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Arbeitsrecht : Arbeitsunfall auf Betriebsfest?

Keine leichte Entscheidung: Wann ist ein Spiel eine Unternehmensveranstaltung, wann ein Freizeitkick? Bild: dpa

Ein Bankangestellter erlitt beim Fußball einen Achillessehnenriss. War das ein Arbeitsunfall, weil sein Unternehmen das Turnier für Mitarbeiter und deren Familien und Freunde ausrichtete? Für die Gerichte ein kniffeliger Fall.

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          Ist es ein Arbeitsunfall, wenn sich ein Arbeitnehmer bei einem Fußballturnier seines Unternehmens verletzt? Der Mitarbeiter genießt nur dann Unfallversicherungsschutz, wenn ein betrieblicher Zusammenhang besteht, hat das Bundessozialgericht (BSG) nun entschieden.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das wird keine Auswirkungen auf die vielen Betriebssportgruppen hierzulande haben. Je weiter aber unternehmensinterne Veranstaltungen geöffnet werden, etwa durch die Einladung an Freunde und Bekannte von Mitarbeitern, desto relevanter ist das Urteil (Az.: B 2 U12/15 R).

          In dem Fall hatte sich ein Bankangestellter beim Fußballspielen die Achillessehne gerissen – nicht während seiner Freizeit, sondern bei einem Turnier, das sein Unternehmen für Mitarbeiter, deren Familien und Freunde ausrichtete. Für den Mann aus der Pfalz war klar: Laufe ich für meinen Arbeitgeber auf, handelt es sich um einen Arbeitsunfall. In erster Instanz hatte seine Klage noch Erfolg, doch weder das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz noch jetzt das BSG folgten der Argumentation.

          Schlechte Chancen, wenn viele Externe teilnehmen

          Nach Ansicht der Richter kann sich der Kläger nicht auf die gesetzliche Unfallversicherung berufen, denn zwischen der Verletzung und seiner Tätigkeit als Bankangestellter besteht kein sachlicher Zusammenhang. Um eine solche Verbindung herzustellen, sei eine „Gesamtschau aller tatsächlichen Umstände“ erforderlich. Gute Karten haben demnach Arbeitnehmer, wenn ihr Unternehmen das Fest als eigene betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung durchführt; wenn also die Teilnahme möglichst vieler Beschäftigter und die Stärkung des Betriebsklimas im Vordergrund stehen.

          Anders in dem konkreten Fall, wo die Teilnahme am Fußballturnier jedermann offenstand, der mit einem Beschäftigten lediglich bekannt war – bei 672 Teilnehmern kam jeder zehnte Spieler als Externer dieser Einladung nach. Entsprechend wies das BSG die Klage des Hobby-Fußballers ab.

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