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Arbeitszeit : Immer weniger Überstunden

Arbeiten bis weit nach Feierabend? Immer weniger Menschen sind dazu bereit - besonders die Jungen nicht. Bild: dpa

Die Deutschen machen immer weniger Überstunden. Vor allem junge Menschen und schlechter bezahlte Arbeitnehmer sind seltener bereit, nach Feierabend zu arbeiten. Und welche Branche ist Überstunden-Spitzenreiter?

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          Die Deutschen sind immer weniger dazu bereit, Überstunden zu machen. Im Jahr 2015 leisteten nach eigener Aussage noch 63 Prozent der Arbeitnehmer mehr Arbeitsstunden, als in ihrem Vertrag stand, in diesem Jahr sagten nur noch 61 Prozent der Arbeitnehmer, dass sie Überstunden machten. Auch die Dauer der Mehrarbeit hat sich verkürzt - von durchschnittlich 3,73 Stunden in der Woche auf nur noch 3,21 Wochenstunden. Das zeigt eine Studie der Vergütungsberatung Compensation Partner, die 256.347 Datensätze von Beschäftigten auf diese Frage hin untersucht hat und deren Ergebnisse FAZ.NET vorab vorliegen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Interessant: Wenn Arbeitnehmer einen Ausgleich für ihre Überstunden angeboten bekommen, machen sie nicht unbedingt leichtfertiger Überstunden. 59 Prozent der Beschäftigten sagten, sie vermieden Überstunden trotz eines Ausgleichs durch Freizeit oder Geld. Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden machen die Angestellten. Gleichzeitig gibt es gerade in den Berufen, die gut bezahlt sind, relativ selten Ausgleichszahlungen für die Überstunden.

          Bild: Compensation Partner

          Das könnte damit zu tun haben, dass in gut bezahlten Jobs häufig eine Klausel im Vertrag steht, die besagt, dass die Überstunden pauschal mit dem Gehalt abgegolten sind. Häufig ist in gehobeneren Stellen eine Vertrauensarbeitszeit üblich, so dass sich die genaue Anzahl der Überstunden gar nicht mehr unbedingt nachvollziehen lässt. Auch durch das Verschwimmen von Beruf und Privatleben und das mobile Arbeiten von zu Hause wird es schwerer nachzuvollziehen, was unter Arbeits- und was unter Freizeit fällt.

          „Der Trend geht in Richtung weniger Überstunden. Einige Unternehmen gewähren ihren Mitarbeitern mittlerweile völlige Zeitkontrolle“, sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner. Es zählen Produktivität, Ergebnisse, aber eben auch das Wohlbefinden für Beschäftigte und das wird sich in den kommenden Jahren immer stärker herauskristallisieren.“

          Der Beruf, in dem nach wie vor am meisten Mehrarbeit geleistet wird, ist der des Unternehmensberaters: Berater machen im Durchschnitt 5,5 Überstunden je Woche. Viel Mehrarbeit leisten auch Angestellte im Bereich Gebrauchs- und Konsumgüter und in der Kosmetikbranche.

          Bild: Compensation Partner

          Auch mit dem Alter und dem Geschlecht lassen sich Überstunden in Verbindung bringen. Ältere und männliche Arbeitnehmer machen demnach tendentiell mehr Überstunden. Wer jünger als 20 ist, macht im Schnitt je Woche nur bis zu zwei Stunden länger als im Vertrag steht. Die 40- bis 49-Jährigen dagegen sitzen länger nach: durchschnittlich 3,7 Stunden je Arbeitswoche. Vergütungsexperten glauben allerdings nicht, dass das an einer “fauleren“ Generation Y liegt, sondern vielmehr ganz rationale Ursachen hat. „Ältere Beschäftigte arbeiten länger, da sie höhere und verantwortungsvollere Positionen bekleiden. Dabei können die Arbeitszeiten stark ansteigen“, sagt Tim Böger.

          Und wie sieht es mit dem Urlaub aus? Die Mehrheit der Arbeitnehmer (58 Prozent) hat einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen. Im Durchschnitt haben die Beschäftigten 27,46 Tage Urlaub im Jahr. Ob jemand viel oder wenig Urlaub hat, hängt nicht zuletzt davon ab, wo die Person wohnt: In den neuen Bundesländern gibt es tendentiell etwas weniger Urlaubstage als in den alten. In Baden-Württemberg bekommen die Beschäftigten im Schnitt am meisten Urlaub.

          Bild: Compensation Partner

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