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Kolumne „Nine to five“ : Schlafanzug und Schokokekse

Im Homeoffice vermischt sich Berufliches mit Privatem. Bild: dpa

Gerade aus der Elternzeit zurückgekehrt, vermischt sich das Berufsleben unseres Autors zunehmend mit seinem Privatleben. Von „Nine to five“ kann keine Rede mehr sein. Doch die Situation hat auch etwas Gutes.

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          Da darfst du ja gleich im gewohnten Umfeld weitermachen, bemerkt ein Kollege trocken zur Rückkehr aus vier Monaten Elternzeit ins Corona-Homeoffice. Natürlich kommt der Spruch per Mail. Persönlich sehen darf man sich ja noch nicht. Nur am ersten Tag ist ein kurzer Abstecher ins Büro vorgesehen: einen Stapel Post eingepackt. Die verwelkte Blume gegossen. Ein paar hundert Visitenkarten mit eventuell benötigten Telefonnummern mitgenommen. Und einen Rechner, um auch von zu Hause mit dem Redaktionssystem verbunden zu sein. Immerhin noch kurz in die Kantine gegangen. Statt wie sonst 200 Kollegen sitzen da keine 20. Gut verteilt mit viel Abstand natürlich. Alles irgendwie surreal. Also wieder nach Hause, ins gewohnte Umfeld. Dort ist man sturmerprobt. Erst knapp drei Monate Elternzeit vor allem mit dem ein Jahr alten Sohn. Danach verschärfte fünf Wochen Corona-Elternzeit zusammen mit allen drei Kindern.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Wort Spagat beschreibt es nicht. Vierteilung vielleicht? Du musst jetzt noch mal die Achter-Reihe wiederholen, gilt es die acht Jahre alte Tochter bei ihren stundenlangen Schulaufgaben zu mahnen. Ja, ich spule dir gleich die Fünf-Freunde-Kassette zurück, wird der fünf Jahre alte Sohn versucht bei Laune zu halten. Zwischendurch die Fernbedienung aus der Babyhand retten. Und wieso hast du denn schon wieder die ganzen Puzzles ausgeschüttet? Im Keller sitzt die Ehefrau im Homeoffice. Bevor sie wieder hochkommt, sollte der Kleine am besten gewickelt und wieder frisch angezogen sein, nachdem er zur Beruhigung ein paar Schokokekse auf sich verschmiert hat.

          Mittlerweile trennt eine Tür dieses gewohnte Umfeld vom Schreiben tiefgreifender Analysen zur aktuellen Geldpolitik. Die Wechsel zwischen den Welten sind fließend. Zumal die Tür nicht ganz geschlossen werden kann, weil das F.A.Z.-System mit einem Kabel direkt am Router verbunden sein will. Früher lag eine Pendelstunde dazwischen. Die fällt jetzt weg. Dafür fragt die Kollegin morgens, ob jetzt ein Facetime-Anruf passt, also Handy mit Bild, wenn man noch nicht wirklich in Arbeitskleidung ist. In der nächsten Nacht sitzt man im Traum in einer Schlafanzughose im Restaurant und wird merkwürdig beäugt. Dabei hat der Italiener doch noch gar nicht wieder offen. Alles verschwimmt. Von nine to five kann keine Rede mehr sein. 24/7 ist angesagt. Hat aber auch sein Gutes: irgendwie schön, wenn die Familie immer greifbar ist.

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