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Personalmanagement : Anständige Trennung hat viel mit Kultur zu tun

Abschied mit Stil Bild: Gothaer Versicherung

Kündigungen sind schmerzhaft - für beide Seiten. Doch bei diesem sensiblen Thema werden viele Fehler gemacht. Kündigungen lassen sich auch fair regeln. In Krisenzeiten ist ein klares Kommunikationskonzept besonders wichtig

          6 Min.

          Monatelang wabern Gerüchte über die Flure der angeschlagenen Firma. Die Angst vor einer Kündigung geht um. Das Thema ist ebenso energieraubend wie allgegenwärtig - im Konferenzraum, im Einzelbüro, in der Kaffeeküche. Die Sozialpunktekonten der Kollegen sind so präsent wie der eigene nervös durchgezählte Kontostand: also jene überlebenswichtigen Punkte, die nach deutschem Arbeitsrecht für eine Kündigung ausschlaggebend sein können. Von der Betriebszugehörigkeit über das Alter bis zum Familienstand sind auf einmal Kriterien relevant, die schwer beeinflußbar sind. Plötzlich wird kritisch nachgefragt, wie lange Kollegin X eigentlich die Abteilung leitet und warum es Dauersingle Y mit dem Heiraten auf einmal so eilig hat.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Klares Kommunikationskonzept

          Und irgendwann kommt der schwarze Tag, und der Chef bittet zum Einzelgespräch. Wie in Watte gehüllt, nimmt der Angestellte, der bald nicht mehr angestellt sein wird, Platz und hört etwas, was sich anhört wie "gestandener Mitarbeiter", "Dank für Arbeitseinsatz", "schlechte Auftragslage". Eben lang befürchtetes Blablabla. Aus den verlegen vorgebrachten Floskeln filtert der Vorgeladene nur heraus, daß die Lage kritisch ist. Daheim fragt die Frau nach: Warum gerade du? Ist das definitiv? Gibt es eine Abfindung? Wann ist dein letzter Tag? Läßt du dich freistellen? Fragen über Fragen, die Antworten hätte der Vorgesetzte längst schriftlich parat haben sollen. Kurzum, er muß die Schulaufgaben gemacht haben. "Hat er aber meistens nicht", kritisiert Eberhard von Rundstedt. Der Unternehmensberater ist seit 20 Jahren auf das Thema Trennungskultur spezialisiert und viel beschäftigt. Sein Ansatz: Kündigungen lassen sich fairer und menschlicher regeln. Wenn ein Unternehmen sämtliche Alternativen auf eine mögliche Weiterbeschäftigung geprüft habe und intern nichts mehr möglich sei, dann müsse eine transparente Informationspolitik betrieben werden. "Das, was ich sage, das ist banal", sagt der eloquente Jurist energisch.

          Schönwetterkapitäne

          Aber diese Selbstverständlichkeiten sind offenbar alles andere als selbstverständlich. Statt dessen regieren in nicht wenigen Unternehmen Schönwetterkapitäne, die überfordert sind, wenn das Schiff schlingert und die ersten über Bord gehen. Während des Schlingerkurses schlägt die Stunde der externen Unternehmensberater. Sie empfehlen in vielen Sanierungsfällen, signifikant Personal abzubauen und Niederlassungen zu schließen. "Dann braucht man ein Kommunikationskonzept, um festzulegen, wer wann wie informiert wird. Wichtig ist, so schnell wie möglich zu sagen, wer betroffen ist, und die gesamte Mitarbeiterschaft zu informieren", sagt von Rundstedt und warnt, "unklar rumzueieren. Das Prinzip Hoffen und Bangen ist wenig wert." Andererseits soll die Wahrheit verträglich verpackt werden. "Wenn fünf Prozent gehen müssen, dann heißt das auch, 95 Prozent dürfen bleiben. Oder 30 können wir früh pensionieren, das klingt besser, als zu sagen, wir müssen 170 entlassen." Aussagen wie "Wir müssen in zwei Jahren 100 Mitarbeiter abbauen" müßten konkretisiert werden. Denn sofort breche Unruhe los: Wo wird abgebaut? Sind alle auf einmal betroffen? Geht es nur um einen von sechs Standorten? "Grundsätzlich gilt, je länger die Zeitachse ist, desto weicher kann ich das kommunizieren." Die Entscheidungen sollten gut begründet werden. "Den Leuten muß deutlich gemacht werden, wir tun das nicht aus purer Gehässigkeit, sondern um die anderen Plätze abzusichern." Vorstände, die sich in Entlaßzeiten "vom Daimler auf Maserati umstellen, die senden falsche Signale. Das ist einfach nicht in Ordnung!"

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