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Kolumne „Nine to five“ : Tücken der Teamarbeit

Das Team: Nützliches Gebilde oder organisierte Faulenzerei? Bild: dpa

Das Team – was ist das eigentlich für ein seltsames Gebilde? Mehrere Personen ringen gemeinsam um eine praxistaugliche Lösung. Kann das wirklich so schwer sein?

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          Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Gemessen an diesem Grundsatz, muss einem um die Teamfähigkeit von Berufseinsteigern nicht bange sein: Deutsche Schüler sind im internationalen Vergleich gute Teamarbeiter, heißt es in einer Pisa-Umfrage, in der erstmals nach sozialer Kompetenz von 15 Jahre alten Jungen und Mädchen gefragt wurde. Die Jubellaune der Arbeitgeber ist sicher groß. Schließlich geben die Personalchefs seit Jahren zu Protokoll, dass für sie die „Teamfähigkeit“ von Bewerbern ganz oben rangiert.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Team – was ist das eigentlich für ein seltsames Gebilde? Mehrere Personen ringen gemeinsam um eine praxistaugliche Lösung für eine knifflige Aufgabe, so lässt es sich wohl am besten beschreiben. Seit den Siebzigerjahren feiert die Teamarbeit ihren Siegeszug. Dabei verweisen Manager gerne auf Parallelen aus dem Profisport, in dem ein Spieler mit Talent zwar einzelne Spiele entscheiden kann, aber nur eine geschlossene Mannschaftsleistung zur Meisterschaft führt. Der Trend zur Spezialisierung sowie die globale Ausrichtung der Märkte sorgten für eine Hochkonjunktur von internationalen Projekt-Teams: Je diverser die Arbeitsgruppe, desto besser, lautete das Credo der Personalmanager.

          Kooperation unter Kollegen = organisiertes Faulenzen?

          Doch auch hier folgte die Ernüchterung prompt. Dass etwa der Einsatz des Internets den Teamgeist befördert und womöglich globale Arbeitsgruppen zu Höchstleistungen anspornt, ist pures Wunschdenken. Denn die Erfolge von virtuellen Teams beruhen in vielen Fällen auf Spitzenleistungen von Einzelkämpfern. Dabei arbeiten meist Spezialisten autonom an Lösungen, vermarkten ihre Ergebnisse meist in Eigenregie und bringen diese dann in ein gemeinsames Konzept mit anderen Kollegen ein, heißt es in jüngsten Studien von Arbeitsforschern.

          Der Befund mag auf den ersten Blick jene Kritiker bestätigen, die Kooperationen unter Kollegen ohnehin für organisiertes Faulenzen im Betrieb halten. Doch eine generelle Abfuhr für die Teamarbeit ist das keineswegs. Viele Arbeitgeber schwören auf die Produktivität von kooperativen Mitarbeitern, wenn das interne Umfeld stimmt und die Teilnehmer einige Spielregeln beachten. Teamarbeit ist etwa für Dienstleister unverzichtbar und bei Projektmanagern beliebt, deren Termine die Kunden diktieren. Die Größe von Arbeitsgruppen sollte überschaubar und die fachlichen Unterschiede der Teilnehmer nicht allzu groß sein. Zudem muss es in Teams menscheln, ohne dass sie in Kumpanei abdriften. Die soziale Kompetenz von Berufseinsteigern abzufragen ist vor diesem Hintergrund schon mal ein guter Anfang.

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