ganz generös

          Ähnlich generös zeigt sich die Kraftwerkssparte von Siemens, kurz "PG" für "Power Generation". Das Unternehmen zahlt jedem Mitarbeiter, der einen neuen hochqualifizierten Kollegen findet, 3000 Euro Prämie. In einem kürzlich versandten Rundschreiben heißt es: "Unsere Mitarbeiter sind unsere besten Recruiter. Wir haben daher ein ,Mitarbeiter werben Mitarbeiter'-Programm entwickelt, um Sie zu ermuntern, in Ihrem Bekanntenkreis auf die Berufsmöglichkeiten bei PG aufmerksam zu machen. Sie kennen sowohl die Anforderungen ausgeschriebener PG-Stellen als auch das Profil des Bewerbers. Somit wissen Sie am besten, ob ein Bewerber zu uns passt." Grund für die Aktion ist, dass der Personalbedarf für das überaus gut laufende Geschäft nicht mehr zu decken ist. Das Programm ergänze die normale Suche über Stellenanzeigen und Hochschulmarketing, sagt eine Sprecherin. Noch beschränke sich die ungewöhnliche Suche, die an allen zwölf deutschen Standorten durchgeführt wird, auf die Kraftwerkstechnik und Siemens Energy.

          Eine Flugreise nach Wahl, 3000 Euro Prämie - für welchen Mitarbeiter sind das keine lohnenden Anreize, selbst ins Rekrutierungsgeschäft einzusteigen? Allerdings müssen Unternehmen und Werber einige Spielregeln beachten, damit das Geschäft für beide Seiten fair und gewinnbringend verläuft.

          Kleingedrucktes in der Ausschreibung

          Die Unternehmen sollten insbesondere darauf achten, dass die Ausschreibung der Prämie klar alle Bedingungen für ihre Auszahlung nennt. Meistens wird verlangt, dass der Mitarbeiter einen Erstkontakt zu dem Geworbenen hergestellt hat. Er geht leer aus, wenn sich der neue Kollege schon zuvor bei dem Unternehmen beworben hat. Arbeitgeber sollten in der Ausschreibung auch deutlich machen, dass der Erstkontakt unter rein privaten Umständen entstanden sein muss. Eine Prämie gibt es also auch nicht für Mitarbeiter, die im Rahmen ihrer dienstlichen Tätigkeit zum Beispiel auf Bewerbermessen Kandidaten kennenlernen und zu einer Bewerbung auffordern. Denkbar ist es, alle Mitarbeiter der Personal- und Rekrutierungsabteilung von dem Prämienangebot auszunehmen. Denn es gehört zu ihrer beruflichen Aufgabe, auch in halbprivaten Situationen - zum Beispiel bei Abenden von Hochschulgruppen -, auf Karrieremöglichkeiten im Unternehmen hinzuweisen. Die ausgelobte Prämie sollte ein Anreiz für alle Mitarbeiter sein, sich jenseits ihrer normalen Tätigkeit Gedanken über die Nachwuchsgewinnung zu machen.

          Auch sollte der Arbeitgeber deutlich mitteilen, für welche Bereiche und Qualifizierungen Fachleute gesucht werden. Ein Aufruf, "für den Standort München" zu suchen, dürfte zu ungenau sein, da er etwa auch Reinigungskräfte umfasst. Weiterhin sollte man die Auszahlung an eine erfolgreiche Probezeit binden.

          Im privatrechtlichen Sinne keine „Auslobung“

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