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Kolumne „Nine to five“ : Kummer ohne Nummer

In der Mittagspausenhektik ist die Pin schnell vergessen. Bild: dpa

Pin-Nummern begleiten uns durchs Berufs- und sonstige Leben. Ohne Zahlengedächtnis ist man heute verloren. Nicht nur am Arbeitsplatz.

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          Der Mensch ist eine Nummer und ohne Zahlengedächtnis verloren. Smartphone entsperren, das geht mit links, wir sind im Training. Das iPad schleppen wir seltener mit, aber die Ziffern sind fast dieselben, die Zusatzzahl ist kein Problem. Das Password für die Buchbestellungen flutscht, die Geheimkombi für unsere Online-Tickets sind anspruchsvoller, ursprünglich war die simpel – unserem verstorbenen Kater mit Kurznamen sei Dank. Leider hatten wir uns mal hektisch vertippt und einen neuen Code zugewiesen bekommen, eine irrsinnige Zahlen-Buchstaben-Folge, bestimmt todsicher, denn die hat sich ein Algorithmus ausgedacht. Jedenfalls sicherer als das beliebteste Passwort der Deutschen „hallo“. Zum Glück ist die Pin-Nummer für unsere Bankkarte einprägsam. Außerdem begleitet sie uns gefühlt das halbe Leben. Läuft.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Bis, ja bis zu jenem vollgepackten Tag, der uns Multitaskinggeschädigte dem Dämmerdasein überantwortete. Mittags raus, Einkauf erledigen, Mangos und Reis für den Thai-Abend. An der Kasse stehen andere Berufstätige mit unfrohen Gesichtern. Schicksalsergeben reihen wir uns ein, ärgern uns, mit welch meditativer Ruhe der alte Herr umständlich Münzen hervorkramt. Hätte er doch vorher machen können! Hatte ja Zeit genug! Wir sind da auf Zack, halten die Karte in der Hand und stecken sie flott ins Gerät. Leider zu zackig. Vorgang abgebrochen, die Kassiererin blickt streng. Hinter uns wird mit Füßen gescharrt, Murren hebt an.

          Zweiter Versuch. Geht doch. „Die Pin!“, kommandiert die Kassiererin. Wir tippen hektisch drauflos. Es piept. Wieder zu schnell. Also von vorn. Wie war noch mal die dritte Ziffer? Zweifelsfrei ein Zahlendreher und Albtraum eines redlichen Bürgers. Wirrwarr im Kopf und Scham über die eigene Blödheit, sich ein paar Zahlen zu merken und nun wie ein trotteliger Dieb dazustehen, der etwas Illegales im Schilde führt. Mischt sich ins Murren der Wartenden nicht höhnisches Lachen? „Dann eben bar!“

          Vergesslichkeit muss man sich leisten können

          Unsere Verlegenheit übertünchen wir mit Patzigkeit. Leider sind der Mango zu viel und der Münzen zu wenig. Vergesslichkeit muss man sich leisten können. „Was nehmen Sie denn jetzt mit?!“ insistiert die Kassierin. Beschämt greifen wir nach dem Reis. Die Mangos bleiben zurück.

          Damit peinliche Zahlendreher sich nicht wiederholen, drehen wir unsere alten Denkmuster um und gehen auf Nummer sicher. Diese Eselsbrücke wankt nicht, hilft bei Hektik und Versagensangst, ab sofort hört die neue Katze auf den Namen unserer Pin: one-nine-two-five.

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