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Nebentätigkeiten : Zwischen Zeitvertreib und Zubrot

  • -Aktualisiert am

Erfolgreiches Doppelleben: Prince Charles ist auch Biomarken-Unternehmer... Bild: © Pool Photograph/Corbis

Immer mehr Menschen suchen sich eine Arbeit neben der Arbeit. Mal aus Lust auf Neues, mal aus wirtschaftlicher Not. Aber nicht jeder ist geeignet. Kann das auf Dauer gutgehen?

          6 Min.

          Ihren Nebenjob möchte die 45 Jahre alte Frau nicht missen, obwohl sie als Volkswirtin dafür überqualifiziert ist. Sie arbeitet auf 450-Euro-Basis in einem Steuerbüro. Hauptberuflich ist sie in einem kleinen Transportunternehmen angestellt, das Sozialversicherungsbeiträge für sie abführt. Dort verantwortet sie Buchhaltung und Rechnungswesen. Seit ihrem Examen Mitte der 90er Jahre ist sie in diesem Haus. Seitdem übt sie auch mehr oder weniger die gleichen Tätigkeiten aus. „Der Nebenjob im Steuerbüro bietet eine willkommene Abwechslung“, sagt sie. Dort lerne sie viel: „Da die Steuergesetze häufig verändert werden, muss ich mir stets aufs Neue Wissen aneignen.“ Davon profitiere sie auch dann, wenn sie für ihren Hauptarbeitgeber die Buchhaltung erledige.

          Mit ihrer zweiten Stelle liegt die Volkswirtin im Trend. Die Zahl der Menschen, die neben ihrem Hauptberuf einer weiteren Tätigkeit nachgehen, hat seit 2003 stark zugenommen. In diesem Jahr wurde festgelegt, dass für Beschäftigungsverhältnisse mit einem Verdienst von bis zu 450 Euro im Monat keine Beiträge zur Sozialversicherung fällig sind. Die Begrenzung auf 15 Wochenstunden entfiel. Diese Regelungen trugen dazu bei, dass Nebentätigkeiten für viele interessanter wurden.

          Ende 2003 hatten laut Bundesagentur für Arbeit 1,4 Millionen Menschen eine Nebentätigkeit. Heute sind es fast drei Millionen. Da die Statistik Selbständige nicht vollständig erfasst, liegt die Zahl der „Nebenjobber“ wohl höher. Eine Zunahme der Nebentätigkeiten belegt auch das sozioökonomische Panel, eine repräsentative Studie mit über 12 000 Privathaushalten. Seit 1984 werden diese Personen jährlich zu verschiedenen Themen befragt, auch zu ihrer Berufstätigkeit.

          Ein absolutes Nebentätigkeitsverbot wäre nicht rechtens

          Zwar steht in manchen Arbeits- und Tarifverträgen, dass den Angestellten Nebentätigkeiten generell untersagt sind. Doch diese Klauseln sind nach Meinung der Anwältin Stefanie Mori unwirksam, „weil der Arbeitgeber kein absolutes Nebentätigkeitsverbot aussprechen darf“. Das hänge mit der Berufsfreiheit zusammen, die im Artikel 12 des Grundgesetzes garantiert sei, sagt die Arbeitsrechtlerin von der Kanzlei Pflüger Rechtsanwälte in Frankfurt am Main. Klauseln im Arbeitsvertrag, die Mitarbeiter verpflichten, dem Arbeitgeber jede Nebentätigkeit anzuzeigen, sind laut Mori jedoch zulässig.

          Auf diese Weise habe der Arbeitgeber die Möglichkeit, zu prüfen, ob die angezeigte Nebentätigkeit zulässig oder unzulässig ist. Die Anwältin weist auf eine wichtige Einschränkung hin: „Aus der Pflicht zu Treue und Rücksichtnahme gegenüber dem Arbeitgeber ergibt sich: Angestellte dürfen nie eine Nebentätigkeit im selben Geschäftszweig wie ihr Arbeitgeber aufnehmen.“ Das sei immer verboten, auch wenn im Arbeitsvertrag kein ausdrückliches Wettbewerbsverbot vereinbart wurde.

          Am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit beschäftigt sich Enzo Weber mit Personen, die eine Nebentätigkeit ausüben. „Diese Gruppe stellt einen Querschnitt durch die Bevölkerung dar“, sagt der Volkswirt. Männer und Frauen seien gleichermaßen vertreten, jüngere und ältere Berufstätige ebenso. „Da gibt es Menschen, die mit ihrem Hauptberuf ein hohes Einkommen erzielen und wegen einer besonderen Qualifikation noch eine Nebentätigkeit ausüben“, sagt Weber. Im Gegensatz dazu verdienen andere mit ihrem Hauptjob nicht genug und müssten deshalb etwa kellnern gehen.

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