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Beruf und Familie : Warteschlange vor der Krippe

Bild: Cyprian Koscielniak

Viele Eltern hängen in der Luft: Ab August haben sie Anspruch auf einen Krippenplatz, doch vielerorts ist keiner in Sicht. Bei Klagen winkt Schadensersatz. Für die Rückkehr in den Beruf hilft das wenig.

          5 Min.

          Michaela Köck ist frustriert. Seit Monaten sucht die biologisch-technische Assistentin in Köln nach einem Betreuungsplatz für ihren jetzt anderthalb Jahre alten Sohn Oskar. Ihren letzten Arbeitsvertrag ließ sie auslaufen, bevor Oskar zur Welt kam, doch jetzt drängt es sie, wieder andere Aufgaben anzugehen als Haushalt und Kind. „Ich wollte die erste Zeit mit dem Baby zu Hause bleiben“, sagt sie, doch das sei nun vorbei. Um eine neue Stelle antreten zu können, braucht Michaela Köck eine Betreuung für ihren Sohn. Ihre Suche blieb bislang aber ohne Erfolg.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Vom 1. August an soll sich das ändern. Dann haben Eltern wie Michaela Köck einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren. Rund vier Monate sind es noch bis dahin, aber noch immer gibt es viele Mütter und Väter, die in der Luft hängen - vor allem, wenn es darum geht, den Wiedereinstieg in den Beruf zu planen. Die Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit kann nervenaufreibende Ausmaße annehmen: „Direkt ein paar Wochen nach der Geburt habe ich mich bei der Stadt um einen Kita-Platz beworben“, sagt Michaela Köck. Seither hat sie von der Behörde nichts gehört. Deshalb begann die junge Mutter, nach Alternativen Ausschau zu halten, und klappert nun die privaten Einrichtungen in der Nähe ihrer Wohnung ab. Fast zwanzig Anfragen hat sie gleichzeitig laufen.

          Kita-Bewerber im Stuhlkreis

          „Schon am Eingang wird man immer wieder mit der Aussage begrüßt, dass man sowieso keine Chance auf einen Platz hat“, sagt Köck. Mancherorts lieferte sie regelrechte Bewerbungsschreiben ab, mit Foto und Lebenslauf. „Zum Teil gibt es auch Vorstellungsgespräche“, erzählt sie. „Da sitzen dann alle Bewerber im Stuhlkreis und sollen höchst private Dinge erzählen, um darzulegen, warum sie besonders gut zu der Einrichtung passen. Und dann heißt es am Ende: Tut mir leid, vielleicht wär’s was geworden, wenn der Oskar ein Mädchen wäre.“ Nicht nur das Geschlecht, auch der Geburtsmonat kann ein entscheidendes Kriterium sein: Am einfachsten haben es Eltern, die pünktlich zum Schuljahresbeginn eine Betreuung suchen, denn dann setzt das große Stühlerücken ein: Die frisch eingeschulten Erstklässler machen Platz für neue Kindergartenkinder, die die Krippen verlassen. Außerhalb dieser Kernzeiten wird die Suche nach einem Betreuungsplatz zum Lotteriespiel.

          Das Schlimmste an der Situation sei die schlechte Planbarkeit, sagt denn auch Köck. „Was soll ich einem potentiellen Arbeitgeber denn sagen, wann ich anfangen kann?“ Auf den Rechtsanspruch verlassen will sie sich jedenfalls nicht. „Was, wenn sie mir dann einen Kita-Platz zuteilen, der am anderen Ende der Stadt liegt? Was, wenn die Öffnungszeiten nicht mit dem neuen Job harmonieren?“ Für einen Kita-Platz vor Gericht zu ziehen, hat Köck noch nicht in Erwägung gezogen. „Ich wüsste gar nicht, wie ich das genau angehen sollte. Und ich bezweifle, ob hinterher tatsächlich eine realistische Betreuungslösung für Oskar herauskäme.“

          Ohnehin dürfte der Einfluss der Gerichte auf die Verteilung der heißbegehrten Kita-Plätze eher gering sein. Vielmehr geht es darum, Schadensersatz von den Kommunen einzufordern, wenn es mit der Vergabe entgegen den vollmundigen Versprechungen zum 1. August noch nicht geklappt hat. Die Hürde dafür ist allerdings gar nicht so leicht zu überspringen, wie jüngst zwei Rechtsgutachten zeigten. Darin haben das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJUF) in Heidelberg und die Kanzlei Bernzen Sonntag im Auftrag des Deutschen Städtetages und der Freiherr-vom-Stein-Akademie für Europäische Kommunalwissenschaften die Erfolgsaussichten von Klagen entnervter Eltern bewertet. „Machbar, aber schwierig“ lautet die Kurzfassung der Ergebnisse.

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