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Kolumne „Nine to Five“ : Eine Traum-Arbeitswelt nach Corona

  • -Aktualisiert am

Viele Arbeitnehmer sind im Zuge der Krise ins Homeoffice gewechselt. Bild: dpa

Homeoffice ist durch die Pandemie zum Massenphänomen geworden, Dienstreisen wurden auf ein Minimum reduziert und in den Büros herrscht Leere. Wie wird es wohl nach der Krise werden?

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          Seit die Corona-Regelungen gelockert waren, fuhr Frau A. wieder häufiger mit ihrem Pendlerzug zur Arbeit. Von Tag zu Tag wurde es voller. Während vor den Fenstern Bäume und Felder vorbeizogen, dachte sie darüber nach, was sich an ihrem Arbeitsplatz geändert hatte. Auch vor Corona hatte sie schon einen Tag Homeoffice in der Woche, wegen der Kinder. Wenn an diesem Tag Konferenzen stattfanden, musste sie oft mühsam nachforschen, was sie verpasst hatte. Wenn sie an anderen Tagen mal früher ging, weil sie die Kinder abholen musste, war sie häufig schief angesehen worden.

          All das hatte sich radikal verändert. Über Anwesenheitskultur im Büro wurde nicht mehr diskutiert. Konferenzen wurden jetzt standardmäßig per Skype übertragen und Absprachen per Chat getroffen. Dienstreisen waren dauerhaft durch Videokonferenzen ersetzt; die CO2-Bilanz des Unternehmens prangte neuerdings wie ein Aushängeschild auf der Firmen-Homepage.

          Der Zug ruckelte sanft, als ihre Gedanken zurück nach Hause schweiften, wo jetzt ein brandneuer Bürostuhl stand, den ihr das Unternehmen hatte schicken lassen. Sie hatte mit ihrem Mann beschlossen, noch weiter raus an den Stadtrand zu ziehen. In dieser Nachbarschaft spielten wie früher Horden von Kindern draußen auf der Straße; die Schulzeiten waren verkürzt worden.

          Selbst über die Urlaubsplanung gab es keinen Streit mehr

          Seit so viele Eltern zu Hause waren und alle Schulen digitale und interaktive Lernplattformen eingeführt hatten, ging das ohne Probleme. Die Eltern waren vom Hausaufgaben-Kontrollieren und Lateinvokabeln-Abfragen entlastet; das übernahmen die Lehrer aus ihrem Homeoffice oder manchmal auch ein kluger Bot.

          Frau A. hatte in der Woche nur noch einen Präsenztag im Büro; der diente vor allem der Kommunikation. Sie frühstückte und lunchte mit ihrem Team, schaute beim Chef vorbei und traf sich bei schönem Wetter mit allen zum Outdoor-Brainstorming (ein Relikt aus der Corona-Zeit). Wenn es regnete, tagten sie vor Tafeln mit bunten Zetteln oder elektronischen Whiteboards, sie führten Feedback- und Kundengespräche, und abends nahmen sie jede Menge Material mit für die Arbeit zu Hause (natürlich nicht auf Papier).

          Selbst über die Urlaubsplanung gab es keinen Streit mehr, seitdem alle nur noch mit der VR-Brille verreisten. Durch die sah Frau A. gerade weiße Strände, Palmen, ihr Boot schaukelte – nein, das war der Zug, der schaukelte! „In wenigen Minuten erreichen wir die Endstation“, tönte es durch den Lautsprecher, der sie endgültig weckte. Ob ihrer schönen neuen Traum-Arbeitswelt hatte sie – gut verborgen unter ihrem Mundschutz – noch immer ein Lächeln auf den Lippen, als sie in den Bahnhof einfuhren.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren einmal in der Woche über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschullebens.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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