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Darlehen : Günstiges Geld vom Chef

  • -Aktualisiert am

Der Hausbau geht billiger mit dem Geld vom Arbeitgeber Bild: dpa

Wenn Unternehmen ihren Angestellten Kredite gewähren, wollen sie wertvolle Mitarbeiter an sich binden. Die profitieren meist von Sonderkonditionen. Besonders oft kommen leitende Angestellte in den Genuss.

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          Wollen Mitarbeiter der Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB) ein Haus oder eine Wohnung kaufen, leihen sie sich das Geld meist nicht von irgendeinem Kreditinstitut, sondern von ihrem Arbeitgeber. Denn der bietet seinen Angestellten Darlehen zu besonderen Konditionen an, in deren Genuss normale Kunden nicht kommen. Zwar offeriert manch andere Bank einen leicht niedrigeren Zins als die sechs Prozent pro Jahr, die HVB-Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber zahlen. Doch punktet das Angestellten-Angebot der Münchener mit attraktiven Rahmenkonditionen: So können die Banker die Laufzeit auf bis zu 32 Jahre ausweiten und können jederzeit Sondertilgungszahlungen leisten, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen, die Banken in solchen Fällen oft fordern.

          Nicht nur Banken wie die HVB gewähren ihren Mitarbeitern Kredite mit Sonderkonditionen, sondern auch Unternehmen anderer Branchen. Besonders oft kommen leitende Angestellte in den Genuss der so genannten Arbeitgeberdarlehen. So haben 15 Prozent der Führungskräfte deutscher Unternehmen die Möglichkeit, einen Kredit ihres Arbeitgebers in Anspruch zu nehmen, belegen Zahlen der Unternehmensberatung Kienbaum. Die durchschnittliche Höhe beträgt 25.000 Euro, für die die Angestellten im Schnitt fünf Prozent Zinsen zahlen.

          Ähnliches Muster wie beim Bankdarlehen

          Die Kredite funktionieren in der Regel nach einem ähnlichen Muster wie ein herkömmliches Bankdarlehen. Der Kreditgeber, in diesem Fall der Arbeitgeber, zahlt den vereinbarten Betrag an seinen Mitarbeiter aus. Dieser entrichtet darauf Zinsen und tilgt den Kredit über eine vereinbarte Laufzeit.

          Besonders populär sind Arbeitgeberdarlehen in großen Konzernen, weiß Kienbaum-Vergütungsexperte Tom Feldkamp. In kleinen und mittelständischen Unternehmen kommen Kredite an Mitarbeiter meist nur dann auf die Tagesordnung, wenn der Chef einen konkreten Bedarf bei einem seiner Angestellten sieht. „Unternehmer helfen zum Beispiel Mitarbeitern aus der Patsche, von denen sie erfahren, dass sie dringend Geld benötigen“, sagt Feldkamp.

          Mittelständler sind im Vergleich zu Konzernen auch deshalb zurückhaltend mit der Vergabe von Angestellten-Darlehen, weil damit ein großer Verwaltungsaufwand verbunden ist. „Die Buchhaltung muss sich laufend darum kümmern, das macht eine Menge Arbeit“, sagt Rolf Leuner, Steuerberater bei Rödl & Partner.

          Egal ob Konzern oder Mittelstand

          Egal ob Konzern oder Mittelständler: Vergibt der Arbeitgeber einen Kredit, können sich die Mitarbeiter fast immer über bessere Konditionen freuen, als sie ihnen eine Bank geboten hätte. Meist handelt es sich um besonders niedrige Zinsen oder flexible Rückzahlungsregelungen. Oft verzichten die Unternehmen auch auf eine Sicherheit, die Banken üblicherweise für einen Kredit verlangen.

          Die Motivation der Unternehmen, einen Kredit zu vergeben, ist stets ähnlich: „Mit einem vergünstigten Darlehen wollen sie Mitarbeiter an sich binden“, sagt Kienbaum-Experte Feldkamp. „Wer einen Kredit von seinem Arbeitgeber aufgenommen hat, wird das Unternehmen schließlich nicht so schnell verlassen.“

          Doch Arbeitgeberdarlehen haben für Angestellte auch Nachteile. Überschreitet das Darlehen eine Summe von 2600 Euro, müssen sie unter Umständen einen geldwerten Vorteil versteuern. Maßstab ist hier der Marktzins, den die Finanzämter anhand der Statistik der Deutschen Bundesbank ermitteln. Liegt der Zinssatz des Mitarbeiterkredits darunter, ist die Differenz steuerpflichtig - abzüglich von vier Prozent des eingesparten Zinses.

          Einzige Ausnahme: Jeder Mitarbeiter kann pro Monat steuerfrei so genannte Sachvorteile in Höhe von 44 Euro beziehen. „Doch die sind in der Regel schon durch andere Leistungen ausgeschöpft“, sagt Steuerberater Leuner - zum Beispiel durch Essens-Schecks oder Benzingutscheine.

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