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Geringfügig Beschäftigte : Viele Minijobber werden um ihren Urlaub gebracht

Mal Urlaub machen? So einfach ist das offenbar nicht. Bild: dpa

Rund zwei Drittel der Minijobber haben nach eigenen Angaben noch nie den ihnen zustehenden bezahlten Urlaub genommen. 41 Prozent werde er generell verwehrt. Das besagt eine Studie, die das Arbeitsministerium NRW in Auftrag gegeben hat.

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          Geringfügig Beschäftigte erhalten häufig nicht die ihnen zustehenden gesetzlichen Leistungen. Einer aktuellen Studie im Auftrag des Arbeitsministeriums in Nordrhein-Westfalen zufolge gaben rund zwei Drittel dieser Minijobber an, noch nie den ihnen zustehenden bezahlten Urlaub genommen zu haben. 41 Prozent werde er generell verwehrt. Mehr als jeder dritte Arbeitgeber räumte ein, kein Entgelt zu zahlen, wenn der Arbeitstag auf einen Feiertag fällt oder im Krankheitsfall.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          „Wir brauchen stärkere Sanktionen, damit arbeits- und tarifrechtliche Bestimmungen durchgesetzt werden können“, sagte der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) während der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Er wolle die Minijobs nicht abschaffen, aber regulieren. Die Beschäftigten würden von Arbeitgebern häufig „als billige Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt“. Die Sanktionen sollen Teil einer Bundesratsinitiative werden, die auch einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde beinhaltet. Jeder zweite Minijobber verdiene derzeit weniger.

          Verringerte Steuer- und Abgabenpflicht

          Minijobs sind Beschäftigungsverhältnisse, für die eine verringerte Steuer- und Abgabenpflicht gilt. Die Zahl der Minijobs stagniert seit Jahren unterhalb von 7 Millionen. Wie aus der Umfrage unter rund 3200 Beteiligten weiter hervorgeht, werden Minijobs am häufigsten von Schülern und Studenten (15 Prozent) ausgeübt. Frauen (59 Prozent) sind öfter zu finden als Männer. Unter den Anbietern überwiegen mit 83 Prozent Kleinbetriebe, vor allem im Handel, Gastgewerbe und Gesundheitswesen.

          Der durchschnittliche Stundenlohn beträgt 9,45 Euro. Der Grund für die Aufnahme eines Minijobs ist in der Regel die Möglichkeit, etwas zum Haushaltseinkommen hinzuzuverdienen. Die Mehrheit der Minijobber möchte am Erwerbsstatus deshalb auch nichts ändern, nur jeder Zehnte hofft, dadurch irgendwann eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erlangen. Rund 40 Prozent der Arbeitgeber haben innerhalb des vergangenen Jahres einen Minijob in eine versicherte Beschäftigung umgewandelt.

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