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Vergütung : Treue kann man nicht kaufen

Geld ist nicht alles: Chefs, die mobiles Arbeiten fördern, können punkten. Bild: Helmut Fricke

Eine Umfrage in der Finanzbranche fördert Erstaunliches zutage: Ein hohes Grundgehalt fördert nicht zwingend die Bindung an das Unternehmen. Aber was gibt es für Alternativen?

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          Jahrelang hat die Finanzbranche ihre exorbitant hohen Bonuszahlungen für Führungskräfte damit begründet, dass auf dem globalen Arbeitsmarkt ein knallharter Wettbewerb herrsche und nur mit konkurrenzfähigen Sonderzahlungen ein Abwandern der klügsten Köpfe verhindert werden könne. Mahnungen, ein solch transparenter Markt existiere vielleicht gar nicht, wurden allenfalls wahrgenommen. Dann brach die Finanzkrise aus, und in der Analyse waren sich fast alle einig, dass die hohen Boni falsche Anreize gesetzt hatten für riskante und kurzlebige Geschäfte. Also lautete die Konsequenz: Boni runter, Grundvergütung rauf! In vielen Banken und anderen Finanzinstituten sank im Anschluss also der Anteil der variablen Vergütung deutlich. Der richtige Schachzug, um das Image der Finanzbranche zu verbessern?

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Eine neue Studie nährt daran zumindest Zweifel. Demnach sind höhere Grundgehälter eben kein geeignetes Instrument, um Manager und Mitarbeiter in leitender Funktion zu gewinnen und zu binden. Zu dieser Einschätzung kommen immerhin 85 Prozent aller europäischen Finanzinstitute, die im Auftrag der Beratungsgesellschaft Mercer befragt wurden.

          An der Studie nahmen 68 Organisationen aus 20 Ländern teil, die Hälfte davon kam aus Europa. Dabei taten sich durchaus regionale Unterschiede auf: Während sich immerhin jedes dritte Unternehmen aus einem Schwellenland überwiegend positiv über die höheren Grundgehälter äußerte, war es in Nordamerika nur rund jedes vierte und in Europa nicht einmal jedes fünfte.

          Nach anderen Wegen suchen

          Differenzen gibt es auch innerhalb der Branche: Banken und Versicherer sehen die Entwicklung positiver als etwa Zahlungsdienstleister oder Börsen. Investmentunternehmen und Asset Manager attestierten der Veränderung überhaupt keine Wirkung auf Image und Attraktivität. „Unternehmen müssen also nach anderen Wegen suchen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren“, fasst Vergütungsexpertin Raffaela Stutz von Mercer die Ergebnisse zusammen.

          Bis zur Finanzkrise schien die Boni-Entwicklung nur eine Richtung zu kennen: steil nach oben. Ob diese Entwicklung insgesamt gebremst oder sogar umgekehrt werden konnte, ist schwer zu sagen. Immerhin gaben zwei Drittel der für die Studie befragten Unternehmen an, „in großem Stil Maßnahmen zur Bestrafung von Fehlverhalten und Nichtbeachtung von Compliance-Vorgaben ergriffen“ zu haben. Dazu zählen nach Angaben der Autoren auch Malus-Regelungen, die aufgrund regulatorischer Vorschriften von 90 Prozent der Banken und 72 Prozent der Versicherer angewendet würden. Diese Instrumente erlauben es, Teile noch nicht ausgezahlter Boni zu reduzieren oder bei schwerwiegenden Verstößen komplett zurückzubehalten. Möglich ist dies auch, weil in vielen Unternehmen die Zahlung der Boni über einen längeren Zeitraum gestreckt worden ist.

          Mit 96 Prozent sind Verstöße gegen interne Regeln und Vorgaben (Compliance) auch der meistgenannte Grund für solche Strafmaßnahmen bei den Befragten aus Europa. 93 Prozent haben auch schon individuelles Fehlverhalten geahndet.

          Flexible Arbietszeiten und Karriereentwicklung

          Auf lange Sicht sei die effektivere Methode zur Steigerung der Mitarbeiterleistung die Belohnung von positivem Risikoverhalten, lautet die Schlussfolgerung von Raffaela Stutz. „Das ist allerdings alles andere als einfach, weshalb diesen Schritt nur 11 Prozent der befragten Organisationen ernsthaft verfolgen.“

          Erfolgversprechend könnte für die Mitarbeiterbindung auch sein, nichtmonetäre Anreize zu bieten wie Telearbeit, flexible Arbeitszeiten, Karriereentwicklung oder Anerkennungsprogramme, heißt es weiter. Ein gutes Gehalt dürfte dennoch nicht schaden.

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