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Praktikantenleben : Von Tacker-Diplom bis Kantinenglück

  • Aktualisiert am

Kaffee kochen für den Chef - auch ein Klassiker. Bild: dpa

Praktikanten stehen am untersten Ende der Hierarchie – und erleben oft kuriose Szenen. Wir haben mal gesammelt.

          3 Min.

          Trotteltruppentagebuch

          Nach dem Abitur war ein Lokalzeitungspraktikum angesagt – es gab Themen von anderem Kaliber als dem obligatorischen Kleintierzuchtverein, hilfsbereite, kompetente Kollegen und einen etwas seltsamen Mit-Praktikanten, eingesetzt in entlegenen Land-Redaktionen. Ein distanzierter Schöngeist unter ruppigen Rübenbauern – das konnte nichts werden. Man blieb einander fremd. Wesensfremd. Erleichterung auf allen Seiten, als es ihn zurück ins Studium zog. Ich übernahm seinen Schreibtisch und stieß auf Notizen. Eine Art Tagebuch mit ehrverletzenden Schmähkommentaren über die Kollegen: Der L. versteht nichts vom Golan, der J. rafft die Polizeiberichte nicht, die Lokalen – eine uninspirierte Trotteltruppe. An das Leitmotiv erinnere ich mich genau: Zwischen den Zeilen trieft es von Selbstmitleid, keiner versteht mich, den Feingeist unter Provinzhanseln. Kein Zweifel: Ich war auf die Tagebuchnotizen des glücklosen Praktikanten gestoßen. Was tun? Ihm hinterherschicken? Ihn der Lächerlichkeit preisgeben und es herumzeigen? Ich habe es dem Reißwolf in den Schlund geschoben. Jahre später großes Erstaunen: Der Praktikant von einst hat Karriere in einem Nachrichtenmagazin gemacht. Seine Lokalstation verschweigt die Hochglanzbiographie. uka.

          Durchgefallen im Tacker-Diplom

          Ich habe in drei Jahren fünf Praktika gemacht. Die meisten davon schlecht bezahlt, aber wenigstens lehrreich. Man schien überall zumindest über meine Ankunft informiert und zumindest ein bisschen froh über meine Anwesenheit zu sein. Horrorgeschichten vom Kaffeekochen und Kopieren hielt ich daher für Märchen. Bis zum hoffentlich letzten Praktikum meines Lebens: Zu ihm entschloss ich mich, um die Zeit zwischen Bachelor und Master zu überbrücken. Einen Abschluss hatte ich da schon in der Tasche; ob das bei meiner Praktikumsstelle irgendjemandem aufgefallen ist, weiß ich allerdings nicht. Wozu auch, denn eine Praktikantin ist dort offensichtlich ein ähnliches Statussymbol wie ein Haustier. Man setzt es in eine Ecke, führt es ab und zu Besuchern vor und hofft, dass es sonst nicht weiter stört. Leckerli gibt es aber nicht. Dafür, wenn es gar nicht mehr anders geht, tatsächlich einen Arbeitsauftrag: 100 Kopien von 453 Seiten bitte tackern und dann alles in Mappen einsortieren. Nach tagelangem Stundentotschlagen vor dem Bildschirm fast ein Hauptgewinn. Vier Tage später dann das ernüchternde Feedback: Mindestens zwei der Tacker-Stapel stünden, wenn man von der Seite drauf schielt, einige Millimeter über. Man habe mehr von mir erwartet. Stimmt! Das Seminar zum Tacker-Diplom habe ich mir an der Uni tatsächlich gespart. lisk.

          Ständige Statistin

          Als Praktikantin war ich häufig Statistin – im wahrsten Sinne des Wortes für Fotos und Filmaufnahmen. Die Medienbranche lebt eben nicht nur vom Wort, sondern auch vom Bild. Allzu oft fehlt jedoch das passende im Fotoarchiv. Als Praktikantin habe ich deshalb schon für die verschiedensten Themen Modell gestanden. Für ein Interview mit einem Psychologen zum Thema saisonale Depression beispielsweise stellte ich die Tipps gegen selbige (viel Bewegung an der frischen Luft, es sich mit einem Buch gemütlich machen) nach. Für die Illustration eines Spezials zu einer Filmwoche hielt ich eine überdimensionierte Filmklappe in die Höhe – und musste mir danach augenzwinkernd anhören, dass es schön sei, dass ich mal die Klappe gehalten hätte. Fies war hingegen die Behauptung des Redakteurs eines regionalen Fernsehsenders, man werde mich auf den Bildern gar nicht erkennen. In der nachgestellten Szene, die eine Jugendliche beim Verprügeln eines Klassenkameraden in einer Straßenbahn zeigte, war ich nämlich leider doch deutlich zu sehen. Als ich für einen Beitrag zum Thema Gammelfleisch vor der Kamera einen Döner essen sollte, zog ich mich dann lieber aus der Affäre – mit der Behauptung, Vegetarierin zu sein. evah.

          Kantinenglück

          Ich liebe Falafel. Als ich zu Praktikumsbeginn mit meinen neuen Kollegen auf dem Weg zur Kantine war, wurde die aktuelle Essensauswahl debattiert. Was es gab, weiß ich nicht mehr. Dafür ist mir etwas anderes in Erinnerung geblieben: Denn just in der Woche bevor ich mein Praktikum begann, waren Falafel serviert worden. Mit dem Ergebnis, dass diverse Mitarbeiter nach dem „Genuss“ derselben mit einer unschönen Magenverstimmung ausfielen. Hätte ich eine Woche früher angefangen, wäre ich wohl dabei gewesen. Diese Erkenntnis steigerte in diesem Moment freilich nicht gerade meinen Appetit. Dabei stellte sich das Kantinenessen als wirklich lecker heraus. Nur Falafel gab es in meinen Wochen keine. Vielleicht war es besser so. bfch.

          Mein bestes Praktikum war keines

          Wer Journalist werden will, muss mit Praktika anfangen. Das hatte ich damals in einem Seminar gelernt. Also zog ich in meiner fränkischen Universitätsstadt eifrig los und bewarb mich in allen örtlichen Redaktionen um Praktika – nichts als Absagen. Bis ich darauf kam, bei einer Lokalzeitung einfach mal zu fragen, ob es denn vielleicht die Möglichkeit gäbe, stattdessen als freier Mitarbeiter anzufangen. Tja – da gäbe es schon Bedarf, kam zur Antwort. Nach einigem Überlegen bekam ich einen Termin für die Sommerferienserie zugewiesen, auf den sowieso keiner der alteingesessenen Lokalredakteure Lust hatte: Meine erste Reportage aus einem Tropenhaus – in der Hauptrolle Hugo, der Leguan – wurde dann sogar vom Chefredakteur gelobt. Und ich hatte einen bezahlten Job! bth.

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