https://www.faz.net/-gyl-6ytfb

Kündigung : Sie bringen’s nicht!

  • -Aktualisiert am

Ein Durchhänger ist kein Kündigungsgrund: Minderleistungen müssen über längere Zeit belegt werden. Bild: Wonge Bergmann

Wenn Mitarbeiter schlechte Leistungen zeigen, wollen Arbeitgeber sie am liebsten loswerden. Kündigungen sind aber kaum möglich.

          5 Min.

          Chef ist nicht gleich Chef. Von Unternehmern heißt es, wenn sie ein Ziel vor Augen haben, rennen sie los. Und rennen und rennen, bis sie irgendwann stehen bleiben und entrüstet feststellen, dass ihre Mitarbeiter auf halber Strecke stehen geblieben sind.

          Bei den angestellten Managern hingegen soll das angeblich anders sein. Sie rennen selbst nicht, sondern bringen ihre Mitarbeiter dazu. In diesem Sinne passt es, ein Programm, das Mitarbeiter antreiben soll, „Performance Management System“ zu nennen. Das ist kein Softwareprogramm für Personalabteilungen, das man als CD-ROM oder aus der Datenwolke kaufen kann – auch wenn das durchaus denkbar wäre.

          Leistungsschwache Mitarbeiter sind ein heikles Thema

          Henning Abraham, Arbeitsrechtler in der Kanzlei Hogan Lovells in Hamburg, meint damit, dass Personalabteilungen Leitfäden entwickeln für den Umgang mit leistungsschwachen Mitarbeitern - sogenannte „Low Performer“. „Ein vernünftiges Performance Management sollte immer darauf ausgelegt sein, die Mitarbeiter besser zu machen“, sagt der Jurist.

          Doch oft ist es dafür schon zu spät. „Wir haben da jemanden, der arbeitet nicht richtig, das geht schon lange so – jetzt ist das Maß voll“, solche Sätze hören Arbeitsrechtsanwälte meistens, wenn sie wegen leistungsschwacher Mitarbeiter konsultiert werden.

          Die Arbeitgeber wollen dann nichts anderes als die Kündigung und verlangen dafür juristischen Beistand. Denn der Rausschmiss wegen schlechter Leistungen ist schwierig. Bisweilen wird sogar behauptet, er sei fast unmöglich.

          Aufhebungsverträge statt Kündigungen

          “Von schlecht arbeitenden Mitarbeitern kann man sich schon trennen“, sagt der Rechtsanwalt Rainer Thum von der Frankfurter Sozietät Shearman & Sterling. „Nur macht man es selten über Kündigungen, weil hier die Rechtslage wirklich schwierig ist.“ So kommt es meistens zu Aufhebungsverträgen, auf die sich die Arbeitnehmer einlassen, weil sie sich oft selbst schon lange nicht mehr wohlfühlen auf ihrer Stelle.

          Wie hoch die Abfindung ausfällt, hängt aber in der Regel davon ab, wie groß die Chancen des Mitarbeiters im Falle einer Kündigungsschutzklage wären. Also spielt es am Ende doch eine Rolle, ob eine Kündigung gerechtfertigt wäre.

          Tun, was man soll – und zwar so gut, wie man kann

          “Das Problem ist, dass die Personalabteilungen häufig nichts in der Hand haben, keine Dokumentationen über die schlechten Leistungen, keine Abmahnungen – die Personalakte ist leer“, erklärt Thum. In solchen Fällen sind die Aussichten für den Arbeitgeber, eine gerichtsfeste Kündigung auszusprechen, denkbar schlecht. Der Mitarbeiter hätte bei einer Klage vor dem Arbeitsgericht richtig gute Karten.

          Denn was ist schon genau „schlechte Arbeit“? Darüber lässt sich trefflich streiten. Das Bundesarbeitsgericht stellt sich auf den Standpunkt, dass es nicht möglich ist, diese Frage objektiv zu beantworten. „Der Arbeitnehmer muss tun, was er soll, und zwar so gut, wie er kann“, lautet die Losung. Er müsse sich „angemessen anstrengen“, ohne zu Höchstleistungen verpflichtet zu sein.

          Wer ein Drittel weniger leistet als die Kollegen ist gefährdet

          Als einzige Faustformel gilt, dass der Arbeitgeber nicht erdulden muss, wenn ein Arbeitnehmer ein Drittel weniger leistet als vergleichbare Mitarbeiter. Aber dieses Defizit ist überhaupt erst mal zu beweisen. „Der Arbeitgeber muss zwei Dinge tun: eine Vergleichsgruppe schaffen, also die Leistung von Kollegen dokumentieren, die angeblich besser arbeiten; und dann muss er die Leistung des ’Low Performers’ dokumentieren“, sagt Thum.

          Er rät daher den vor Wut schäumenden Arbeitgebern erst einmal zur Ruhe: „Wenn wir sofort kündigen würden, verlieren wir den Kündigungsschutzprozess und kommen da nur noch mit einer saftigen Abfindungszahlung raus.“ Der bessere Weg ist, sich das Ganze noch mal anzuschauen, mit dem Mitarbeiter zu reden und ihm auch noch einmal eine echte Chance zu geben, sich zu verbessern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.