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Asylbewerber-Debatte : Daimler will Flüchtlinge schnell arbeiten lassen

Eine junge Asylbewerberin in der Ausbildungswerkstatt einer Berufsschule. Solche Bilder wünscht sich Daimler noch viel häufiger. Bild: dpa

Daimler buhlt offenbar um neue Mitarbeiter aus den Reihen der Asylbewerber. Als erster Großkonzern fordert das Unternehmen, dass Flüchtlinge nach ihrer Ankunft schon nach einem Monat in Deutschland arbeiten dürfen. Wie realistisch ist das eigentlich?

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          Die Forderungen, Flüchtlinge und Asylbewerber sollten leichter Zugang zu Arbeit bekommen, werden lauter. Nachdem sowohl Industrie- und Handelskammern wie auch die Arbeitgeberverbände sich entsprechend geäußert haben, hat sich nun Daimler als erster Großkonzern positioniert. „Unsere Forderung ist, die Regelungen für die Arbeitserlaubnis zu lockern“, sagte Christine Hohmann-Dennhardt, die im Vorstand der Daimler AG für die Themen Integrität und Recht zuständig ist. Flüchtlinge und Asylbewerber sollten ihrer Ansicht nach schon nach einem Monat Aufenthalt die Möglichkeit haben, Arbeit anzunehmen.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Eine erste Lockerung der gesetzlichen Regelungen gibt es schon seit dem Winter: Demnach können Asylbewerber und Geduldete jetzt nach drei Monaten arbeiten, sofern es für eine bestimmte Stelle keinen geeigneten Bewerber aus Deutschland oder dem EU-Ausland gibt. Zuvor lag die Wartefrist bei neun Monaten.

          Am Wochenende hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gefordert, Flüchtlinge müssten sofort nach ihrer Ankunft arbeiten dürfen - das bringe nicht nur die Flüchtlinge voran, sondern auch das Gemeinwohl. Allerdings gibt es nicht nur rechtliche Hürden, sondern auch Engpässe bei Deutschkursen und der Arbeitsvermittlung, wie die Bundesagentur für Arbeit berichtete. Die Bundestagsfraktion der Grünen fordert ein Sofortprogramm, um Flüchtlinge schnell in Arbeit und Ausbildung zu bringen, und will an diesem Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Parlament einbringen. Im vergangenen Jahr beantragten in Deutschland mehr als 200.000 Menschen Asyl, in diesem Jahr erwartet das Bundesamt für Migration bis zu 450.000 Asylantragsteller.

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          „Selbsterworbenes Gehalt“ in der Hand haben

          Wenn Asylbewerber schnell arbeiten dürften, gebe dies „auch Selbst-Anerkennung, wenn man nützlich sein kann und selbsterworbenes Geld in der Hand hat“, erklärte Hohmann-Dennhardt ihre Haltung zur Lockerung der Arbeitserlaubnis. Daimler sei auch an Flüchtlingen als Auszubildenden interessiert. „Aber manchmal reicht alle juristische Phantasie nicht aus, um das zu bewerkstelligen“, sagte die Juristin. Ein Bleiberecht während der Ausbildungszeit sei notwendig: „Unabhängig davon, ob jemand zurückgeschickt wird, sollte die Ausbildung beendet werden.“

          Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte, dass man seit vier Jahrzehnten beobachten könne, wie wichtig die Unternehmen in der Migrationspolitik seien: „Integration läuft über die Arbeit bei Bosch und Daimler.“ In Stuttgart haben etwa 40 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. Die Zahl der Asylantragsteller in der Stadt werde von derzeit 3600 auf 5400 bis zum Jahresende steigen. Bisher sind die Menschen dezentral untergebracht. Die Unterbringung in Turnhallen und Containerdörfern will man in Stuttgart vermeiden.

          Daimler engagiert sich nicht nur mit politischen Forderungen, sondern auch mit Geld für die Flüchtlingshilfe und will das als Signal verstanden wissen: Der Konzern gibt einmalig 100.000 Euro für die Flüchtlingshilfe an die Bürgerstiftung Sindelfingen, wo Mercedes sein größtes Werk hat. Zudem wird in den nächsten drei Jahren ein Willkommensfonds der Stadt Stuttgart mit jährlich 100.000 Euro ausgestattet, und zwei Mercedes-Transporter werden für Initiativen in der Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. Unterstützt werden sollen vorhandene Netzwerke, die beispielsweise Sprachkurse anbieten, sportliche und kulturelle Veranstaltungen organisieren oder Traumabehandlungen finanzieren. „Ich hoffe, dass das auf das ganze Unternehmen ausstrahlt“, sagte Michael Brecht, Daimler-Betriebsratschef.

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