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Kolumne „Nine to five“ : Früher war mehr Lametta

Klirrende Wahrheit: Früher war mehr Lametta Bild: Marie Blum/Masterfile

In der Vor-Corona-Zeit gehörten Weihnachtsfeiern für Journalisten zum guten Ton in der Unternehmenslandschaft. Gefälliger berichteten diese nicht. Und doch waren die Treffen wichtig.

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          November und Dezember sind trübe Monate. Früher war alles besser. Nicht, dass die Tage länger waren, schon gar nicht wärmer. Aber es gab diese Lichtblicke im Journalistendasein: Die Einladungen von Unternehmen zu Weihnachtsfeiern. Sie ge­hörten in der Vor-Corona-Ära einfach zum guten Ton. Der Chef plauderte, und – das war wie Weihnachten – schreiben musste man nichts. Denn alles war „unter drei“ – also „nicht zur Veröffentlichung bestimmt“. Und – noch deutlich früher, in der Weit-vor-Corona-Zeit – ließen sich die einladenden Unternehmen nicht lumpen; Compliance war noch nicht erfunden. Richtig ins Zeug legte sich stets ein Düsseldorfer Handelskonzern, damals noch stolzer Vertreter im Dax.

          Ein Verlust blieb ein Verlust

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          Einmal lud er zum gemeinsamen Christbaumschlagen. Weil ja Finger für Journalisten wichtig sind, musste niemand, der nicht wollte, selbst zur Axt greifen. Den Wunschbaum bekam man trotzdem frei Haus geliefert. Oder die Redakteure fertigten in einer Schokoladenmanufaktur ihre eigenen Pralinen, die fachkundigere Hände formvollendeten. Was für ein Geschenk für die Liebsten das war – süßer ging es nicht. Dann wurden die Zeiten härter. Eishockey wurde gespielt. Mit zwei gebrochenen Beinen und einem Arm im Gips unterm Christbaum sitzen? Ach nö! Auch in der zugigen Eishalle wurde immerhin noch ein Mehrgänge-Menü ge­reicht.

          Haben aber derart verwöhnte Journalisten wohlwollender über das Unternehmen berichtet? Nein! Ein Verlust blieb ein Verlust, eine Prognoseanpassung eine Prognosesenkung – da konnte das Essen noch so lecker sein. Gleichwohl waren diese Weihnachtsessen sozial wichtig. Hat sich doch das ein oder andere Paar unter den Journalisten gefunden. Der Autor weiß, worüber er schreibt. Aber das ist „unter drei“. In der Kolumne Nine to five schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus Alltag in Beruf und Hochschule

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