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Compliance : Knigge gegen die Korruption

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Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Kleine Geschenke und Einladungen erhalten die Freundschaft. Das gilt privat ebenso wie geschäftlich. Doch die Spielregeln sind strenger geworden. Was ist erlaubt, was tabu?

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          In den Vorstandsetagen der großen Dax-Konzerne ist der Begriff Compliance in Mode - spätestens seit dem 15. Dezember 2008. An diesem Tag erließ die Staatsanwaltschaft München I gegen Siemens einen Bußgeldbescheid über 395 Millionen Euro. Begründet wurde er mit der Verletzung von Aufsichtspflichten des Gesamtvorstands infolge einer mangelhaften Compliance-Struktur. Übersetzt bedeutet der Begriff Compliance die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien; gleichzeitig steht er für freiwillige ethische Kodizes in Unternehmen und Betrieben.

          „Große Korruptionsskandale wie Siemens oder Ferrostaal haben ganz sicher dazu beigetragen, dass es in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft so etwas wie einen Wertewandel gegeben hat“, sagt Christoph Kulenkampff, ehemaliger hessischer Generalstaatsanwalt und heute geschäftsführender Gesellschafter von JKW Integrity Services in Frankfurt. Das Unternehmen berät bundesweit mittelständische Betriebe und gemeinnützige Einrichtungen in Compliance-Fragen.

          Ob Eon, Bosch oder Hochtief - vor allem die international agierenden, börsennotierten Konzerne haben der Korruption offiziell den Kampf angesagt. Sie organisieren Schulungen für ihre Mitarbeiter, richten sogenannte Whistleblower-Hotlines ein, bei denen Beschäftigte Auffälliges melden können, oder holen sich Ermittler ins Haus, die Regelverstöße aufspüren sollen. „In den letzten drei Jahren haben die Unternehmen massiv in die Kontrollsysteme investiert“, meldet auch die Unternehmensberatung KPMG. 74 Prozent der Betriebe leisteten sich Compliance-Einheiten.

          Unsicherheit darüber, was erlaubt ist

          Susanne Reutler leitet die Abteilung Compliance Management des regionalen Energie- und Wasserversorgers Mainova in Frankfurt, der 2900 Mitarbeiter beschäftigt. Vor zwei Jahren beauftragte der Vorstand die Juristin mit dem Aufbau eines Compliance-Management-Systems. Zunächst sei ein Verhaltenskodex eingeführt und ein Gremium gegründet worden. „Über die Zulässigkeit von Sachzuwendungen und Einladungen gibt es derzeit noch Unsicherheiten bei den Mitarbeitern“, berichtet Reutler. Sobald der Aufsichtsrat demnächst seine Zustimmung zu einer Geschenke-Richtlinie gebe, seien entsprechende Schulungen für die Mitarbeiter vorgesehen, sagt Reutler.

          Nicht nur zu Zeiten einer Fußball-Weltmeisterschaft gibt es so manche Verlockung. Vom exklusiven VIP-Lounge-Besuch für Sponsoring-Partner über eine finanzierte Fortbildungsreise bis hin zum Präsentkorb oder der Kiste Bordeaux zum erfolgreichen Geschäftsabschluss reicht die Bandbreite. „Das wird heute deutlich strenger gesehen“, sagt Kulenkampff. „Es muss ein sachlicher Zusammenhang zwischen der ausgesprochenen Einladung und der geschäftlichen Beziehung bestehen.“ Als Beispiel nennt er Sponsoring-Verträge im Sport oder der Kultur. Habe die Einladung nichts mit der geschäftlichen Verbindung zu tun, sei sie in jedem Fall tabu.

          Für Schlagzeilen sorgte etwa die Berliner „Ticketaffäre“ um den Präsidenten der Berliner Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer, zugleich Chef der Abfall- und Recyclingfirma Alba, die den Basketball-Spitzenverein Alba Berlin unterstützt. Den mittlerweile eingestellten Ermittlungen zufolge hatten sich 44 Amtsträger allein in den Jahren 2001 bis 2006 von Alba zu den Heimspielen der Korbkünstler in deren VIP-Lounge einladen lassen.

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