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Bosch-Chef Volkmar Denner : „Geld wirkt demotivierend“

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Da unterschätzten Sie die Motivation der Bosch-Mitarbeiter. Wir wollen wirtschaftlich erfolgreich sein und darüber hinaus einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Diesen höheren Anspruch haben wir bei allem, was wir tun. Das ist die Bosch-DNA. Das ist das, was uns zu Spitzenleistungen antreibt.

Geld braucht es dazu nicht als Anreiz?

Auch bei Bosch wollen und müssen wir Geld verdienen, klar. Ich sage nur: Geld ist nicht der wichtigste Antrieb. Was uns wirklich zu Spitzenleistungen treibt, ist etwas anderes. Das belegt übrigens auch die Motivationsforschung. Geld kann demnach sogar demotivierend wirken.

Wirklich? Dann können Sie die Bosch-Gehälter ja kürzen.

Nein, darum geht es nicht. Aber im Ernst: Wir ändern tatsächlich das Vergütungssystem für Fach- und Führungskräfte. Das wird eine Revolution für Bosch. Bisher war der Bonus einer Führungskraft zu einem wesentlichen Teil daran gekoppelt, ob sie ihre individuellen Ziele erreicht. Das schien sinnvoll, war jahrelang eingeübt. Aber das unterbindet Unternehmertum. Künftig bemisst sich die Prämie am Jahresende einzig danach, wie erfolgreich die Firma war: Läuft es für Bosch gut, profitieren die Mitarbeiter mit einer entsprechenden Ausschüttung, ausgerichtet an gemeinsamen und langfristigen Unternehmenszielen. Studien, durchgeführt in Industrie- wie in Entwicklungsländern, belegen: Motivieren Sie Menschen nur über monetär bewertete Ziele, erhalten Sie am Ende nicht bessere, sondern sogar schlechtere Leistung. Wir aber wollen Spitzenleistung. Deshalb schaffen wir diese Art von Bonus ab.

Das heißt: Auch wer seine Ziele zu 100 Prozent erreicht, bekommt nicht mehr Bonus als der Abteilungsleiter nebenan, der in einem Jahr gar nichts auf die Reihe bringt.

Unterschiede in der Leistung werden unterschiedlich vergütet. Allerdings erfolgt die Differenzierung über das Grundgehalt. Unser neuer Ansatz fördert die Zusammenarbeit über die Bereiche hinweg und stellt den Erfolg des Gesamtunternehmens in den Vordergrund. Beim Bonus wollen wir weg von der Individualoptimierung.

Und Sie glauben, mit Ihrer neuen Kultur ziehen Sie die besten Talente an? Bei allem Respekt vor der Bosch-Historie, cool ist etwas anderes...

Moment, wir sind als Arbeitgeber sehr begehrt, liegen regelmäßig auf den vordersten Plätzen in den Rankings für Hochschulabsolventen. Ich gebe Ihnen aber recht: Wir müssen an unserem Image weiter arbeiten, gerade im Bereich IT, auch wenn wir mit 15.000 Softwareentwicklern schon heute ein Software-Unternehmen sind. Die Nachwuchskräfte kommen alle gerne zu uns. Denn was wollen die jungen Leute, die Generation Y? Sie wollen etwas tun, was einen tieferen Sinn hat, was die Menschheit wirklich voranbringt. Sie wollen kreativ arbeiten. Das können sie bei Bosch. Zum Beispiel stellen wir jedes Jahr 500 Millionen Euro zur Verfügung und sagen den Mitarbeitern: Sucht neue Themen, entwickelt Ideen, denkt neu, ohne dass wir euch genau die Richtung vorgeben. Da entstehen aktuell Produkte, die niemand von Bosch erwarten würde, aus ganz anderen Ecken als unserem traditionellen Geschäft.

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