https://www.faz.net/-gyl-zgve

ILO-Bericht : Deutschland in der Lohnentwicklung hintendran

  • Aktualisiert am

Die Reallöhne in Deutschland sind preisbereinigt zurückgegangen Bild: Dieter Rüchel / F.A.Z.

Magere Jahre für die deutschen Arbeitnehmer: Zwischen 2000 und 2009 gingen die Löhne preisbereinigt um 4,5 Prozent zurück, berichtet die ILO. Im Spitzenreiter-Land der Lohnentwicklung, Norwegen, stiegen sie dagegen um 25 Prozent.

          2 Min.

          Die Entwicklung der Reallöhne in Deutschland hinkt im weltweiten Vergleich deutlich hinterher. Zwischen 2000 und 2009 gingen die Löhne preisbereinigt hierzulande um 4,5 Prozent zurück. Dies geht aus dem „Global Wage Report 2010/2011“ der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervor. In Norwegen, dem Spitzenreiter in der Lohnentwicklung, gab es dagegen einen inflationsbereinigten Lohnzuwachs von 25 Prozent.

          Dafür meisterte der deutsche Arbeitsmarkt die Wirtschafts- und Finanzkrise nach ILO-Einschätzung im Gegensatz zu anderen Ländern „äußerst erfolgreich“. Dazu beigetragen hätten flexible Instrumente wie Arbeitszeitkonten und die verbesserten Regelungen für Kurzarbeit. „Während in anderen Ländern in großem Umfang Arbeitsplätze verloren gegangen sind, haben Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beschäftigung in Deutschland auch im Krisenjahr 2009 praktisch stabil gehalten und stattdessen auf eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit gesetzt“, heißt es in dem Bericht. Dies habe dem deutschen Arbeitsmarkt die nötige Flexibilität gegeben.

          Gehälter sind um ein knappes Viertel gestiegen

          Dem Bericht zufolge sind die Löhne und Gehälter innerhalb des vergangenen Jahrzehnts insgesamt um ein knappes Viertel gestiegen. Von diesem positiven Trend setzen sich vor allem die Industrieländer ab, in denen die Durchschnitts-Bruttoverdienste aller Arbeitnehmer bis 2009 nur um 5,2 Prozent über das Niveau von 1999 stiegen.

          Dabei war das Lohnwachstum in diesen Ländern mit nur 0,9 Prozent (2006) und 0,8 Prozent (2007) selbst in den konjunkturstarken Jahren vor der Krise „ausgesprochen bescheiden und hinkte der positiven wirtschaftlichen Entwicklung deutlich hinterher“. Das sagte der ILO- Vertreter in Deutschland, Wolfgang Schmidt.

          Nominal stiegen die durchschnittlichen Monatsverdienste hierzulande zwischen 2000 und 2009 zwar um 10,2 Prozent. Die Verbraucherpreise erhöhten sich aber im gleichen Zeitraum um 15,4 Prozent, so dass den Arbeitnehmern unter dem Strich „nur ein Minus bleibt“.

          Moderate Tarifabschlüsse, mehr Niedriglohn- und Zeitarbeitsstellen

          Als wesentliche Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands nennt Schmidt moderate Tarifabschlüsse, die Ausweitung des Niedriglohnsektors und die Zunahme atypischer Beschäftigung wie Zeitarbeit und 400-Euro-Jobs. Dies habe dazu geführt, dass die Monatsverdienste im Durchschnitt aller Arbeitnehmer im Jahr 2009 mit 2154 Euro brutto im Monat deutlich unter dem Niveau der 1990er Jahre lagen. Zahlen für die ersten drei Quartale des Jahres 2010 zeigen, dass sich der Trend verstetigt hat und die Bruttomonatsverdienste auf nunmehr 2113 Euro gefallen sind.

          „Die rückläufige Lohn- und Gehaltsentwicklung ist damit die Kehrseite des erfreulichen Beschäftigungssaldos Deutschlands“, sagte Schmidt. Es sei festzustellen, dass sich die Löhne in Deutschland von der Entwicklung der Produktion zunehmend entkoppelt hätten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Altenheim in Bayern: Die Bewohner sollen sich sicher fühlen können. Ist eine Impfpflicht hierfür sinnvoll?

          Neues Infektionsschutzgesetz : „Dann bitte alle impfen“

          Die Spritzenpflicht in Pflege und Kliniken kommt. Die Branche begrüßt das größtenteils, fordert aber, dass auch andere Gruppen mit einbezogen werden: Denn nur so könne man den höchstmöglichen Schutz für alle erreichen.
                        Freundliche Begrüßung für die Kameras: Wladimir Putin und Joe Biden am Dienstag zu Beginn ihres digitalen Gesprächs

          Videogipfel : Putins Linien und Bidens Optionen

          Nach dem Videogipfel der beiden Präsidenten gibt es nur eine knappe amerikanische Erklärung. Sie klingt wie die Statements vor dem Gespräch. Zumindest soll weiter geredet werden.