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Haftungsfälle : Wenn mal was danebengeht

  • -Aktualisiert am

Zum Glück niemand verletzt: Unfall einer Dornier 328 auf dem Mannheimer Flughafen im März 2008. Bild: picture-alliance/dpa

Mit kleinen Fehlern können manche Berufsgruppen gewaltige Schäden anrichten. Wie sichern sie sich gegen die enormen Haftungsrisiken ab?

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          Risikogruppe 1: Rechtsanwälte

          Der wohl bekannteste Haftungsfall in der Anwaltsbranche betraf die inzwischen aufgelöste Kanzlei Haarmann Hemmelrath, die von einem Mandanten wegen angeblicher Kunstfehler auf mehr als 450 Millionen Euro verklagt wurde. "Alle paar Jahre" kursierten in der Branche Gerüchte über solche großen Fälle, sagt Uwe Hornung. Genaue Informationen über ihren Ausgang gebe es selten, weil die Konflikte meist mit einem Vergleich beigelegt würden. Hornung ist Partner der Großkanzlei Clifford Chance und dort Ansprechpartner für Haftungsfälle. "Richtig weh tut einer Großkanzlei nur eine Haftung im oberen zweistelligen Millionenbereich", sagt er.

          In Kanzleien, die als Partnerschaftsgesellschaft organisiert sind, haften die Partner persönlich und mit ihrem Privatvermögen, wenn sie am jeweiligen Fall beteiligt waren. Die Haftung kann sich auch auf Anwälte erstrecken, die keine Partner sind, aber auf dem Briefkopf stehen. Die Berufshaftpflichtversicherung von Clifford-Chance-Partnern sieht eine Selbstbeteiligung von 25 000 Euro vor. Die Deckungsgrenze will Hornung nicht nennen.

          Seine Sozietät meldet im Schnitt 15 Fälle im Jahr an die Versicherung - das heißt aber nicht, dass jedes Mal ein Fehler gemacht oder gar ein Schaden verursacht wurde. "Wir melden uns schon, wenn nur ein Kollege ein flaues Gefühl hatte", sagt Hornung. "Wenn ein Mandant Unzufriedenheit äußert, suchen wir auch schon einmal eine kommerzielle Lösung und passen vielleicht die Rechnung an - auch wenn wir den Fall anders sehen." Man habe aber auch schon vor Gericht mit Mandanten über angebliche Haftungsfälle gestritten.

          Eine Hauptursache für Haftungsfälle ist der Zeitdruck, dem Anwälte unterliegen. Nach Hornungs Erfahrung verursachen Nachwuchsanwälte praktisch nie haftungsrelevante Fehler: Dafür seien sie als Berufsanfänger zu vorsichtig, außerdem verlasse ihre Arbeit nie ungeprüft die Kanzlei. "Und als Partner ist man gut beraten, nicht immer nur auf die eigene Erfahrung zu vertrauen."

          Risikogruppe 2: Ärzte

          Gynäkologen und Geburtshelfer sind aus Sicht der Versicherungen die riskanteste medizinische Berufsgruppe. Erst auf Platz zwei stehen die Chirurgen, gefolgt von Orthopäden und Anästhesisten. All diese Berufsgruppen haben gemein, dass ihre Tätigkeit besonders anfällig dafür ist, bleibende Schäden anzurichten.

          Die Zahl der Haftungsfälle sei mit den Jahren zwar stabil geblieben, sagt Sabine Friedrich, Sprecherin des Axa-Versicherungskonzerns. Dafür seien die Entschädigungssummen gestiegen: "Die Gerichte sind beim Schmerzensgeld großzügiger geworden, und die Sozialversicherungsträger setzen ihre Ansprüche stärker durch."

          Für die Krankenhausärzte schließe meistens der Arbeitgeber eine Betriebshaftpflichtversicherung ab. Viele Häuser vereinbarten aber mit den Ärzten, dass diese für grob fahrlässige Kunstfehler bis zur Grenze von drei Monatsgehältern haften. Dieses Restrisiko müssen die Ärzte selbst versichern, ebenso wie die Behandlung von Patienten außerhalb der Krankenhausarbeit. "Marktüblich sind Deckungsgrenzen von drei bis fünf Millionen Euro", sagt Sabine Friedrich. Der Versicherungsschutz umfasse auch die Kosten eines Gerichts- oder Schlichtungsverfahrens.

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