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Virtuelle Zusammenarbeit : Die Digital-Pioniere

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Videokonferenzen aus dem Homeoffice wurden während der Corona-Krise zur Notwendigkeit. Bild: Malte Mueller/Fstop/F1online

Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit sind verbreiteter denn je. Aber es gibt sie schon lange – weil einige mutig vorangingen.

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          Es gibt Tage, da holt sich Andrea Dreifke-Pieper die ganze Welt nach Ritzerau, ihr Dorf in Schleswig-Holstein mit rund 300 Einwohnern: Morgens „Jour fixe“ mit Kollegen in Malaysia, Kenia und der Schweiz, dann virtuelle Projektplanung mit einer Mitarbeiterin in Berlin, schließlich „Video Call“ mit der Chefin in Brasilien. Trifft sie nach Feierabend Freunde oder Nachbarn, muss sie bisweilen mit dem Vorurteil vom einsamen Homeoffice-Tag ohne Außenkontakte aufräumen: „Meine Mitarbeiterin war bei mir groß auf dem Bildschirm, das ist, als ob wir uns im Büro sprechen würden, und macht für mich keinen Unterschied“, sagt sie.

          Dreifke-Pieper ist Fachbereichsleiterin für Internationale Wirtschaft bei der Naturschutzorganisation WWF. Schon in ihrer Einarbeitungsphase im Jahr 2012 bekam die studierte Forstwirtin eine Liste mit Kollegen aus Amerika und Frankreich, mit denen sie sich per Skype vernetzen sollte. „Im Laufe der Zeit wurden die Instrumente immer weiterentwickelt, weg von E-Mail und Telefon, hin zu Videokonferenzen und Collaboration Tools“, sagt sie – und nennt Dateien, auf die Teammitglieder weltweit zugreifen können, oder digitale Whiteboards, die ein virtuelles Brainstorming visualisieren. „Das war eine kontinuierliche Entwicklung, die mir erst durch Covid-19 bewusst geworden ist: Dass die Bewegungsfreiheit so stark eingeschränkt wurde, hat bei uns kaum einen Unterschied gemacht.“

          Das Internetlexikons als Netzwerk

          Alles hängt mit allem zusammen, das wusste schon Howard Cunningham, als er die Idee des Internetlexikons als Netzwerk entwickelte, an dem Nutzer selbst mitwirken können: Für den Mathematiker Jörn Loviscach, den ein Wiki-Eintrag als Professor für Ingenieurmathematik und technische Informatik an der Fachhochschule Bielefeld vorstellt, zählt Cunningham zu den Pionieren der virtuellen Zusammenarbeit.

          „Aber Wikis sind heute technisch von gestern. Wegweisend für deren Ablösung durch Google Docs und andere ist Etherpad.“ Ein webbasierter Texteditor also, der die Zusammenarbeit vieler an einem Dokument erlaubt und sofort sichtbar macht, was die anderen gerade tun. So viel Transparenz macht sogar Fachleuten zu schaffen. „Es kostet selbst Ingenieure Überwindung, Groupware-Systeme zu verwenden und nicht mehr Word-Dokumente herumzuschicken.“

          Steckt dahinter die Sorge, dass mir andere bei der womöglich schleichenden Arbeit oder dem Vertippen förmlich zusehen können? Loviscach hält das für vorgeschoben. „Beim Chat vertippt man sich doch auch regelmäßig, und kaum jemanden stört das.“ Auch Datenschutzbedenken sind für ihn nicht immer nachvollziehbar. „Google Docs darf man nicht benutzen, aber Zoom wird von Hochschulen quasi vorgeschrieben, obwohl das datenschutzmäßig noch eine Katastrophe ist und die Entwicklungsabteilung zu großen Teilen in China sitzt.“

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