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Nach EuGH-Urteil : Googeln Sie mich ruhig

  • -Aktualisiert am

Kann künftig jeder dank des Google-Urteils des EuGH seinen digitalen Lebenslauf schwärzen? Bild: Archiv

Der Konzern muss Suchergebnisse löschen, wenn sie Persönlichkeitsrechte verletzen. Jetzt können Bewerber ihren Lebenslauf im Netz aufhübschen - oder ruinieren.

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          Auch wenig prominente Menschen werden spätestens dann gegoogelt, wenn sie sich für einen neuen Job bewerben. Das Namen-Googeln gehört zumindest bei größeren Unternehmen zur Standardprozedur. „Angaben werden im Internet geprüft“, berichtet Alexander Schell von der Personalberatung Kienbaum. Soziale Netzwerke wie Linkedin, Xing, Facebook sowie Foto-Plattformen wie Instagram würden angeschaut - „auch wenn das viele Unternehmen wohl nicht zugeben möchten“. Man wolle ein Gefühl bekommen, welche Person einem gegenübersitze, erläutert der Personalexperte.

          Wenn sich Personaler aber in geschlossene soziale Netzwerke einklinken oder unter die Facebook-Freunde mischen, begehen sie einen Rechtsverstoß. Suchmaschinen greifen dagegen auf öffentliche Informationen zu und dürfen verwendet werden. Das bedeutet: Google ist mit 90 Prozent Marktanteil in Deutschland ausschlaggebend für das digitale Ich, also den Lebenslauf im Netz.

          Nicht jeder potentielle Arbeitgeber forscht jedoch online mit derselben Intensität: „Kleinere und mittelständische Unternehmen machen das seltener“, sagt Schell, und je kommunikativer die Stelle ist, desto genauer werde nachgesehen. Wer nicht im Blick behält, was im Netz dokumentiert ist, kann schnell in eine Falle laufen. Schell berichtet von einem Bewerber, der sich bei einem großen Elektrokonzern vorstellte und angab, keinen Sport zu treiben. Die Personalabteilung fand ihn jedoch auf Teilnehmerlisten von Marathonläufen in diversen Städten. Dass derlei Zeit kostet, sei für den Arbeitgeber kein Problem gewesen - die Inkonsistenz der Angaben allerdings schon.

          Einladung zum Eigenmarketing

          Personaler suchen nicht unbedingt nur nach Partybildchen, es können auch triviale Informationen sein - „etwa das Jahr des Schulabschlusses, weil man daran sehen kann, wie lange ich gebraucht habe“, berichtet der Kölner Medienanwalt Christian Solmecke. Spätestens bei der formalen Bewerbung muss diese Art der Information zwar ohnehin in der Regel offengelegt werden - aber dann zu einem Zeitpunkt, den der Bewerber wählt.

          Wer nun in den oberen Links Informationen findet, die nicht unbedingt Gegenstand des Bewerbungsgesprächs werden sollen, kann sich seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (Az. C-131/12) direkt an die Suchmaschine wenden. Dabei muss sich niemand mehr nach Kalifornien verweisen lassen - Google Deutschland genügt. Doch Vorsicht ist geboten: Nicht jede unangenehme Information kann nach Gusto entfernt werden. „Wir werden jede Anfrage individuell prüfen und zwischen den Datenschutzrechten des Einzelnen und dem Recht der Öffentlichkeit auf Auskunft und Informationsweitergabe abwägen“, heißt es dazu bei Google.

          Zunächst ist das Urteil eine Einladung zum Eigenmarketing im Internet. Google berichtete in dieser Woche über 41.000 Suchanfragen. „Da jetzt alle Menschen formal in der Lage sind, ihre digitale Biographie so zu gestalten, wie sie es wünschen, schürt dies nur die Intransparenz, und es bricht ein regelrechter Konkurrenzkampf aus“, sagt Christian Scherg, Gründer des auf Online-Reputationsmanagement spezialisierten Unternehmens „Revolvermänner“. Das Praktische für Bewerber: Viele Rechtsschutzversicherungen decken Persönlichkeitsrechtsverletzungen ab.

          Das Löschformular ist fast unausfüllbar

          Inzwischen hat Google dafür sogar ein eigenes Dokument parat. „Das Löschformular ist nicht so leicht auszufüllen“, meint Medienanwalt Solmecke. Das fängt mit dem anwendbaren Recht an: „Bitte wählen Sie das Land aus, dessen Gesetze auf Ihren Antrag anwendbar sind“, heißt es. Welches Land einschlägig sei, könne der juristische Laie aber nicht so leicht beantworten - wenn beispielsweise die Persönlichkeitsverletzung auf einer französischen Seite stattfindet, aber einen Belgier betrifft, der sich in Deutschland gegoogelt hat. Man darf allerdings annehmen, dass eine rechtlich korrekte Einordnung des Antragstellers nicht darüber entscheidet, ob Google löschen muss oder nicht.

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