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Angst vor Missbrauch : Gute Daten, böse Daten

Software AG als Praxispartner im Forschungsprojekt

In dem Forschungsprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird und bis Oktober dieses Jahres läuft, übernimmt die Software AG die Rolle des Praxispartners, um den neuen Ansatz von Datentransparenz zu erproben. Projektkoordinator ist das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF). Die TU München entwickelt die Software-Prototypen, während die Ludwig-Maximilians-Universität München sich mit den Auswirkungen des Projekts auf Führungsfragen beschäftigt. „Die Angst vor Datenmissbrauch blockiert die intelligente Nutzung von Daten in der Praxis“, sagt Tobias Kämpf, Wissenschaftler am ISF und Projektleiter. „Deswegen haben wir das Projekt gestartet.“

Wegen der Corona-Pandemie verlief der Auftakt anders als gedacht. Was ursprünglich als ein zweitägiger Präsenz-Workshop zum kreativen Austausch geplant war, wurde mit interaktiven Elementen online veranstaltet. Nun nimmt die Software AG eine für sie ungewohnte Rolle als Anwendungspartner und Forschungsgegenstand ein. „Normalerweise legt die Software AG mehr Wert auf produktbezogene Forschung mit dem Fokus auf der Technik“, sagt Christian Gengenbach, der in leitender Position in der Forschung und Entwicklung des Unternehmens tätig ist. Das neue Praxisprojekt berühre drei Ebenen: Erstens: die Soziologie der täglichen Zusammenarbeit. Zweitens: die Technik, wie etwa neue Softwaretools zur Verbesserung von Arbeitsprozessen. Und drittens: Managementthemen, wie Investitionen von Mitarbeiterkapazitäten. „Die letztgenannte Ebene ist potentiell im Zusammenhang mit persönlichem Datenschutz ein äußerst sensibler Bereich“, sagt Gengenbach. Das Unternehmen, das knapp 5000 Mitarbeiter beschäftigt, sieht sich aber als geeigneter Projektpartner. Es gebe eine ausgeprägte Vertrauenskultur vor allem in den Teams der Softwareentwicklung, wirbt der Projektleiter. „Ich würde das unter anderem darauf zurückführen, dass die meisten Führungskräfte in der Produktentwicklung aus der Mitarbeiterschaft rekrutiert wurden.“

Seit 2009 arbeiten die Beschäftigten in der Entwicklung eigenverantwortlich in agilen Teams mit täglichen kurzen Stehkonferenzen. „Gerade hier stellt sich die Frage, ob wir durch einen anderen Umgang mit Daten besser werden können“, sagt Gengenbach. Im Projekt gibt es zwei agile, sogenannte Lab-Teams mit je fünf Mitgliedern, die aus dem Herzen der täglichen Entwicklungsarbeit kommen und deren Alter zwischen Anfang 20 und Anfang 60 liegt. Sie machten freiwillig mit, betont Wissenschaftler Kämpf. „Keiner kann dazu verpflichtet werden, sich an einem solchen Veränderungsprozess ‚von unten‘ zu beteiligen.“ Der Betriebsrat sei ebenfalls involviert, ergänzt Gengenbach. „Direkt durch eine meiner Kolleginnen im Projektteam und indirekt durch die Betriebsratspräsenz in den relevanten Entscheidungsgremien des Projektes.“ Zusammen mit seiner Kollegin bildet Gengenbach die Schnittstelle zwischen Forschung und Tagesgeschäft. Ihn habe die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich auf das Thema einzulassen, gefreut – und das breite Interesse: „Es erstreckt sich vom Betriebsrat über den Corporate Information Security Officer bis hin zum Personalvorstand.“

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