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Arbeitsmarkt : Auch ohne Doktortitel

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik brauchen nicht zwingend einen Abschluss, um einen der begehrten und gut bezahlten Jobs in der Branche zu finden. Die Firmen stehen Schlange und verteilen Angebote noch vor dem Uni-Abschluss.

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          Die Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Technischen Universität München (TUM) hat einen Engpass: Nur noch wenige Studenten wollen promovieren, weil die Industrie den Abgängern auch ohne Doktortitel interessante Stellen einräumt. „Viele sagen sich, ich schenke mir die Promotion, weil ich auch so genommen werde“, sagt Wolfgang Erhard, Akademischer Direktor am Lehrstuhl für Flugantriebe.

          Die Knappheit verdeutlicht die große Nachfrage nach Ingenieuren in der Branche. Die Industrie greift sogar den Lehr- und Forschungseinrichtungen unter die Arme, um die richtigen Absolventen zu erhalten. Der zum EADS-Konzern gehörende Hubschrauberhersteller Eurocopter will an der TUM bald einen Lehrstuhl für Helikopter-Technik finanzieren.

          Faszination wecken

          Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) berichtet von hohem Bedarf: „Ingenieure und Facharbeiter sind auf dem Markt stellenweise kaum noch zu bekommen. Die Situation ist aber unterschiedlich. In München etwa ist die Knappheit groß, in Berlin weniger“, sagt ihr Geschäftsführer Dietmar Schrick. Die Nachfrage nach Ingenieuren war in der Vergangenheit sehr zyklisch. Auf gute Zeiten folgten schlechte, die auch immer wieder zu hoher Arbeitslosigkeit geführt hatten.

          Nun freilich dürfte das Wachstum der Schwellenländer für längere Zeit die Nachfrage nach Industrieexperten für Forschung, Entwicklung und Produktion aufrechterhalten. Und in den Schulen drängen sich die jungen Leute immer noch nicht in Scharen in die technischen Berufe, denn diese sind weniger „in“. „Für die jungen Menschen muss man wieder die Faszination für technische Berufe wecken“, fordert Schrick.

          Flexibilität wird immer wichtiger

          Eine andere Herausforderung ist die recht geringe Umzugsbereitschaft der Ingenieure. „Die Mobilitätsschwelle ist relativ hoch in Deutschland“, sagt Schrick. Zeitweise den Arbeitsort wechseln - etwa für ein halbes Jahr nach Hamburg ziehen - ist weniger ein Problem. „Das machen die Mitarbeiter schon, wenn die Konditionen stimmen.“ Doch die Bereitschaft zum kompletten Umzug ist geringer ausgeprägt. Angesichts der Internationalisierung der Wirtschaft wird diese jedoch immer häufiger erwartet.

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