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Exoten gesucht : Quereinstieg in die Berater-Karriere

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Große Consultingfirmen werben zunehmend damit, dass ihnen Querdenker aus Exotenfächern herzlich willkommen sind. Bild: Gaschwald/Thinkstock/Getty Images

Lynn Waffenschmidt kennt den Weg zum Flughafen auswendig: Zweimal in der Woche sitzt die 27-Jährige im Flieger. Für die Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG) war sie schon auf drei Kontinenten unterwegs. Dass ihr Berufsweg sie einmal in diese Branche führen würde, hätte sie sich früher nicht träumen lassen.

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          Während andere Studenten an einer stereotypen BWL-Karriere feilten, arbeitete Waffenschmidt als Au-Pair und Lehrerin, stand in der Autofabrik am Fließband, lernte Chinesisch, studierte Philosophie und Ökonomie in Bayreuth und erwarb einen Master in Jura. Doch es ist gerade diese ungewöhnliche Mischung, die das Interesse von BCG geweckt hat.

          Große Consultingfirmen werben zunehmend damit, dass ihnen Querdenker aus Exotenfächern herzlich willkommen sind. „Sie bringen andere, neue Perspektiven mit“, sagt Marcus Reif, Recruitingchef der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young). Und in der Tat: McKinsey hat auf seiner Website eigens Bereiche für Geisteswissenschaftler, Ingenieure und Informatiker eingerichtet. Ähnlich sieht es bei BCG aus: Die Unternehmensberatung beschäftigt lediglich 50 Prozent Wirtschaftswissenschaftler, die andere Hälfte besteht aus Ingenieuren, Informatikern, Naturwissenschaftlern, Polarforschern, Philosophen und sogar Pianisten. „Wir legen großen Wert auf Vielfalt“, sagt Carsten Baumgärtner, der für das Recruiting zuständige Partner bei BCG. „Bei uns arbeiten Beraterinnen und Berater mit sehr unterschiedlichem Werdegang.“ Voraussetzung, um bei BCG einzusteigen, seien exzellente Universitätsabschlüsse, doch in welchem Fach, das sei zweitrangig. „Wer ein Studienfach wählt, das ihn persönlich begeistert und darin zu den Besten zählt, hat auch realistische Chancen, unser Bewerbungsverfahren zu bestehen.“

          Auch Viola Heuer hat es als Exotin in eine große Unternehmensberatung geschafft: Nach ihrem Abitur absolvierte die heute 28-Jährige zunächst ein soziales Jahr in Ecuador und studierte Politikwissenschaften in Passau. Praktika führten sie ins Theater, in die Industrie und in den Bundestag. Heute arbeitet sie bei McKinsey. Die unterschiedlichen Erfahrungen ergänzen sich aus ihrer Sicht gut: „Bei den Politikwissenschaftlern lernt man, Strukturen und Probleme ganzheitlich zu sehen“, sagt sie. „Eine vierstündige Klausur sah bei uns so aus, dass der Professor eine Frage an die Tafel geschrieben hat, etwa: ‚Wie bewerten Sie die Zukunft der Nato?‘ Dann hatten wir vier Stunden Zeit, das Problem zu gliedern und herunterzubrechen.“ So eine Vorgehensweise sei auch Teil der Arbeit bei McKinsey. „In der Teamarbeit sind wir den BWLern in dieser Hinsicht oft ein bisschen voraus.“

          Auch Lynn Waffenschmidt bringt für ihren Beraterjob eine ganz eigene Perspektive mit. Im Studium hatte sie sich besonders auf Logik, Argumentationstheorie und Moralphilosophie konzentriert. Das nutze ihr heute im beruflichen Alltag, sagt sie: „Uns wird im Philosophiestudium beigebracht, strukturiert zu denken, analytisch zu sein und Probleme grundsätzlich anzugehen. Das ist eine Fähigkeit, die universell einsetzbar ist.“

          In der Branche werden die beiden Soft Skills Analyse- und Kommunikationsfähigkeit immer wichtiger. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Rolle der Unternehmensberater zunehmend verändert. Es reiche nicht mehr aus, ein Unternehmen zu inspizieren und anschließend vor dem Vorstand eine Präsentation zu halten, sagt Recruitingchef Reif. „Unternehmensberater nehmen immer mehr die Rolle von Moderatoren und Coaches ein und erarbeiten gemeinsam mit den Führungskräften Lösungen. Und da brauchen sie ganz automatisch facettenreichere Berater-Profile, nicht nur BWLer mit der Note 1,0. Je vielfältiger ein Team ist, desto besser sind die Ergebnisse.“

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