https://www.faz.net/-gyl-xu8u

Henkel-Chef Kasper Rorsted : „Niemand geht wegen 5 Prozent mehr Geld“

  • Aktualisiert am

Kasper Rorsted Bild: Kai Nedden / F.A.Z.

Wie bindet ein Konzern Talente? Nicht allein übers Geld, sagt Kasper Rorsted, der Chef des Konsumgüterherstellers Henkel. Er bietet mehr. Und fordert mehr als Reisen nach Mallorca.

          2 Min.

          Herr Rorsted, wenn es bei Henkel Gehaltserhöhungen zu verteilen gibt, nach welchen Kriterien machen Sie das?

          Wir sollten alle Mitarbeiter immer fair behandeln, aber nicht gleich. Man muss den Leuten schon sagen, ob sie gut sind oder nicht. Wir bewerten jährlich die Leistung und das Entwicklungspotential unserer rund 9000 Führungskräfte. Die Ergebnisse dieses weltweit gültigen Bewertungssystems haben auch unmittelbaren Einfluss auf die Gehaltsentwicklung unserer Mitarbeiter.

          Was ist mit Gewinnbeteiligungen?

          Ich habe eine fundamentale Überzeugung: Wenn es der Firma gutgeht, sollen auch die Mitarbeiter besonders gut verdienen. Wenn nicht, dann nicht. Das gilt für alle im Unternehmen - auch für den Vorstand.

          Henkel klingt auf den ersten Blick nicht so attraktiv wie Siemens oder BMW. Müssen Sie einen Aufschlag zahlen, um gute Mitarbeiter zu halten?

          Wir müssen und wollen konkurrenzfähig bezahlen. Aber Mitarbeiter gehen nicht, weil sie 5 Prozent mehr oder weniger Gehalt bekommen. Wenn, dann gehen sie wegen 50 Prozent. Viel wichtiger sind neben einer interessanten Aufgabe besondere Weiterbildungsangebote. Wir haben zum Beispiel gerade mehrere Mitarbeiter zwei Monate nach Harvard geschickt. So etwas motiviert und bindet.

          Zwei Monate Harvard für wenige ausgesuchte Mitarbeiter? Kreiert das nicht Neid unter den anderen, die auch gute Leistung abliefern?

          Unsere Botschaft lautet: Ihr könnt alle nach Harvard gehen, wenn ihr besonders gut seid. Ihr müsst nur besonders gut sein.

          Muss man im Ausland tätig sein, um bei Henkel aufzusteigen?

          Wer eine Top-Position anstrebt, muss internationale Erfahrung haben. Da kann man im Zweifel auch nicht sagen: Meine privaten Lebensumstände zwingen mich, an meinem Heimatstandort zu bleiben. Wenn einer dort bleiben will, weil er sich dort wohl fühlt, kann ich das verstehen. Aber dann kann er keine internationale Führungsaufgabe übernehmen. Erfahrung im Ausland kann man nicht durch Urlaubsreisen nach Mallorca gewinnen. Das gilt für unsere Mitarbeiter weltweit.

          Frauenquoten scheinen schwer im Trend zu sein, jedenfalls wird viel darüber diskutiert. Bei Henkel auch?

          Ich bin klar gegen eine Frauenquote. Wir haben auf der Führungsebene einen Frauenanteil von 28 Prozent. Dieser nimmt jedes Jahr um einen Prozentpunkt zu. Aber wir besetzen nicht nach Nationalität, Geschlecht oder Quote, sondern nach Leistung.

          Und wie sieht es nach Ihrer Ansicht grundsätzlich mit gemischten Teams aus? Sind die eher förderlich oder bringen homogene Gruppen die Firma stärker voran?

          Ich denke schon, dass gut nach Alter, Geschlecht, Erfahrungen und Nationalitäten gemischte Teams eine Arbeitsstelle attraktiv machen. Ich frage mich doch: Über was werde ich mit meinen Kollegen am Montagmorgen reden? Ich möchte auch nicht als einziger Mann in einem Team von 19 Frauen arbeiten. Oder in einer Gruppe, in der niemand mein Alter hat. Bei uns gibt es Bereiche, in denen arbeiten bis zu 90 Prozent Frauen, und wir bräuchten da vielleicht sogar eine Männerquote (lacht). Nein, Vielfalt ist gut und macht uns noch erfolgreicher.

          Wann zieht die erste Frau in den Vorstand von Henkel ein?

          Das kann ich so nicht beantworten. Wir haben ein einfaches Prinzip: Wir wollen immer die beste Person für die Aufgabe haben - unabhängig vom Geschlecht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.