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Arbeiten in der Fremde : Ohne Reue ins Ausland

  • -Aktualisiert am

Ein wasserdichter Vertrag gehört ins Gepäck Bild: fotolia.com

Härtezuschläge und Mobilitätsprämien sollen Mitarbeitern den Wechsel ins Ausland schmackhaft machen. Sie müssen aber genau hinsehen, was sonst noch im Vertrag steht. Ist auch die Rückkehrgarantie dabei?

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          Stephan Müller musste nicht lange überlegen: Als der 38 Jahre alte Verfahrenstechniker vor knapp einem Jahr das Angebot erhielt, für den Aufbau einer Produktionsanlage für etwa zwei Jahre nach China zu gehen, sagte er gleich am nächsten Tag zu. "Die vertraglichen Konditionen wollte ich später aushandeln", erinnert sich Müller. Sein Arbeitgeber gab ihm allerdings kaum Anlass, intensiv über den neuen Vertrag zu diskutieren: "Da stand quasi alles drin, was mir wichtig war - und sogar noch mehr", stellte Müller erstaunt fest.

          Vom Härtezuschlag für den langen Aufenthalt im Reich der Mitte über den finanziellen Ersatz für das Kindergeld, das durch den Umzug an die chinesische Ostküste entfällt, bis zur privaten Krankenversicherung für Frau und Kind hatte das Technologie-Unternehmen an nahezu alles gedacht. Selbst für einen jährlichen Heimflug in der Business-Klasse für die ganze Familie kommt der Arbeitgeber auf - und räumt den Müllers die Möglichkeit ein, den Business-Flug in zwei Flüge in der Economy-Klasse umzuwandeln.

          Diskussion nur über Details

          "Nur beim Budget für die Miete gab es eine Diskussion - allerdings nicht über die Höhe, sondern darüber, dass es in Dollar und nicht in Renminbi festgelegt wird", erzählt Müller. Da der Dollar seit Monaten schwächer und schwächer geworden sei, "kriegt man für das Budget logischerweise weniger als noch vor einigen Monaten". Spätestens wenn die Verlängerung des Mietvertrags in Schanghai anstehe, müsse er sich mit seiner Firma sicherlich noch einmal über dieses Problem unterhalten.

          Für nahezu jedes multinationale Unternehmen ist es inzwischen selbstverständlich, eigene Ingenieure, Vertriebsexperten oder Wirtschaftswissenschaftler in die Fremde zu schicken. Das ermittelte jüngst die Unternehmensberatung Mercer in einer weltweiten Studie. Damit die Mitarbeiter ihren Wohnsitz in die indische Metropole Bombay, in das südchinesische Nanking oder auf eine Ölplattform vor den Toren Bahrains verlegen, statten die Unternehmen die Entsendungsverträge mit großzügigen finanziellen Extras aus. Ein Härtezuschlag zählt in drei von vier europäischen Unternehmen zum Standard eines Vergütungspakets, wie die Mercer-Studie zeigt. Die Höhe ermittelten die Berater mit Hilfe von Kriterien wie Klima, Infrastruktur, politische und wirtschaftliche Lage oder auch der Kriminalitätsrate. So erhält ein Mitarbeiter, der in München seine Koffer packt, um künftig in Bombay zu arbeiten, "einen Härtezuschlag von 22,5 Prozent auf sein Jahresgrundgehalt", rechnet Christa Zihlmann vor, bei Mercer zuständig für "Internationale Mobilität in Europa". Berücksichtigt der Arbeitgeber noch Kriterien wie Sprache, Entfernung vom Heimatort und extreme Lebensbedingungen kann die Aufstockung des Grundeinkommens bis zu 25 Prozent betragen.

          Zusätzlich eine Mobilitätsprämie

          Einen ähnlichen Gehaltssprung dürfen Mitarbeiter erwarten, die von Frankfurt ins südchinesische Suzhou umziehen. "Da es in Suzhou kaum Schilder in lateinischer Schrift gibt, erhöht sich der Härtezuschlag von 22,5 auf 30 Prozent", sagt Zihlmann. Um das Personal für einen mehrjährigen Ausflug in die Ferne zu motivieren, bieten etwa 80 Prozent der Unternehmen zusätzlich eine Mobilitätsprämie an. "Sie beläuft sich in der Regel auf fünf bis 15 Prozent des jeweiligen Basisgehalts", berichtet Zihlmann. Oftmals zahlen die Unternehmen aber auch mehr, wenn es sich um einen besonders freudlosen Standort handelt. "Der Energie-, Öl- und Gassektor ist da meist etwas großzügiger, was nicht verwundert, wenn man überlegt, wo die Rohstoffe gefördert werden." Wer aber nur für sechs bis zwölf Monate in der Fremde arbeitet - ein Trend, der stark zunimmt -, kann nur selten mit einer Mobilitätsprämie rechnen. Nur etwa jedes dritte Unternehmen bietet nach Informationen von Mercer dieses finanzielle Extra.

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