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Angst vor Missbrauch : Gute Daten, böse Daten

Die neue Software könne vorhandene Qualifikationen von Beschäftigten mit offenen Stellen verbinden und so für die Position geeignete interne Kandidaten vorschlagen, erklärt Janczikowski. Mit Blick auf den Datenschutz sei hier erforderlich, dass der Mitarbeiter der Suche zugestimmt hat. Dafür muss er in seinem Datenprofil an der entsprechenden Stelle ein Häkchen setzen. Von der Software erhofft sich Continental eine Horizonterweiterung: „Wir sehen heute bei der Besetzung von neuen Stellen noch nicht alle internen Kandidaten über alle Unternehmensbereiche hinweg“, sagt der Leiter Personalentwicklung. „Das neue Tool soll hier Abhilfe schaffen, indem es die Diversität bei der Stellenbesetzung erhöht und sicherstellt, dass wir für neue und bestehende Mitarbeiter ein attraktiver Arbeitgeber bleiben.“ Vielleicht schützt dieser breitere Blick zu einem gewissen Grad auch vor der Abwanderung von Talenten, indem potentiellen „Risikokandidaten“ frühzeitig ein interessantes internes Angebot unterbreitet wird.

Kulturwandel bei Continental

Ob sich das Tool intern durchsetzt, hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab: Die von den Mitarbeitern eingepflegten Daten müssen möglichst aktuell sein: „Das ist eine Herausforderung, an der wir arbeiten. Wir denken über eine Auszeichnung für Mitarbeiter nach, um einen systemimmanenten Anreiz zu schaffen“, sagt Janczikowski. Außerdem müssen die Führungskräfte den Mehrwert der neuen Mitarbeiterdaten anerkennen und das Tool nutzen. „Auch dann, wenn für sie der Interessenkonflikt entstehen könnte, dass sie einen Leistungsträger aus ihrem Team gehen lassen müssen.“Mit anderen Worten: Ein Kulturwandel steht an. Janczikowski schätzt, dass es zwei Jahre dauern wird, bis die alltägliche Nutzung der Daten quer durch alle Unternehmensbereiche und -hierarchien zur gelebten Wirklichkeit wird.

Während Continental – wie immer mehr andere Unternehmen auch – nur die Daten nutzt, die Mitarbeiter selbst eingeben, geht die in Darmstadt ansässige Software AG im Rahmen eines Forschungsprojektes einen Schritt weiter. Sie will im Unternehmensbereich der Softwareentwicklung ein Tool für die interne Expertensuche in der Praxis testen – und sich dabei engmaschig von Wissenschaftlern betreuen lassen. Das Werkzeug arbeitet mit Daten, die weitgehend unbemerkt von den Beschäftigten durch eine Art Protokollsystem entstehen. Das System erstellt je Arbeitsauftrag ein „Ticket“ und schließt dieses erst zum Auftragsende. Aus diesem Protokoll ist ersichtlich, welche Mitarbeiter von wann bis wann welche Aufgabenstellung mit welchem Erfolg bearbeitet haben – und diese Daten sollen analysiert und genutzt werden.

Die Software AG hat sich dabei zum Ziel gesetzt, in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten konstruktive Ansätze für den Datenschutz zu entwickeln. Daten und deren Verwendung sollen sichtbar werden, damit die Beschäftigten entscheiden können, wer welche Daten wie nutzt. Bestenfalls soll dieses Mehr an Informationen zu erhöhter Datensouveränität für die Beschäftigten führen.

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